Geschichte des Lechs: Kampf gegen den Bau von Kraftwerken

Das letzte intakte Wildflusssystem in Mitteleuropa bildet der Tiroler Lech mit seinen Zuflüssen. Im Bild der "Lechzopf" bei Stanzach. Foto: Heinz Münzenrieder

Heiß ging es her vor 20 Jahren - im Sommer des Jahres 1996 - im Tiroler Lechtal. Der Kampf von Bürgerinitiativen und Naturschützern gegen die Verbauung des Streimbachs, des wichtigsten Seitenbachs des Lechs, nahm an Fahrt auf. Das auch den Raum Füssen und Pfronten versorgende Elektrizitätswerk Reutte wollte dort - unterstützt durch die Tiroler Landesregierung - zwei Elektrizitätskraftwerke verbunden mit einer 23 Meter hohen Staumauer errichten.

Die Genehmigungsbescheide lagen schon mehr oder weniger unterschriftsreif in den Behördenschubladen und ein Baubeginn im Herbst 1996 wurde diskutiert. In der Landes- und Kommunalpolitik stießen die Pläne zunächst überwiegend auf Wohlwollen: Dem Lechtal dürfe wegen seiner räumlichen Besonderheiten keine Käseglocke übergestülpt werden und der Naturschutz sei eine zu vernachlässigende Zeiterscheinung, meinte man. Gute Karten hatten die Befürworter des Schutzes des Lechs und seiner Seitentäler als letztes intaktes Wildflusssystem des Alpenraumes mit seinen einmaligen Tier- und Pflanzenarten anfangs nicht. Ein schutzwürdiges Gebiet von europäischer Bedeutung schien in konkreter Gefahr.

Grenzüberschreitende Allianz des Widerstandes entsteht

Doch der Widerstand nahm zu und die Projektbefürworter gerieten in die Defensive. Insbesondere der Steeger Pfarrer Karl-Heinz Baumgartner organisierte als Sprecher der sich rasch gebildeten Lechtaler Bürgerinitiativen die Gegnerschaft. Mehr als 20 000 Unterschriften wurden im Tal gegen das Projekt gesammelt und von überörtlicher Seite kam Unterstützung: Vom World Wide Fund for Nature (WWF) über Greenpeace Österreich bis zur Internationalen Alpenschutzkommission (CIPRA) reichte deren Bündnis. Und 100 namhafte österreichische Wissenschaftler setzten sich in einer Petition an die Tiroler Landesregierung für die Naturbelassenheit des Lechtales ein.

Grenzüberschreitend kamen den Projektgegnern auch der Bund Naturschutz in Bayern sowie der Deutsche Alpenverein zu Hilfe. Neue Pro- und Contra-Gutachten verzögerte schließlich die behördliche Entscheidung. Der Konflikt zog sich hin, bis schließlich im Herbst 1998 die Tiroler Landesregierung ziemlich überraschend das Aus des Vorhabens verkündete. Offensichtlich wurde man sich der Brisanz der Angelegenheit bewusst. Auch standen im Bundesland Wahlen vor der Tür. Man wird es so sehen können: Manchmal klappt es halt mit der Demokratie von unten.


Info: Der Autor war in den 1980er Jahren Umweltreferent der Stadt Augsburg.

Von Dr. Heinz Münzenrieder
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