Für Votteler fällt der Vorhang

Wenn am Augsburger Theater Bagger und Abrissbirnen anrollen, wird Juliane Votteler nicht mehr Intendantin sein. Ihr Vertrag wird nicht über 2017 hinaus verlängert. Damit ist klar: Die Interimsspielzeit und die Neuaufstellung des Theaters werden ohne Votteler über die Bühne gehen. Zumindest eine Nebenrolle wollen in puncto Konzeption 52 Kulturschaffende und Politiker einnehmen. Die Dialoge mit der Stadt laufen bereits.

Die Erleichterung war offensichtlich bei Juliane Votteler. Nachdem Markus Söder verkündet hatte, 107 Millionen Euro bayerische Steuergelder ins bröckelnde Augsburger Schauspielhaus zu stecken. Die Kunde von Bayerns Finanz- und Heimatminister hatte ein Lächeln auf Vottelers Gesicht gezaubert. Sie habe Einiges vor im Übergangsbetrieb. Auch "außergewöhnliche Spielorte" schweben ihr vor, frohlockte sie. Zu ihrer Zukunft wollte sie sich bereits damals nicht äußern. Nun hat die Stadt jedoch darüber entschieden - sie möchte die Hauptrolle der Intendanz während des Umbruchs anderweitig besetzen.

In einer Sitzung, die am Dienstag bis spät abends dauerte, einigten sich die regierenden Fraktionen von CSU, SPD und Grünen schließlich darauf, Vottelers Amtszeit nach dann zehn Jahren enden zu lassen. Nie zuvor hatte jemand die Intendanz in Augsburg so lange inne.

Die Stadtratsfraktionen der großen Koalition hätten sich darauf verständigt, "die Stelle mit Beginn der Interimssituation neu auszuschreiben", teilte die Stadt via Pressemitteilung mit. Aus Stadtratskreisen war zu vernehmen, dass man mit einer Neubesetzung einen reibungslosen Ablauf der Sanierung garantieren wolle. Um das näher zu erörtern, lädt die Stadt für heute zu einem Hintergrundgespräch ein, an dem sowohl Kulturreferent Thomas Weitzel als auch Votteler teilnehmen sollen.

Weitzel ist auch noch auf einer anderen Baustelle im Einsatz. Er führt gemeinsam mit OB Kurt Gribl und Baureferent Gerd Merkle Gespräche mit einer Delegation der Kulturschaffenden, die im Juni in einem Offenen Brief eine gewichtige Rolle in der Neukonzeptionierung des Theaters einforderten. Mittlerweile fungieren die 52 Unterzeichner - neben den Künstlern haben auch Stadträte und Journalisten ihre Signatur unter das Dokument gesetzt - als "Initiative Theater-Neubau".

Dabei sind drei der Erstunterzeichner wegen interner Unstimmigkeiten bereits wieder ausgetreten - noch bevor Söder seinen großen Auftritt in Augsburg hatte. Darunter die freischaffenden Künstler Christofer Kochs und Jo Thoma sowie der Autor Franz Dobler. Für die Drei rückte ein neues Trio nach.

In der neuen Konstellation erzielten die Vertreter der initiative - aktuelle Stadträte sind von den Treffen ausgeschlossen - Einigkeit darüber, "dass Bürgerbeteiligung, Stadtteilgespräche sowie eine externe professionelle Moderation und Konzeption dieses Prozesses gewünscht sind", wie die Stadt die ersten Dialoge zusammenfasste. Auch Expertentagungen sollen Teil des sogenannten Dialogprozesses sein, der im Oktober startet.

An diesen Planungswerkstätten wollen sich auch der Kulturbeirat, der Stadtjugendring, Vertreter der freien Theaterszene und weitere Kulturschaffende beteiligen. Kulturreferent Weitzel ist das nicht genug. Er ist davon überzeugt, "dass es gelingen wird, den Dialogprozess mit der ganzen Stadtgesellschaft zu führen."

Sein Kollege Merkle ließ den Ruf der Initiative nach einem Planungsstopp jedoch verhallen. Denkmalschutz, Statik, Barrierefreiheit und Brandschutz seien "nicht verhandelbar". Sie berührten ohnehin nicht das inhaltliche Konzept. Die Initiative sieht das freilich anders. Sie fordert, zumindest, den Sanierungsstart noch nicht zu terminieren. Die Stadt hat sich jedoch darauf festgelegt, Anfang 2017 mit den Arbeiten zu beginnen. Dann, wenn Vottelers Vorhang als Intendantin fällt.
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