Friedberger Geschichte(n): Vogelfang in früheren Zeiten - Mit dem Kloben voglen und Vogelherde stellen

Kupferstich aus dem 18. Jahrhundert: Vogelfang mit dem Netz und am Vogelherd (Foto: seiler grafik design/pm)
 
Engel mit Lerchennetz am Gnadenaltar der Wallfahrtskirche Herrgottsruh in Friedberg (Foto: seiler grafik design/pm)
 
Mikrolithen vom Weinberg bei Sielenbach. (Foto: seiler grafik design/pm)
 
König Konradin auf Falkenjagd. (Foto: seiler grafik design/pm)
 
Vogelzeug im Schlossinventar Schmiechen aus dem Jahr 1605. (Foto: seiler grafik design/pm)
 
Plan eines Vogelherds im Taitinger Forst. (Foto: seiler grafik design/pm)
 
Anstand des Vogeljägers vor dem Rockerl. (Foto: seiler grafik design/pm)
Eine kulturgeschichtliche und literarische Abhandlung über den Vogelfang in früheren Zeiten mit besonderer Berücksichtigung des Landkreises Aichach-Friedberg.

Der verhinderte Lerchenfang

Anfang Oktober 1720 ging der Orgelmacher Kopp1 aus Friedberg eine Stunde vor Mitternacht zusammen mit weiteren vier Mitbürgern auf die Felder bei Herrgottsruh. Sie planten keineswegs im Schutze der Dunkelheit etwas Kriminelles auszuführen, sondern sie gingen einer damals ganz legalen, oft sogar vergnüglichen, heute jedoch höchst fragwürdigen Beschäftigung nach, dem Lerchenfang.
Garnnetze sollten auf die schlafenden Vögel ausgelegt werden, die sich in den Netzen verfingen und eine leichte Beute der Fänger wurden. Doch an diesem Tag sollten die Friedberger auf den Feldern bei der Kirche keine Lerche fangen. Denn als sie gerade dabei waren, mit dem Auslegen der Netze zu beginnen, hörten sie plötzlich so liebliche Orgelmusik aus der Kirche, als würde sie von Engeln gespielt – und das konnte ein Orgelbauer beurteilen. Dazu strahlte aus den Fenstern der Wallfahrtskirche wundervolles helles Licht, so dass die Lerchen, die offensichtlich glaubten, der neue Tag breche bereits an, davonflogen. Auch in den beiden folgenden Nächten wiederholten sich die Vorgänge, weshalb die Lerchenfänger gerade wegen der Wiederholung der Begebenheit mit heiligem Schauer erfüllt wurden.

Dieser verhinderte Lerchenfang² zählt mit anderen Begebenheiten zu den wundervollen Vorgängen, die zum glanzvollen Neubau der heutigen Wallfahrtskirche Herrgottsruh beitrugen, mit dem 1731 begonnen wurde. Zwei große Engel, die den linken Seitenaltar, den Gnadenaltar, flankieren, weisen auf diese wundersame Begebenheit beim Lerchenfang hin: Der linke Engel spielt ein kleines Orgelpositiv, der rechte hält ein Netz in den Händen, zu seinen Füßen steht ein kleines Körbchen, auf dem sich eine Lerche befindet. Außerdem hat Cosmas Damian Asam in seinem gewaltigen Chorwandfresko in Herrgottsruh auf die Licht- und Musikwunder, die sich mehrmals zugetragen haben, hingewiesen.

Vogelfang seit Menschengedenken

Der Vogelfang, der so alt wie die Menschheitsgeschichte ist, war in früheren Zeiten wie der Fischfang Teil der Jagd. Die Intensität der Vogeljagd, das Ansehen der Vogelfänger und ihr Anteil aus den verschiedenen Gesellschaftsschichten waren indes im Wechsel der Zeit unterschiedlich. So kennt zwar die Bibel den Vogelfang, sie spricht aber nie positiv davon. (Levitikus 17.13; Sprichwörter 6.5; Jeremia 5.26; Amos 3.5.) Bei Jeremia heißt es: „Ja, Frevler gibt es in meinem Volk; sie lauern, gebückt wie Vogelsteller, Fallen stellen sie auf, Menschen sollen sie fangen. Wie ein Korb mit Vögeln gefüllt ist, so sind ihre Häuser voll Betrug.“³

