Feiertag in Gefahr: 1949 wäre das Friedensfest beinahe abgeschafft worden

Katholisch und evangelisch St. Ulrich: Die beiden Kirchen stehen als deutliches Zeichen für das friedliche Neben- und Miteinander verschiedener Bekenntnisse in Augsburg, das jedes Jahr am 8. August gefeiert wird. Foto: David Libossek

Augsburg - Es gehört zu Augsburg wie der Lech oder der Perlachturm: Das seit 1650 immer am 8. August begangene Hohe Friedensfest. Der langersehnte Frieden nach dem schrecklichen Dreißigjährigen Krieg führte zur Installation dieses Stadtfeiertages. Und sollte jemand den Augsburgern diesen Tag streitig machen, dann wäre es mit deren sprichwörtlicher Gutmütigkeit schnell vorbei. Einmal war es schon fast soweit.

Im Sommer 1949 debattierte der Bayerische Landtag ein neues Feiertagsgesetz, das mit den vielen bisherigen örtlichen Feiertagen aufräumen sollte. In der Fuggerstadt war Feuer auf dem Dach, stand doch das Hohe Friedensfest somit auf der Abschussliste.

Eilig war es dem Landtag, da die amerikanische Militärregierung das alte Feiertagsgesetz einkassiert hatte, so dass es überhaupt keine Feiertagsregelungen gab. Doch der Kelch des Verlustes des altehrwürdigen Tages ging an den Augsburgern vorbei und das schier Unmögliche gelang. Der Augsburger SPD-Landtagsparlamentarier Hans Kramer holte gleich zwei örtliche CSU-Mitstreiter mit ins "Feiertagsboot" und gemeinsam wurde der Kampf ums Friedensfest in München aufgenommen.

Kollegin Franziska Gröber und Kollege Albert Kaifer unterstützten seinen Antrag auf Wiederaufnahme des Friedensfestes in den freistaatlichen Feiertagskatalog "vollinhaltlich". Der hohe Stadtrat protestierte lauthals und selbst OB Klaus Müller traute sich was. Er diktierte einen "Brandbrief" an die Bayerische Staatsregierung. Und das Wunder geschah: Das Kabinett hatte ein Einsehen mit dem Augsburger Begehren und der Landtag stimmte in erster Lesung am 21. Juli 1949 dem auch zu. Doch jetzt begann das juristische Schlamassel.

Trotz aller terminlichen Eile verabschiedete sich das Parlament in die Sommerpause. Erholung war offenbar noch wichtiger. Die abschließende Gesetzesratifizierung konnte daher nicht mehr erfolgen und für das Hohe Friedensfest bestand - zumindest für 1949 - keinerlei Rechtsgrundlage. Doch die Stadt zeigte Souveränität: Gegen die allergrößten Bedenken des Herrn Stadtsyndikus - der die ganze Juristerei dagegen in Stellung brachte - beschloss der Rat auf Vorschlag des OB, "dass unbeschadet der Rechtslage und in Ermangelung einer gesetzlichen Grundlage der 8. August 1949 ein gesetzlicher Feiertag ist". Und dies gleich einstimmig.

So einfach ging das damals, und so kam es zu der einmaligen Besonderheit, dass sich der Stadtrat ohne viel Aufhebens selbst zum Gesetzgeber beförderte. Selbst die gestrenge Bezirksregierung im Fronhof schaute auf die Seite und es gab auch niemand, der gleich nach dem Verfassungsgericht rief.

Und im darauf folgenden Herbst nahm dann der durch die Sommerpause gestärkte Landtag in seiner abschließenden Lesung das Hohe Friedensfest brav in den Feiertagskatalog auf. (
Von Dr. Heinz Münzenrieder)
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