Feuerwehr funkt digital

In ganz Bayern sollen künftig die Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS) mit Hilfe des Digitalfunks kommunizieren. Neben der Feuerwehr gehören dazu auch der Katastrophenschutz, der Rettungsdienst und die Polizei.

Im Bereich der Integrierten Leitstelle Augsburg (ILS) funkt die Feuerwehr seit gestern nun nur noch digital. Die Landkreise Augsburg Land, Aichach-Friedberg, Dillingen und Donau-Ries sollen sich bald anschließen.

Der Digitalfunk sei eine technische Revolution aber dennoch eher unspektakulär, erklärt der Leitende Branddirektor Frank Habermaier. Er ist der Leiter des Amtes für Brand und Katastrophenschutz sowie der Projektleiter für die Einführung des Digitalfunks in Schwaben Nord bei den nichtpolizeilichen BOS. Analogfunk und Digitalfunk könne man vergleichen mit alten Telefonen mit Wählscheibe und modernen Telefonapparaten. "Wir haben vorher gefunkt und funken immer noch."

Dennoch sei die bundesweite Einführung zunächst recht kompliziert und inhomogen verlaufen. Bei einer Kick-off-Veranstaltung Anfang 2012 wären alle Beteiligten eingeladen worden, um zu erfahren, wie die Einführung genau vonstatten gehen solle. "Wir hatten alle ziemliches Bauchweh, wie das jemals funktionieren soll", erinnert sich der Branddirektor. "Im Nachhinein hat mich aber kein Projekt so überzeugt wie dieses." Denn die sechs Arbeitskreise, die für die Umsetzung des Projektes zuständig waren, hätten viel Zeit und größtenteils ehrenamtliches Engagement in einen reibungslosen Ablauf investiert.

Für die Umrüstung der Leitstelle sei viel Organisationsaufwand vonnöten gewesen, doch am Ende habe alles gut funktioniert, berichtet Stefan Würz, Leiter der ILS. Hardwareaustausch, Datenversorgung und vieles mehr waren notwendig, doch die Umstellung habe sich in jedem Fall gelohnt. "Jetzt müssen wir uns langsam an die neuen Funktionen herantasten." Das System ermöglicht es beispielsweise Kurznachrichten, sogenannte SDS, zu versenden.

Bislang seien keine Probleme aufgetreten, bestätigt auch Habermaier. Bisher ist nur im Stadtgebiet Augsburg auf den Digitalfunk umgestellt worden. Wenn sich das System unter realen Bedingungen erprobt hat, sollen auch die Landkreise Augsburg Land, Aichach-Friedberg, Dillingen und Donau-Ries dazu kommen. Mitte des Jahres soll das digitale System auch beim Rettungsdienst eingeführt werden.

Der Digitalfunk hat gegenüber dem Analogfunk einige entscheidende Vorteile: Aufgrund des dichten Funknetzes in Bayern ist eine bessere Verbindung möglich und Funklöcher sind nun kein Problem mehr. Auch die Qualität der Funksprüche hat sich verbessert. Das digitale System verfügt über einige technische Gimmicks wie einen Sprachfilter, der das Funken ohne störende Umgebungsgeräusche ermöglicht. Statt einem einzigen Funkkanal für die gesamte Feuerwehr Augsburg stehen jetzt 30 Kanäle zur Verfügung. Das sei besonders bei Großeinsätzen eine Erleichterung, wenn verschiedene Einsatzstellen parallel arbeiten müssten. Der einzige Nachteil ist laut Habermaier die Umgewöhnung an die neue Bedienung. Er ist aber zuversichtlich, dass sich alle Beteiligten schnell daran gewöhnen werden.

Während die Polizei gezwungenermaßen auf Digitalfunk umstellte, blieb die Entscheidung der Feuerwehr und dem Rettungsdienst selbst überlassen. "Wir wurden über hohe Zuschüsse gelockt", berichtet Habermaier. Über kurz oder lang wäre die Umstellung aber sowieso gekommen. Für die alten Geräte, die zum Analogfunk verwendet wurden, gebe es schon jetzt keine vernünftigen Ersatzteile mehr. Die analogen Geräte würden dennoch nicht weggeworfen. Falls das neue System doch noch Mängel aufweise, brauche man ein Sicherheitsnetz. Außerdem gebe es nach wie vor Landkreise, die noch nicht digital funken, und auch mit denen wolle man weiter kommunizieren können, so Habermaier. Vorerst müssen sowieso noch beide Funknetze unterhalten werden, denn eine digitale Alarmierung ist noch nicht möglich. Diese läuft erstmal weiterhin analog.

An einige Besonderheiten des Digitalfunks müsse man sich erst gewöhnen, erklärt Würz. Zum Beispiel müsse man erst auf einen Piepton warten, bevor man über das Handgerät sprechen könne. Diese Verzögerung liegt an der Verschlüsselung der Nachrichten im digitalen Funk. Durch eine Kryptokarte ist das System absolut abhörsicher. "Den Polizeifunk abhören, wie das früher möglich war, geht heute nicht mehr", sagt Würz.

Die Umrüstung auf den Digitalfunk ist für Ordnungsreferent Dirk Wurm eine logische Entwicklung: "Analoges Fernsehen beispielsweise gibt es ja auch nicht mehr. Warum sollten Feuerwehr und Polizei dann analog funken?"
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