Kleine Steingeräte, sogenannte Mikrolithen, die man bei Sielenbach und bei Bergen/Mühlhausen gefunden hat, weisen darauf hin, dass bereits in der Mittelsteinzeit ab ca. 8000 v. Chr. Jäger mit dem Speer, der Harpune und Pfeil und Bogen in unserem Landkreis dem Fang von Wild, von Fischen, aber auch von Vögeln nachgegangen sind. In dieser Zeit ist der Fang vor allem größerer Vögel wie Ente, Wildgans, Auerhahn, Gänsesäger und Waldschnepfe belegt.4 In der darauffolgenden Jungsteinzeit war Wildbeute dagegen nur noch zweitrangig, die Sesshaftigkeit hatte dazu geführt, dass nunmehr überwiegend Haustiere das Fleisch für die Ernährung lieferten. Das änderte sich auch bis in die Keltenzeit nicht.5

Die Römer, denen oft nachgesagt wird, sie seien auf ausgefallene Genüsse besonders aus gewesen, liebten den Vogelfang und zählten ihn zur normalen Jagd. Cicero spricht von „omnes, quos venatus, aucupia plscatusque alebant“, also von allen, welche die Jagd, die Vogelstellerei und der Fischfang ernährte.

Das Aucupari (= vogelstellen) wurde in übertragener Bedeutung von ihnen aber sogar verwendet für begierig nach etwas trachten, aucupa verborum (= Vogelfang nach Worten) waren Wortklaubereien. Vogelschauer (auguren) gehörten bei ihnen zu den wichtigsten Weissagern, ja sogar das Wort Tempel hat mit ihrer Tätigkeit zu tun, weil sie von diesen Stellen aus die Vögel beobachten (=contemplari). Vielleicht haben die Römer eine besondere Methode des Vogelfangs über die Alpen gebracht, den Vogelfang mit dem Vogelherd6, von dem später zu berichten ist. Als Leckerbissen galten Wachteln, Rebhühner, Singdrosseln, Wacholderdrosseln und offensichtlich auch Nachtigallen, die bei den Griechen wegen ihres schönen Gesangs von der Jagdbeute ausgenommen waren. Die genannten Vögel wurden auch in Vogelhäusern gehalten. Gejagt wurden aber auch die Löffelenten, das Haselhuhn, das Teichhuhn, die Hohltaube und die Ringeltaube.7 Das sechste Buch des Kochbuchs der Römer des Marcus Gavius Apicius, der zur Zeit des Kaisers Tiberius (14-37 n. Chr.) lebte, ist ausschließlich Rezepten für Geflügel vorbehalten. Man findet Rezepte zur Zubereitung von Rebhühnern, Haselhühnern und Turteltauben, von Enten, Gänsen und Hühnern, aber auch von Flamingos, Kranichen und Straußen. Die Jagd allgemein war bei den Römern jedem freien Bürger erlaubt, da jedes Wild als herrenlos galt. Das änderte sich im Mittelalter. Es entwickelten sich die Formen der hohen und der niederen Jagd. Zur hohen Jagd gehörte alles größere Wild. Seit Karl dem Großen nahmen die Landesherren das Jagdrecht für sich in Anspruch, übertrugen es aber oft an Adelige oder Klöster.

Zweiter Stadtgründer: Staufer Konradin


Die Vogeljagd rechnete – bis auf wenige Ausnahmen – zur niederen Jagd. Ihre Betreiber kamen aus allen Gesellschaftsschichten. Gerade der höhere Adel gab sich aber nicht mit den üblichen Vogelfangtechniken ab.

