Gericht spricht Machtwort in bizarrem Streit um historische Figur

Der Wappner steht noch im nördlichen Treppenhaus des Maximilianmuseums.

In einem bizarren Streit um den sogenannten Wappner hat nun das Verwaltungsgericht (VG) Augsburg ein Urteil gefällt. Die Figur aus dem 16. Jahrhundert unterliegt besonderen denkmalrechtlichen Auflagen, insbesondere was den Transport anbelangt.

Denn mit einem missglückten Transportversuch hat der Ärger angefangen. Derzeit steht der Wappner im nördlichen Treppenhaus des Maximilianmuseums. Früher, genauer seit 1823, stand die Figur im Park des Schlosses Burtenbach (Landkreis Günzburg). Um die Jahrtausendwende wurde sie restauriert. Seit etwa 15 Jahren ist sie aufgrund eines Leihvertrages im Maximilianmuseum.

Die eigentliche Besitzerin, Angelika von Stetten, wollte den Wappner nach Auslaufen des Leihvertrags wieder zurückhaben. Doch beim Versuch des Abtransports durch eine Spezialfirma im Mai 2015 geschah das Unglück: Der Schwertknauf an der Figur brach ab. Da reagierte die Stadt Augsburg als untere Denkmalschutzbehörde und untersagte Angelika von Stetten den Abtransport. Sie verfüge nicht über die hierfür erforderliche denkmalrechtliche Erlaubnis, so die Begründung. Die Figur sei ein geschütztes Ausstattungsstück des Baudenkmals Schloss Burtenbach.

Von Stetten beantragte die Erlaubnis, doch war sie mit den Auflagen nicht einverstanden: Sie sollte den genauen Aufstellungsort im Schloss Burtenbach und die Transportmodalitäten mit den Denkmalbehörden abstimmen. Auch sollte ein Vertreter der Denkmalbehörden den Transport begleiten - und ab hier wurde es juristisch. Beim Verwaltungsgericht Augsburg klagte Angelika von Stetten gegen den Bescheid. "Sie ist der Auffassung, dass die Figur kein Ausstattungsstück des Schlosses Burtenbach darstellt und daher nicht dem Denkmalschutzrecht unterfällt", erklärt das VG. Die Auflagen seien ein unverhältnismäßiger Eingriff in ihre Grundrechte auf Ei-gentum und Schutz ihrer Wohnung, so die Klägerin.

Doch das VG Augsburg war das andere Meinung. Die Figur sei sehr wohl ein historisches Ausstattungsstück von Schloss Burtenbach und somit greife auch das Bayerische Denkmalschutzgesetz. Das Schloss selbst sowie der zugehörige Park seien als Einheit zu sehen. Die Aufstellung der schon seinerzeit historischen Figur im Schlosspark im Jahr 1823 habe der Ausschmückung des Baudenkmals insgesamt gedient. Dies werde dadurch untermauert, dass es sich um eine Schenkung des Magistrats der Stadt Augsburg an den damaligen Schlosseigentümer gehandelt habe. Zudem sei die Figur zuvor an prominenten Standorten in der Stadt Augsburg - zuletzt in der Maximilianstraße - aufgestellt gewesen. Man ging jedenfalls seinerzeit davon aus, dass die Figur den ursprünglichen Schlossherrn Schertlin von Burtenbach darstelle. Angesichts der denkmalfachlichen Bedeutung der Figur hält das VG Augs-burg auch die Auflagen für angemessen.
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