Gelungene Flüchtlingsintegration durch Jugendarbeit

Auf politischer Ebene schwelt derzeit zwischen den bayerischen Bezirken und dem Freistaat ein Konflikt bezüglich der Übernahme für die Kosten von Jugendhilfemaßnahmen für junge Flüchtlinge: In Schwaben drängen Bezirk, Landkreise und kreisfreie Städte gemeinsam auf eine finanzielle Entlastung der kommunalen Ebene durch das Land Bayern. „Die angemessene Begleitung junger, oftmals traumatisierter Menschen kann von den Kommunen nicht geschultert werden“, betonte Bezirkstagspräsident Jürgen Reichert am Rande des Jugendforums in Babenhausen, das der Bezirk Schwaben einmal jährlich gemeinsam mit dem Bezirksjugendring Schwaben veranstaltet.
Unabhängig davon engagierten sich die kommunalen Ebenen und die Jugendarbeit schon in vielfacher Hinsicht für eine gelungene Integration junger Migranten, so Reichert. „Auch der Bezirk Schwaben ist hier mit seinen Aufgaben eine wichtige Schnittstelle, wenn es um die gelungene Einbindung der jungen Menschen in unsere Gesellschaft geht.“ In der Jugendbildungs- und Begegnungsstätte Babenhausen zeigten Vertreter der Jugendarbeit anhand von Praxisbeispielen, was in Schwaben bereits geschieht. Das Jugendrotkreuz sei, so Daniela Jörg vom BRK-Bezirksverband Schwaben, schon aufgrund seiner Geschichte, nah dran am Geschehen: So waren und sind die jungen Leute bei der Erstversorgung und Ankunft der Flüchtlinge mit dabei und in den Unterkünften aktiv. Aus dem Kontakt mit den Geflüchteten entstand die Idee, Erste-Hilfe-Kurse in Deutsch und Englisch und Familienausflüge in das Legoland zu organisieren.
Beim Kreisjugendring Augsburg-Land wurde unter dem Titel „Meine Heimat - Deine Heimat“ ein Programm entwickelt, das den interkulturellen Dialog zum Ziel hat. „Gegenseitige Einblicke in die Kultur und Wertvorstellungen des anderen“, so KJR-Geschäftsführerin Sabine Landau, „wecken Verständnis und wirken Fremdenfeindlichkeit entgegen.“ Mit einem eigenen Projekt unter dem Namen „FREILIG!“ entwickelte der Kreisjugendring Augsburg-Land eine Informationskampagne, die durch Bildung sowie mit kulturellen Veranstaltungen aufklären, Fehlinformationen über Flüchtlinge und Fluchtursachen ausräumen und neutrale Diskussionen anregen will. Dafür steht ein geschultes Referententeam, das beispielsweise von Schulen oder Jugendeinrichtungen angefordert werden kann, zur Verfügung. Geboten werden didaktisch aufbereitete, altersgerechte Informationen.
Welche Herausforderungen auf die offene Jugendszene zukommen, das schilderte sehr praxisnah und unterhaltsam der Leiter der Offenen Jugendarbeit und des Jugendzentrums Kaufbeuren, Uwe Sedlacek. Mit manchen wohlgemeinten Angeboten - beispielsweise einem Schwimmkurs - erleide man unter Umständen auch eine Bauchlandung. „Was gut gemeint ist, deckt nicht immer den Bedarf der jungen Migranten, die unter einem mehrfachen Druck stehen“, so Sedlacek. Viele hätten Schulden durch die Flucht, oft noch eine Familie zuhause, die die Situation in Deutschland falsch einschätze. „Was diese Leute brauchen, sind Sprachkurse und Jobs“, brachte es der Jugendpädagoge auf den Punkt.
Den theoretischen Überbau zu diesen Praxisbeispielen lieferte der österreichische Sozialarbeiter Manuel Wenda in seinem Impulsreferat, für die praktische Umsetzung des Miteinanders und der interkulturellen Begegnung sorgten dann junge Leute vom Assyrischen Mesopotamien Verein Augsburg - sie brachten den Gästen des Jugendforums zum Abschluss noch Tanzschritte aus ihrer Heimat bei.
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