Zu seinen standesgemäßen Vergnügungen zählte besonders die Falkenjagd, der Kaiser Friedrich II. ein eigenes Buch gewidmet hat. Es ist nicht auszuschließen, dass sich der zweite Stadtgründer Friedbergs, der Staufer Konradin, während seiner gelegentlichen Aufenthalte auf der Burg Friedberg auch auf die Vogeljagd begeben hat. Die Heidelberger Liederhandschrift, die sogenannte Manessische Handschrift, zeigt ihn als jungen König mit seinem Jagdfalken auf der Rebhuhnjagd. Er wird dabei von seinem Freund Friedrich von Baden begleitet. Auch von Herzogin Renata, der Gemahlin des bayerischen Herzogs Wilhelm V., die sich in der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts oft im Friedberger Schloss bei ihrer Mutter, Herzogin Christine von Lothringen, aufhielt, wird nachgesagt, sie habe besonders die Fuchsjagd und die Reiherbeize geliebt. Mit dem März 1570 wird sogar ein Datum einer Jagd bei Friedberg genannt.8

Dass der Adel bei uns auch dem üblichen Vogelfang mit Netzen, Kloben und Vogelherd nachging, zeigt eine Aufzeichnung aus dem Schloss Schmiechen.

Finken- und Lerchennetze im Schlossinventar

Obwohl es wegen der Jagd zwischen den Herren von Gumppenberg, die von etwa 1430 bis 1502 die Hofmark Schmiechen innehatten, und den bayerischen Herzögen immer wieder Schwierigkeiten gegeben hatte, ließen sich die „Hofmarksherren die kurzweil des waldwerch (. . .) nit weren“. Herzog Wolfgang (*1451, †1414) schickte einmal sogar Diener nach Schmiechen, als „Her von Gumpenberg ain oder mer Vogelherd machen und vogln lassen hatte, um ihm zu sagen, daß Er die Vogelherdt abthun unnd nicht mer vogln noch Jagen lassen solt.“ Doch die Gumppenberger ließen sich nicht abhalten, weiterhin Vogelherde in der Hofmark aufzustellen und auf die Jagd zu gehen.9 Auch unter den Fuggern, die ab 1509 die Herrschaft Schmiechen übernommen hatten, gehörte die Jagd allgemein, aber auch der Fischfang und die Vogeljagd zu den herrschaftlichen Vergnügen. Vorübergehend war die Vogeljagd zwar um 1470 zum Erliegen gekommen, denn in einem Schmiechener Schlossinventar aus dem Jahr 1573 finden wir im Schloss unter dem Jagdgerät nur alte, vergammelte Vogelfangutensillien.10 Der Verwalter der Fugger gibt einen Überblick über das VogelZeug, das VischZeug und das JagZeug. Er nennt 1 Par Alt Lerchen wenndt, nicht guet, 1 Par funckhen wenndt, sein erfault. 2 Huener garn mit Eisen Spindlen, 1 Huener garen mit hilzin spindlen, 4 Alte annten Nez oder steckhgarn. Die alte Vogeljagdausrüstung zeigt uns, wie in der 1. Hälfte des 16. Jahrhunders Vogeljagd betrieben wurde.

Im einzelnen werden also jeweils ein Paar Lerchenwände und Finkenwände genannt. Hier ist wohl an Fangwände aus Netzen mit versteiften Enden zu denken, die über den angelockten Vögeln zusammengeschlagen werden konnten. Lerchenwände waren wohl zum Nachtfang da, Finkenwände zum Tagfang. Zu denken wäre evtl. auch noch an mit Laubwerk getarnte, gegenüber aufstellbare Netzwände, in welche die Vögel auch durch Lockvögel in Käfigen getrieben wurden, wobei sie sich in den Netzen verfingen. Bei Hühnernetzen ist an die Jagd auf Rebhühner, Wachteln und Schnepfen zu denken, bei Entennetzen an die Jagd auf Wildenten.

