Freizeitspaß auf dem Müllberg

Oben Natur, darunter Abfall: Der Müllberg der Deponie Augsburg-Nord, der auf Gersthofer Flur liegt, soll Mitte des Jahres größtenteils für die Öffentlichkeit freigegeben werden. Foto: Sascha Pöschl

Ab Sommer soll der "Monte Scherbelino" für die Öffentlichkeit zum Joggen oder Spazieren zugänglich sein.

Bislang war er aus Sicherheitsgründen gesperrt und wurde nur für bestimmte Veranstaltungen wie geführte Wanderungen, Volksläufe oder mit einer Sondergenehmigung unter Aufsicht geöffnet. Jetzt ist der rund 55 Meter hohe Müllberg der Deponie Nord zwischen Gersthofen und dem Augsburger Stadtteil Firnhaberau so weit renaturiert, dass er voraussichtlich im Sommer des kommenden Jahres für die Öffentlichkeit als Naherholungsgebiet freigegeben wird. Dazu läuft derzeit ein Genehmigungsverfahren.

Der Müllberg ist die höchste künstliche Erhebung in der Region und wird bereits jetzt als Naturidyll mit bester Aussicht gehandelt. Im Spätherbst bietet der "Monte Scherbelino", wie die Erhebung im Volksmund genannt wird, einen sehr guten Standpunkt zur Beobachtung eines beeindruckenden Naturschauspiels: Zugvögel, die in ihre Winterquartiere aufbrechen.

Rund 80 Prozent des Areals könnten - wenn das derzeit laufende Genehmigungsverfahren bei der Regierung von Schwaben positiv verläuft - für die Allgemeinheit zugänglich gemacht werden. Das geht aus einem Gutachten hervor, das auch die notwendigen Maßnahmen zur Sicherung der technischen Bauten am Müllberg beschreibt.

Vor der Freigabe der Fläche müssen technische Anlagen wie Gasbrunnen und Sickerwasserobjekte eingezäunt werden. Auch eine Reihe von Sicherungsmaßnahmen gegen Abstürze kommt aus versicherungsrechtlichen Gründen zur Durchführung. Außerdem sind Magerrasen und Deponieabdichtungen zu schonen. Garniert wird das Ganze mit einem überschaubaren Wegenetz für Spaziergänger und Jogger.

Details regelt dann eine Benutzerordnung. Doch soviel steht bereits jetzt fest: Mountainbiken und offenes Feuer - also Grillen und Lagerfeuer - wird nicht gestattet sein. Auch wird der Eingang zum Müllberg höchstwahrscheinlich nachts geschlossen sein.

Der Schuttberg entstand nach dem Zweiten Weltkrieg durch den Abbau von Kies und der darauf folgenden Verfüllung der entstandenen Baggerseen durch die Deponie Nord der Stadt Augsburg. Die Anlage umfasst heute rund 420 000 Quadratmeter. Der Hügel beinhaltet über sieben Millionen Kubikmeter Müll.

Aus dem anfallenden Deponiegas gewinnen die Bayerischen Elektrizitätswerke (BEW) seit Februar 1995 Strom. Dies geschieht über perforierte Rohre, die senkrecht oder waagrecht in die Deponie getrieben wurden. Ein Gebläse erzeugt dort leichten Unterdruck und saugt das Gas über Sammelleitungen.

In den 1980er-Jahren sorgte die Deponie für unliebsame Schlagzeilen, da die Sickerwässer der nicht abgedichteten Müllanlage in den Lech flossen und die starke Schadstoffbelastung eine große Gefahr für das Grundwasser darstellte. Umfangreiche Sanierungsmaßnahmen waren die Folge. Zwischen 1988 und 1996 erhielt der Müllberg eine Abdeckung mit Folien und eine mehrschichtige Lehmdecke. Zudem wurde eine dicke landschaftstypische Bodenschicht aufgetragen. Auf dem Berg entstanden so 17 Hektar Magerwiesen sowie Trocken- und Kiesbodenstandorte zur Schafbeweidung. Am Fuße der Deponie befinden sich wechselfeuchte Biotopstrukturen. Nordwestlich des Berges breitet sich der Europaweiher aus. Ein Idyll der vollkommenen Ruhe und Stille wird der Müllberg aber auch nach der Öffnung für die Bürger nicht sein. Noch bis 2023 wird am Osthang weiterhin Abfall mit niedrigem Schadstoffgehalt aufgeschüttet.
0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.