(Fast) immer in Bewegung - die Straßenbahn nach Augsburg Pfersee

Der Elektrische Triebwagen Nummer 2 bei der Betriebseröffnung 1898, einer der ersten elektrischen Straßenbahnwagen in der Stadt Augsburg, hier mit Zielhaltestelle Pfersee. (Foto: Die Fotos stammen aus der Sammlung von Herbert Waßner vom Verein „Freunde der Augsburger Straßenbahn“)
 
Der Triebwagen Nummer 46 an der Endstation in Pfersee mit Schaffner Josef Haupt auf der Linie Lechhausen – Pfersee (weißes Licht), (Aufnahme 1911). Nach Einführung von Liniennummern wurde der Strecke nach Pfersee die Liniennummer 1 zugeteilt. Das Fahrzeug wurde bei einem Brand in der Wagenhalle Senkelbach 1930 zerstört. (Foto: Die Fotos stammen aus der Sammlung von Herbert Waßner vom Verein „Freunde der Augsburger Straßenbahn“)

Hohe Wellen schlagen die Pläne für die Neugestaltung des Straßenbahnnetzes im Augsburger Stadtgebiet nach dem Umbau des Hauptbahnhofes. Ein Teilstück der neuen Linie 5, die das Klinikum an das Straßenbahnnetz anbinden wird, ist der große Stein des Anstoßes.

Hessenbachstraße oder doch Holzbachstraße, doppelte Straßenbahntrasse über die Luitpoldbrücke, oder den Neubau der Ackermannbrücke entsprechend gestalten? Wie sieht es mit nötigen Baumfällungen bei der einen oder anderen Variante aus? Kann man die enge Kurve nach der Luitpoldbrücke überhaupt für die Straßenbahn nutzen? Welches Projekt ist bezahlbar, beziehungsweise kann durch Fördergelder Unterstützung erfahren? Wie und wo kann eine Entlastungsstraße für die enger werdende Straße helfen?

Planänderungen bei der Trassenführung der neuen Linie 5

Während der Tunnel aus dem Bahnhof schon weit gediehen ist und die Vorbereitungen für den Bau der unterirdischen Bahnsteige laufen, ist die Trassenführung für die Linie 5 immer wieder heftig diskutiert worden, von massiven Bürgerprotesten begleitet. Die Stadt hatte nämlich lange Zeit die Variation „Hessenbachstraße“ für beschlossen erklärt. Dieser Plan lag zehn Jahre in der Schublade, da der Umbau am Königsplatz erst einmal abgeschlossen werden sollte. Gegen diese Idee gab es aber massiven Widerstand, der zunächst nicht gehört wurde. Schließlich entschied sich aber der Stadtrat überraschend doch für die Holzbachstraße als Wegführung, was offenkundig mit der ohnehin im Bau befindlichen Ackermannbrücke und den geänderten Vorschriften für Abstände auf der Luitpoldbrücke zu tun hatte.

Ersteres spart Geld. Und man musste erkennen, dass die Kombination von zwei Straßenbahnlinien und der anschließend kreuzenden Localbahn gar nicht mehr so leicht umsetzbar ist. So wird es in der Pferseer Straßenbahngeschichte ein neues – hart erkämpftes – Kapitel geben.

Pferde und weißes Licht

Schon als ab 1881 Straßenbahnen von Pferden durch die Stadt gezogen wurden, gab es eine Linie nach Pfersee. Nach der Elektrifizierung ab Juni 1898 hatte die Strecke bereits eine Länge von über fünf Kilometern – vom Lechhauser Schlößle bis zur Eberlestraße.
Eine Nummer hatte sie bis dahin noch nicht. Die ersten elektrischen Bahnen waren durch unterschiedlich farbiges Licht gekennzeichnet.

Ein kleines Stück U-Bahn


Wer nach Pfersee wollte, stieg in die Straßenbahn mit der weißen Beleuchtung. Streckenverschiebungen und andere Umstellungen waren immer wieder nötig für das sich verändernde Stadtgebiet. Ab 1908 gab es für die weiße Linie eine Eisenbahnunterführung hinter dem Bahnhof. Sie ist bis heute der Weg nach und von Westen, obwohl sie den unrühmlichen Namen „Angströhre“ verpasst bekommen hat und man schon einige Jahre mit Graffiti-Kunstwerken und klassischer Musik gegen dieses Image ankämpft.
Die Unterführung ist nicht nur duster, sie ist mit Autoverkehr und Straßenbahn für Fußgänger und Radfahrer auch nicht ganz ungefährlich. Auch die heutige Linie 3 wird künftig unter dem Bahnhof durchfahren und so zu einem Stück U-Bahn werden.
Ab 1909 gab es eine Streckenverlängerung bis zur Leitershofer Straße und bis zum Westfriedhof konnte man ab dem März 1916 fahren, zwischenzeitlich mit der Linie 1, beachtlicherweise damals schon im Fünfeinhalb-Minuten-Takt – bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkrieges.

Wechselhafte Geschichte der Verbindung in den Augsburger Westen

Wegen der wirtschaftlichen Lage wurde das Angebot in den 30er Jahren gekürzt und schließlich beschädigten Bomben die Eisenbahnunterführung. Von April bis Juni 1945 konnte in Augsburg keine Straßenbahn fahren.
Bis zum Herbst 1946 gab es wieder eine Verbindung von der Rosenaustraße bis zum Westfriedhof. Die Stadt wurde neu aufgebaut. Die Stadtwerke Augsburg und der Gemeinderat von Stadtbergen luden damals zu einem großen Fest an zwei Standorten mit zünftigem Rahmenprogramm. Als 1977 der Königsplatz neu gestaltet wurde, fuhr die Einser statt durch die Bahnhofstraße nun durch die Halderstraße. Ab 1983 war sie die Zweier und seit 1997 trägt sie die Nummer 3 und kommt aus Haunstetten. Für die heutigen Straßenbahnen mussten Bahnsteige verlängert und Hallen vergrößert werden.
Viele wieder verworfene Vorschläge gab es im Laufe der Zeit, die Linie von Stadtbergen aus bis zum Zentralklinikum zu verlängern. Dies wird nun Aufgabe der neuen Linie fünf werden.
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1 Kommentar
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Sebastian Summer aus Aystetten | 17.05.2017 | 14:04  
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