Die vorübergehende Einstellung der Jagd hing offensichtlich damit zusammen, dass in diesen Jahren die Fuggerherrschaft auf die drei Brüder Marx, Hans und Jakob Fugger gemeinsam vererbt worden waren und Schmiechen in dieser Zeit etwas im Schatten stand. Das änderte sich jedoch rasch, als 1575 die Fuggerherrschaft aufgeteilt wurde auf Hans Fugger durch das Los mit Kirchheim auch Schmiechen bekam. Bekanntlich hat er nicht nur das Schloss Kirchheim mit dem herrlichen Zedernsaal ausschmücken lassen, er hat auch das Schloss Schmiechen mit viel Geld verschönert. So konnte 1598 von Schmiechen gesagt werden: alda zue schmiehen ist ein Schön Schloß.11 Als unter dem Nachfolger Marx Fugger im Jahre 1605 erneut ein Inventar des Schmiechener Schlosses angelegt wurde, wurden nun auch zahlreiche Jagduntensilien, darunter viel Vogelzeug, das im Bauhof aufbewahrt wurde und dem Gärtner unterstand, verzeichnet. Bei einer erneuten Durchsicht des Inventars im Jahre 1617 hat sich das Vogelzeug sogar noch vermehrt.

Die Wachteln konnten gar nicht alle aufgezehrt werden

Neben dem Adel ging auch die Geistlichkeit der Vogeljagd nach. Das Jesuitenkollegium von Augsburg beanspruchte im Jahre 1603 für seine Besitzung Mergenthau das Jagdrecht, das Waidtwerk. Es verlangte auf Grund seiner Hofmarksrechte im Bezirk Kissing Rehe, Wildschweine, Füchse und Hasen zu jagen, auch Hühner, Wachteln und Vögel zu fachen und zu schießen, mit dem Kloben zu voglen und Vogelherde zu stellen.13 Die große Jagd wurde ihnen jedoch wenige Jahre später vom bayerischen Herzog Maximilian I. wieder aberkannt, das kleine Waidtwerk aber blieb ihnen erhalten.

Da die meisten Vögel nur sehr wenig Fleisch lieferten, mussten sie in großer Zahl gefangen werden. Gelegentlich waren es so viele, dass sie gar nicht aufgegessen werden konnten. So ist im Einschreibbuch der Jesuiten über die Hofmark Kissing am 29. August 1722 verzeichnet:

Diß iahr sind so Vill wadchteln gefangen worden, als, das man selbe im Collegium nit hat aufzehren khönen, sondern dem Jäger Vill wiederumb hat zuruckh geben.14 Wenige Jahre später, sicher noch vor 1750, finden wir bei den Jesuiten in Mergenthau einen jungen Buben, der für die Patres Schweine hütete und andere Dienste verrichtete. Es ist Matthäus Klostermaier, der spätere Bayerische Hiasl. Mit dem Jäger Bernhard Wörsching von Kissing ging er auf die Jagd. Dieser zeigte ihm auch die verschiedenen Vogelfangmethoden, wie man z. B. mit Netzen Lerchen und Wacholderdrosseln, die im Volksmund Krammetsvögel heißen, fing. Für jeden gefangenen Krammetsvogel soll der Hiasl zwei Kreuzer erhalten haben.15

Das einfache Volk macht Jagd auf alle Vögel, besonders jedoch auf Schnepfen, Wachteln, Wacholderdrosseln, auf Stare, Finken, Tauben und Lerchen.

Lerchen darf ein jeder fangen,
Kleine Vögel, die sind frei,


wird im Lerchenkrieg16 von Ludwig Uhland verkündet. Und an anderer Stelle desselben Gedichts heißt es:

Abendlich im Herbstesnebel
Ziehn die Bürger aus dem Tor,
Breiten, richten still die Garne,
Lauschen mit gespanntem Ohr. Horch, es rauscht! die Lerchen kommen,

Horch, es rauscht! ein mächt’ger Flug

Wer denkt hier nicht an den eingangs erzählten verhinderten Lerchenfang. Der Vogelfang scheint sich ab dem 18. Jahrhundert geradezu zu einem Volksvergnügen ausgeweitet zu haben, an dem alle Gesellschaftsschichten beteiligt waren.

Die infamen Methoden der Vogelfänger

Die Methoden des Vogelfangs waren ausgedacht: Man jagte nicht nur mit Netzen, sondern auch mit Leimruten, Fangwänden, Klemmhölzern, Fallen und Fangkästen, man baute Finken- oder Vogelherde, gelegentlich auch Rockerl17 und man bediente sich der infamsten Anlockmethoden mit Lockpfeifen, Lockvögeln und Lockfutter.

