Fast vergessene Denkmäler

Gerichtsgrenzstein von 1670 an der Kapelle in der Gögginger Straße 96. Fotos: Anette Mayer

Wilfried Matzke

Augsburg als Freie Reichsstadt genoss während des Heiligen Römischen Reiches eine weitgehende Autonomie. Ansonsten war Bayerisch-Schwaben zwischen einer Vielzahl von weltlichen und kirchlichen Institutionen aufgeteilt. So grenzte Augsburg an Bayern, an das Hochstift Augsburg, das Reichsstift St. Ulrich und Afra sowie die Markgrafschaft Burgau. Nach dem Ende des Heiligen Römischen Reiches im Jahre 1806 kamen die Reichsstadt und die benachbarten Kleinstaaten zum Königreich Bayern. Grenzsteine erinnern noch heute an das "Alte Reich" mit seinen verschiedensten Staatsgebilden.

Aber bis 1806 wurden nicht nur Landesgrenzen gekennzeichnet, sondern auch Gerichtsbarkeiten, Grundbesitze und Rechte. Solche steinerne Kleindenkmäler mit oft kunstvollen Wappen oder Initialen sind in Vergessenheit geraten. Ein Dutzend Landesgrenzsteine aus drei Jahrhunderten kann man noch im Augsburger Stadtwald entdecken. Dort grenzte die Freie Reichsstadt an das Herzogtum und spätere Kurfürstentum Bayern sowie an das Reichsstift St. Ulrich und Afra. Das altbayerische Gebiet hieß Meringer Au und umfasste das heutige Siebenbrunn sowie einen Großteil vom Haunstetter Wald. Dieses Bayernland westlich des Lechs rührte daher, dass an dieser Stelle im frühen Mittelalter der Fluss ein bis zwei Kilometer weiter westlich verlief.

Das Reichsstift St. Ulrich und Afra zählte zu den kleinsten von rund 600 Ländern im "Alten Reich". Der Mini-Staat umfasste die heutige Gemarkung Haunstetten mit knapp 14 Quadratkilometern. Seine ältesten, noch vorhandenen Landesgrenzsteine stammen aus dem Jahr 1505. Auch von den anderen historischen Grenzstein-Arten sind einige Exemplare im Stadtgebiet erhalten geblieben. So findet man einen Gerichtsgrenzstein von 1670 an der Kapelle in der Gögginger Straße. Dort trafen die Gerichtsbarkeiten der Reichsstadt und des Hochstiftes aufeinander. Ein markanter Besitzgrenzstein aus dem Jahr 1613 steht im nördlichen Oberhausen. Das Werk mit einem springenden Pferd hatte die Stiftung St. Martin aufgestellt. Beim einstigen Ursprung des jetzigen Lochbach ganz im Süden von Augsburg stößt man auf den Brunnenbachstein. Dieser Quellstein von 1603 verwies auf den dortigen Wasserrechtsinhaber.
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