Frieden - nicht nur eine Sache für Idealisten

Die Stadt Augsburg feiert vom 20. Juli bis 8. August das Friedensfest. In diesem Jahr will Timo Köster, Leiter des Friedensbüros, die Vieldimensionalität des Themas aufzeigen. Entstanden ist ein Rahmenprogramm aus sechs Modulen: Musik, Migration, Umwelt, Politik, Sport und Religion.


Die Kernbotschaft des Festes lautet: „Frieden ist keineswegs nur Angelegenheit von Weltverbesserern und Idealisten – Frieden durchdringt und fordert alle Gesellschafts- und Lebensbereiche.“ „Ich wollte die unterschiedlichen Ansätze zusammenführen und zeigen, was in der Stadt da ist“, erläutert Köster. Das Thema Frieden ist für ihn längst keine Dachmarke mehr, sondern „eine inhaltliche Herausforderung“. Mit dem Programm wolle er Denkanstöße geben und Diskussionen in Gang bringen.

Das Friedensfest startet mit dem „Festival der Kulturen“ am Freitag, 20. Juli. Auf den Bühnen am Elias-Holl-Platz und im Kulturhaus Kresslesmühle spielen Stars der lokalen und internationalen Weltmusikszene wie die kongolesische Weltmusikband Konono N?1, die traditionelle afrikanische mit moderner elektronischer Musik kombiniert, und die Group Doueh aus Marokko mit ihrem Bandleader Bamaar Salmou, dem „Jimi Hendrix der Wüste“. Musik und Tanz gibt es auch am Samstag, 21. Juli, beim „Karneval der Welten“, bei dem Migranten- und Kulturvereine sowie Bürgerinitiativen mitmachen und der erstmals ins Friedensfest integriert wurde.

Im Modul „Frieden und Migration“ steht die Auseinandersetzung mit Flüchtlingsthemen im Mittelpunkt. Ein Großteil der Veranstaltungen findet im Grandhotel Cosmopolis statt, unter anderem ein Kurzfilmabend, Installationen, Theater und Fotoausstellungen.

Zentrale Frage im Modul „Frieden und Umwelt“ ist „Wie wollen wir morgen leben?“. Thematisiert werden auch die Folgen der Energiewende. Eine Exkursion an den Lech und eine Geocaching-Tour durch den Augsburger „Friedenswald“ zeigen auf, wo lokal gehandelt werden muss.

Im Modul „Frieden und Politik“ geht es um die Friedensbewegungen der 1980er Jahre. An der Uni findet eine Graduiertentagung mit dem Titel „Ein bisschen Frieden?“ statt. Passend zum Titel, so berichtet Köster, habe das Friedensbüro versucht, die Sängerin Nicole zu engagieren – vergebens. Zum Thema „Frieden und Politik“ gibt es öffentliche Begleitveranstaltungen sowie im Zeughaus die Ausstellung „Zu viel Panzer, zu wenig Hirn“, die einen Querschnitt künstlerischen Engagements für den Frieden seit den 1950er Jahren aufzeigt.

An Sport- und Friedensbegeisterte richtet sich das Modul „Frieden und Sport“. Höhepunkt ist der zweite Augsburger Friedensmarathon am Sonntag, 5. August, der auf der 42,195 Kilometer langen Stadtstrecke nicht nur an Kirchen, Moschee und Synagoge vorbeiführt, sondern auch an „Meilensteinen“ mit Friedensstiftern. An den Start gehen neben Einzelläufern auch „Friedensstaffeln“ mit Menschen unterschiedlicher Religionen und Nationalitäten. „Sie sollen gemeinsam schaffen, was sie alleine nicht können“, erklärt Organisator Wolfgang Hosp. Im Vordergrund des Friedensmarathons stehe nicht der sportliche Leistungsgedanke, sondern „es ist wichtig, dass man sich auf den Weg macht“.

Spielerisch geht das Modul „Frieden und Religion“ zu Werke, um den Teilnehmern die verschiedensten Religionsgemeinschaften näher zu bringen. Beim Predigt-Slam setzen sich sakrale Laien mit der Bibel auseinander – Publikum und Fach-Jury küren die besten Hobby-Pastoren. Auf Spurensuche begibt sich die interreligiöse Stadtrallye am Samstag, 28. Juli, organisiert von den Studenten des Lehrstuhls Ethnologie an der Uni Augsburg. Weil der Ramadan auch in diesem Jahr auf das Friedensfest fällt, gibt es wieder ein gemeinsames Fastenbrechen am Sonntag, 5. August.

Das Friedensfest selbst, der 8. August, fällt in diesem Jahr auf einen Mittwoch. Festpredigerin des Ökumenischen Festgottesdiensts in der Basilika St. Ulrich und Afra ist Margot Käßmann. Im Anschluss sind wieder alle Augsburger und Gäste zur Friedenstafel eingeladen. Diese ist wegen der Baustellen in der Innenstadt in diesem Jahr am Annahof aufgebaut. Am Nachmittag von 13 bis 18 Uhr findet das Kinderfriedensfest im Zoo und im Botanischen Garten statt.



Info: Das Programm des Friedensfests steht auf der Homepage der Stadt Augsburg www.augsburg.de zum Download bereit.
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