"Gebaute Gestalt der Friedensstadt": Bilder von der 100-Jahr-Feier der Augsburger Synagoge

Augsburg: Festsaal der Synagoge | Frank-Walter Steinmeier schaute eine lange Zeit nach oben. Sein Blick verlor sich regelrecht in den Weiten der 29 Meter hohen, von goldenem Mosaik durchzogenen Kuppel der Synagoge. Wenig später trat der Bundespräsident an das Rednerpult, über dem das Ewige Licht leuchtet. „Was für ein schöner Raum, was für ein besonderes Haus“, sagte Steinmeier, der augenscheinlich überwältigt war.

Schnell aber wurde das Staatsoberhaupt ernst. Dabei war der Anlass ein positiver: Seit 100 Jahren steht die Synagoge an der Halderstraße in Augsburg, was mit einem stilvoll gehaltenen Festakt gefeiert wurde. Doch hüllt sich nun einmal immer der dunkle Nebel der Vergangenheit um jüdische Gotteshäuser. Denn nur wenige schafften es, die NS-Zeit zu überdauern. Auch die bestehenden sind nie außer Gefahr.

Für Steinmeier ein Unding. „Wir dürfen uns nicht daran gewöhnen, dass Synagogen in unserem Land immer noch von der Polizei bewacht werden müssen“, appellierte er mit Nachdruck. „Wir dürfen nicht ertragen, dass völkisches Gedankengut wieder Einzug hält in politische Reden.“ Für Steinmeier steht fest: „Nur wenn Juden in Deutschland vollkommen zu Hause sind, ist die Bundesrepublik vollkommen bei sich.“ Er mahnte zudem an, Antisemitismus nicht aufgrund der Schuld aus der Nazi-Zeit abzulehnen, sondern aus Menschlichkeit.

Ministerpräsident Horst Seehofer bekräftige hernach, dass für Rechtsradikalismus und Antisemitismus „kein Millimeter Platz“ in diesem Land sei. Oberbürgermeister Kurt Gribl bezeichnete die Synagoge als „Ort des Mahnens, der Aussöhnung und Verständigung“ sowie als „gebaute Gestalt der Friedensstadt Augsburg“.

Die Synagoge war am Mittwochabend auch der bestbehütete Ort der Stadt: Zahlreiche Polizisten und Sicherheitskräfte, strenge Einlasskontrollen, ein exakter Zeitplan; sogar der Tramverkehr zum nahe gelegenen Hauptbahnhof war während Steinmeiers Ankunft unterbrochen. Der Abend verlief reibungslos.
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