Fast Food? – Slow Food!

Slow Food, das ist die Gegenbewegung zum immer häufiger werdenden Fast Food. Und zugleich der Name einer weltweiten Organisation. Die Mitglieder wollen die Kultur des Essens und Trinkens bewahren. Vor zwölf Jahren brachten Marianne und Helmut Wager diese Idee nach Augsburg.

„Es gibt die Geschichte, dass in Italien an der spanischen Treppe, einem so historischen Ort, ein McDonald’s entstehen sollte. Dagegen protestierten die Bürger. Jedoch nicht mit Plakaten und Trillerpfeifen, sondern einem traditionellen Mahl an einer langen Tafel“, erzählt Helmut Wager, Gründer von Slow Food Augsburg, über die Anfänge des Vereins.

Carlo Petrini hat diesen im Jahre 1986 gegründet und ist bis heute sein internationaler Präsident. 1992 startete Slow Food schließlich auch in Deutschland durch. In Augsburg sind mittlerweile 120 Mitglieder vertreten, von denen sich 30 aktiv am Mitgestalten und Organisieren von zahlreichen Projekten beteiligen.

Denn die Aktivitäten der Gruppe begrenzen sich nicht nur auf einen regelmäßigen Stammtisch. Die Mitglieder wollen sich mit Veranstaltungen und Exkursionen in den Bereichen „Verantwortliche Landwirtschaft und Fischerei“, „Artgerechte Viehzucht“, „Traditionelles Lebensmittelhandwerk“ und „Bewahrung der regionalen Geschmacksvielfalt“ engagieren.

So gehen sie gemeinsam zu Besichtigungen bei Erzeugern, machen Geschmacksschulungen oder Kochkurse und planen Themenabende wie beispielsweise zum Thema „Apfel“, bei denen jeder sein Wissen über ausgewählte Nahrungsmittel erweitern kann.

Zusätzlich fungieren sie als Jury der regionalen Gaststätten. Eine Testgruppe von zehn Leuten besucht unterschiedliche Restaurants, die sich der regionalen und saisonalen Küche verschrieben haben, um diese in Kategorien wie „Artgerechte Tierhaltung“ und „Fairer Preis“ zu bewerten. Die Wirte, die das Team überzeugen, stehen schließlich im sogenannten „Genussführer“, ein Buch, in dem deutschlandweit alle empfehlenswerten Gaststätten verzeichnet sind.

Marianne Wager, ebenfalls Gründerin von Slow Food Augsburg, ist stolz darauf, dass aus ihrer Region schon sieben Gaststätten darin zu finden sind. Dazu zählen neben anderen der „Tavernwirt“ in Aichach-Sulzbach und der „Goldene Stern“ in Rohrbach. Wager war selbst sechs Jahre lang Vorsitzende der deutschlandweiten Genussführerkommission und war maßgeblich an der Entwicklung der Kriterien beteiligt.

Besonders wichtig ist für die Slow Food-Mitglieder der Erhalt von gefährdeten Nutztierarten und Lebensmitteln. Eigens dafür gibt es „Die Arche des Geschmacks“, die weltweit knapp 1000 bedrohte Tierarten und Pflanzen vor dem Vergessenwerden schützt. Gerade als Markenzeichen einer jeweiligen Region sollten solche besonderen Arten nicht ignoriert werden.

Das „Augsburger Huhn“ ist eines solcher gefährdeten Tierarten. Seit Ende des 19. Jahrhunderts hat sich dieses in ganz Bayerisch-Schwaben ausgebreitet, heutzutage wird es jedoch kaum noch beachtet. Da das robuste Huhn in kleinen Gruppen gehalten werden muss und nicht in Käfige gepfercht werden kann, erscheint es heute als zu umständlich, das Huhn für die Landwirtschaft zu nutzen.

Um die Menschen der Region mit solchen Themen vertraut zu machen sowie Händler und Verbraucher in Kontakt zu bringen, kümmern sich die Wagers gemeinsam mit ihrem Team um Prospekte wie die „Regionale Landkarte des Genusses“. Das Team selbst besteht sowohl aus Familien- als auch aus Einzelmitgliedschaften.

Als der Verein vor zwei Jahren das zehnjährige Bestehen feierte, zeigte eine Bildershow, wie viel Slow Food seit der Gründung bereits in Angriff genommen und erreicht hat. „Heutzutage ist die Esskultur ein Zeitgeistthema“, vermutet Marianne Wager. „Besonders wegen der vielen Lebensmittelskandale“, fügt ihr Mann hinzu.

Wer allerdings in einer Gaststätte das Slow Food Schneckenlogo sieht, kann sich dafür umso sicherer sein, dass dort alles aus bester Hand kommt
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