Zu den häufigsten Fangmethoden rechnete der Vogelfang auf dem Finken- und Vogelherd.

Auf dem Finkenherd bediente man sich vor allem der Leimruten, an denen die Finken hängen bleiben sollten. Auch wurden Finkenhähne, denen die Flügel gebunden waren, als Lockvögel benutzt. Wenn weitere Finkenhähne diesen Lockvogel beißen wollten, blieben sie an Leimgabeln kleben, die beim Finkenhahn in die Erde gesteckt waren. Lessing lässt in Nathan dem Weisen die Christin Daja sagen:18

[…]Lehrt ihr des armen Vogels,
Der am der Rute klebt, Geflattre mich Doch kennen! [...]


Außerdem waren zum Fang der Vögel oft Klemmhölzer, sogenannte Kloben, angebracht. Dabei handelt es sich um zwei genau aufeinander passende Hölzer, die an einem Ende verbunden waren. Wenn sich Vögel darauf niederließen, wurden sie zugezogen und die Vögel festgeklemmt.

Wie sah bzw. sieht ein Vogelherd nun aus?

Der Vogelsteller soll vorhin eyn viereckigen vogelherd vornen am busch anrichten,

steht in einer alten Anweisung.20 Es handelt sich in der Regel um eine aus dem Gelände herausgearbeitete, eingeebnete ovale bis rechteckige Fläche von 10–25 m Länge und 5–10 m Breite, die gelegentlich von einer leichten Bodenvertiefung (Graben) umgeben ist, aber nicht sein muss.

Die Lage auf einem Sporn, einer Kuppe oder einem Talrand begünstigte den Vogelanflug. Das Gelände musste waldfrei sein, es sollte aber von einzelnen Büschen und Bäumen in der Nähe umgeben sein, damit die Vögel angelockt werden konnten. Wald in der Nähe war günstig. Manchmal findet man neben dem eigentlichen Vogelherd noch eine kleine Vertiefung (Grube), in der sich der Unterstand des Fängers, genannt Vogelhütte, befand.

Man kann aber auch daran denken, dass der Unterstand nur aus einem einfachen, kurzfristig aufgestellten Laubdach bestand.

Betrieb auf dem Vogelherd war zu jeder Jahreszeit: Im Juni vor der Heuernte wurden Stare gejagt, im Sommer Tauben, ab Bartholomä (24. August) war der beste Finkenflug, der noch sechs Wochen dauerte27 und wo oft 200 Finken anflogen, nach der Getreideernte im Herbst fing man Lerchen, ab September im Herbst und im Winter Drosseln. Für letztere wurden Wacholderzweige mit Beeren auf den Vogelherd gelegt. Regenwürmer und Ameiseneier lockten Stare an, Getreidekörner Lerchen, eine Salzlecke Tauben.

Vogelherde im Landkreis Aichach-Friedberg

Die Vogeljagd war in vergangenen Jahrhunderten auch bei uns eine weit verbreitete Sitte. So kann man in zahlreichen Gemeinden des Landkreises die Bezeichnung Vogelherd oder eine ähnliche Bezeichnung finden, wenn man die alten Flurnamen erforscht oder in alten Beschreibungen, Urkunden, Urbarien etc. liest. Heute sind Vogelherde meistens unerkannt verschwunden, da sie auch aus dem Bewusstsein der modernen Menschen verschwunden sind. 

Während der Begriff Finkenherd meines Wissens in unserer Gegend nicht mehr vorkommt, können Vogelherde im Landkreis Aichach-Friedberg noch teils archäologisch, teils archivalisch und als Flur- oder Straßenbezeichnungen nachgewiesen werden.

