Grenzen hinterfragen

Grenzen hinterfragen Ein fünf Meter hohes Kartenhaus möchte die Kunstplattform Izolyatsia zum Einsturz bringen. Foto: Dima Sergeev

Unter dem Titel "Niemand hat die Absicht eine Mauer zu errichten" findet heuer das Augsburger Hohe Friedensfest statt. Von 16. Juli bis 8. August wird dazu ein buntes Kulturprogramm mit über 60 literarischen, künstlerischen, musikalischen, spirituellen und philosophischen Beiträgen rund um das Thema "Grenzen" stattfinden.

"Niemand hat die Absicht eine Mauer zu errichten", sagte DDR-Staatschef Walter Ulbricht im Juni 1961. Kurz darauf begann der Mauerbau. Gut 25 Jahre sind nun seit dem Fall der Mauer vergangen. Dieses Jubiläum sei für das Motto "Grenzen" ausschlaggebend gewesen, erklärt Christiane Lembert-Dobler, Leiterin des Friedensbüros im Kulturamt der Stadt Augsburg. Zumal der Titel auch einen aktuellen Bezug habe. Es gebe nun eine neue Mauer, nicht mehr innerhalb Deutschlands dafür aber rund um Europa. Menschen, die auf der Flucht seien und sich ein besseres und sicheres Leben wünschten, würden oft genug abgewiesen.

Die 60 Veranstaltungen, die das dreiwöchige Rahmenprogramm des Friedensfestes ausmachen, drehen sich um geographische, politische ebenso wie um ethische, soziale, religiöse, unsichtbare Grenzen. "Grenzen sind nicht starr, sie können sich verändern", so Lembert-Dobler. Die Besucher sollen sich eingeladen fühlen, auch Grenzen in ihrem eigenen Leben und Umfeld zu hinterfragen.

Zur Eröffnung des Programms findet am 16. und 17. Juli im Theater das Gastspiel "Frontex Security" statt. Tausende Flüchtlinge kommen jährlich über das Mittelmeer nach Europa und werden von Wachtposten der Agentur Frontex empfangen. Das Dokumentartheater informiert kritisch über "ein System, das die Verpflichtung zu Humanität praktisch umgeht". Am 31. Juli stellt sich Klaus Rösler, Leiter der Abteilung "Einsatz" bei Frontex, in der Brechtbühne den Fragen zum europäischen Grenzschutz.

Straßenkünstler gestalten in der ehemaligen Spichererschule in Pfersee ein großflächiges Wandbild und laden für den 18. Juli alle Interessierten ein, den Künstlern über die Schulter zu schauen. Bei "Color Crossers - Grenzgänger willkommen" sollen künstlerisch Brücken zwischen Flüchtlingen und der Stadtgesellschaft geschlagen werden. Denn bis zum Jahresende soll die ehemalige Schule zu einer Unterkunft für 90 Asylbewerber umgebaut werden.

Am 19. Juli können bis zu 50 Personen bei dem Literaturparcours "Geheime Worte 2" dabei sein. Der Parcours verläuft entlang der Stadtmauer. Auf dem Weg stoßen die Teilnehmer auf sprachliche, örtliche, moralische und persönliche Grenzen sowie fünf geheime Orte, an denen Autoren aus ihren Werken vorlesen.

Installationen und eine Podiumsdiskussion gibt es am 21. Juli bei "Izolyatsia in exile". Die ukrainische Kunstplattform Izolyatsia wurde 2014 von Vertretern der selbstproklamierten Volksrepublik Donezk geplündert. Seither realisiert Izolyatsia seine Projekte aus dem Exil. Zum Friedensfest soll die Installation "House of Cards", ein fünf Meter hohes Kartenhaus, zum Einsturz gebracht werden, indem die Joker-Karte gezogen wird, die Wladimir Putin zeigt.

Am 8. August klingt das Hohe Friedensfest schließlich aus, mit ökumenischen Festgottesdiensten, der Augsburger Friedenstafel, dem Kinderfriedensfest im botanischen Garten und Zoo sowie dem Festkonzert in der Kirche St. Anna.
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