Fußballkulturelles Neuland: Jimmy Hartwig in der Operette "Roxy und ihr Wunderteam"

Im Rampen- statt im Flutlicht: Ex-Fußballer Jimmy Hartwig (rechts) steht in Augsburg unter anderem mit Markus Hauser auf der Theaterbühne. (Foto: Jan-Pieter Fuhr)

Jimmy Hartwig ist gerade mit seinem Burger beschäftigt, als die Presseveranstaltung im „11er“ beginnt. Ein Luxus, den er sich in seiner Zeit als Profifußballer wohl nicht allzu oft erlauben hätte können. Glück für den ehemaligen Spieler des Hamburger SV und Ex-Trainer des FC Augsburg, dass er inzwischen vom Fußball ins Schauspiel gewechselt hat.

William Georg genannt „Jimmy“ Hartwig sitzt in der Augsburger „Fußballkulturkneipe“. Welch passender Ort, eine Operette vorzustellen, in der eben jene beiden Elemente miteinander verschmelzen. Mit Hartwig am Tisch hockten daher unter anderem auch Regisseur Martin G. Berger und Intendant André Bücker. Das Stück heißt „Roxy und ihr Wunderteam“, stammt von Paul Abraham und ist dem Neo-Genre „Fußballoperette“ zuzuordnen.

Ein Begriff, mit dem wohl die wenigsten etwas anfangen können, der Zusammenhang erschließt sich wohl erst, wenn man ein wenig um die Ecke denkt. Beides sind Bühnen, bei beidem wird gesungen, beides dient der Unterhaltung – sollte also passen.

Jimmy Hartwig bezeichnet das Stück und seine Umsetzung als „genial gemacht“ und ist überzeugt, dass jeder Besucher begeistert sein wird. „Es ist keine konventionelle Operette“, bringt der junge Regisseur, mit den zum Zopf gebundenen Haaren zwischen zwei hungrigen Bissen hervor, der Fußball sei dabei „ein schmückendes Beiwerk“. Auch die Interimsspielstätte Martini-Park, mit ihren begrenzten Möglichkeiten, zeige, dass überall Theater gespielt werden kann, und hole das Beste aus dem gesamten Ensemble heraus, sagt Berger und klingt dabei ein wenig nach einem Fußballtrainer vor einem Spiel bei Sauwetter.

Anders als der Sport hätten Operetten einen schlechten Ruf. Schuld daran seien die Nazis – auch Hitler selbst galt als Fan der Kunstform. Das Image, betont der Regisseur, „gilt es wieder herzurichten“. Das soll auf der Bühne geschehen, in der Kneipe wollen die Protagonisten über den Inhalt nicht allzu viel preisgeben.

Nur so viel: Verfolgt wird ein junger FCA-Spieler, der in die Nationalmannschaft geholt wird, um bei der WM in Ungarn für Deutschland zu spielen, und dabei in eine neue Welt eintaucht. Ins Spiel kommen auch Rosy Müller, genannt Roxy, und ihre Freundin, eine investigative Journalistin. Das Duo wird von einem Fernsehsender ins Mannschaftsumfeld eingeschleust, um Gerüchte und Intrigen innerhalb des Teams aufzudecken.
Jimmy Hartwig mimt dabei den, wie er sagt, natürlich nicht korrupten DFB-Präsidenten Franz „Baron“ Szatmary.

So gut Hartwig im Fußball war, so sehr will er auch als Schauspieler und Sänger überzeugen. Der Regisseur und sein Team hätten jemanden gesucht, der „im Schauspielgenre Zuhause ist und trotzdem Ahnung von Fußball hat“. Der ehemalige Profispieler lädt ein, sich von der Operette und der „großartigen Arbeit des Ensembles“ begeistern zu lassen. Das Teamwork, noch so eine Parallele zum Fußball.

Hartwig will freilich seinen Lokalbonus nutzen und erinnert an seine sieben Spiele, davon sechs Siege und ein Unentschieden, als Trainer des FCA. Er freut sich, wirft er ein, wenn auch viele Fans kommen. Karten erhalten sie bei jedem bayerischen Fußballverein und der „11er Bar“. Premiere ist am morgigen Samstag, 9. Dezember. Die letzte Vorstellung ist am 7. Juni. Zu sehr gehen lassen, sollte sich Jimmy Hartwig also auch als Schauspieler nicht.
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