Gute Aussichten auf Vogelanflug

Archäologisch ist ein Platz im Taitinger Forst wohl gesichert, obwohl es schriftlich dafür keine Belege gibt. Es handelt sich dabei um eine etwa 20 m lange und bis zu 7 m breite langovale flache Bodenerhebung, die von einem leichten Graben umgeben wird. Ihre Lage am Rande des Bachgrabens, etwas 480 m ostnordöstlich der St.-Lorenz-Kapelle von Latzenhausen gelegen, bot gute Aussichten auf zahlreichen Vogelanflug.

Vogelherde sind in der Mitte des 18. Jahrhunderts auch am Lech archivalisch nachzuweisen.33 Sie sind jedoch längst verschwunden, da zum einen auf kurfürstlichen Befehl 1803 alle Vogelherde am Lech bei Lechhausen, das bis zum 1.1.1913 zum Bezirksamt Friedberg gehörte hatte, aufgehoben wurden. Es war kein Vogelherd mehr gestattet, sondern alles Holz und Stauden sollten ausgehauen, und die Plätze sodann urbar gemacht werden.34 Zum anderen wurden die Auen bei der Flussregulierung 1920 großenteils kultiviert, wobei die noch bestehenden Vogelherde abgingen.

Gesetze zum Schutz der Vogelwelt

An anderer Stelle ist die Lage des Lechhauser Vogelherdes der Jesuiten genauer gekennzeichnet: Hinter dem Garten zu Lechhausen hat das Collegium einen Voglhert, zu welchem auch Holz gehörig, absonderlich umb den khöglplatz herumb [. . .]35 Dieser Vogelherd war 1772 aber nicht genannt.37 Aus ihr geht aber hervor, dass auch in der Hofmark Bachern ein Vogelherd für 30 Kreuzer pro Jahr verstiftet wurde. Als Straßennamen kommt die Bezeichnung Vogelherd an der Paar in Friedberg-Ottmaring und wiederum an der Paar in Aichach-Nord vor. Ein Vogelherdacker ist in Meringerzell/Reifersbrunn zu finden.30 Der Vogelfang, der in früheren Zeiten vielleicht einmal seine Berechtigung gehabt hatte, der im 17. und 18. Jahrhundert in Deutschland einen bereits bedenklichen Höhepunkt erreicht hatte, wurde hier erst seit der Gründung des Vereins zum Schutze der Vogelwelt 1875 und durch Gesetze vom 30.5.1908 wirksam eingedämmt. Noch im Februar 1907 weisen die Abschusslisten im Kühbacher Revier neben Rehen, Hasen und anderem Jagdwild an Vögeln folgende Zahlen auf:

1 Stockente, 1 Schnepfe, 234 Rebhühner, 26 Wachteln, 1 Wildtaube, 38 Raubvögel groß, 59 Raubvögel klein, 3 Elstern, 92 Krähen, 35 Eulen.55 In der Naturschutzverordnung vom 18.3.1936 ist der Schutz der nicht jagdbaren wildlebenden Vögel festgelegt. Darin ist das Nachstellen, die mutwillige Beunruhigung, das Fangen oder Töten von Vögeln sowie das Beschädigen oder Wegnehmen von Eiern, Nestern oder anderen Brutstätten verboten. Jeder Vogel zieht nur so viele Junge groß, wie es ihm das Futterangebot ermöglicht, längst ist deshalb auch unser Kinderlied

Storch, Storch, du guter,
Bring mir einen Bruder!
Storch, Storch, du bester,
Bring mir eine Schwester!


zur Kindheitserinnerung geworden, das wir dem Storch in der Bauernbräustraße in Friedberg, wo er seine Jungen groß zog, zuriefen oder zusangen. Gott sei Dank hat seit einigen Jahren ein Umdenken eingesetzt! Allmählich kann man im Lechfeld wieder bunte Frühlingswiesen sehen, allerdings noch neben fett gedüngten Löwenzahnwiesen. Es bestehen also gute Aussichten, dass unsere Vogelwelt wieder zunimmt.

Quelle:

Landratsamt Aichach-Friedberg: Auszüge aus „Altbayern in Schwaben 2002“ – „Mit dem Kloben voglen und Vogelherde stellen“

Autor: Dr. Hubert Raab

Fotos: seiler grafik design
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