Hallo, ich bin’s, der Willi!

Willi fliegt nicht gern. Gerd Meyer auch nicht. Und das ist nicht das Einzige, was die beiden ewigen Jungs gemeinsam haben. „Der Willi war schon immer in mir drin“, erzählt Meyer. Der 47-jährige Obergriesbacher spricht die drollige kleine Biene in der Neufassung der Zeichentrickserie.

Man müsste diesem Artikel eine CD beilegen, damit man nicht nur über Meyer und Willi lesen, sondern ihn auch hören kann. Wer Willis Stimme aus der Serie seiner Kindheit im Ohr hat, kann sich gut vorstellen, wie Meyer klingt. Er näselt sich sehr nahe an die Urfassung heran. „Manchmal, nach sechs, acht Stunden Synchronaufnahmen, da muss ich aufpassen, dass ich aus dem Willi-Modus wieder in die normale Stimme zurückschalte“, grient er. Auch seine Familie überrascht er öfter mit gut gelaunten Willi-Tönen a la „Maaaja, es is so kussslig in meiner Waaabe, lass mich slaaaafen!“

Meyer, der in Flensburg aufgewachsen ist, lebt schon lange in Bayern. Bekannt wurde er einst als Moderator der Morning-Show auf Radio RT 1. Er moderiert zahlreiche Events, von den Smart-Grid-Tagen von Siemens bis zu Jubiläen. Besuchermagnet ist seine Weihnachts-Revue „Swinging-in-the-Snow“, die heuer an drei Montagen im Dezember in der Puppenkiste gezeigt wird. Meyer referiert bei der Laienspieltagung im Landratsamt Aichach und spielt auch selbst, im Theater an der Frauentorstraße in Augsburg. Zudem kann er seine pädagogischen Fähigkeiten im Young Stage einfließen lassen.

Die Stimme des in Obergriesbach heimisch gewordenen Tausendsassas kennen viele Menschen, meist ohne es zu ahnen, dass er es ist, den sie hören. Meyer ist ein gefragter Synchronsprecher und leiht sein Organ diversen Rollen, vom Serienkiller in „Law and Order“ über den General in „Die kleine Prinzessin“ oder Hammer Pat in „Mannis Werkzeugkiste“ bis hin zu Sanjay in „Hannay Montana“, dem Nachrichtensprecher in „South Park“, dem Eddie in „Fame“ oder dem Maulwurf Schmuddel in der Tigerentenbande. „Manchmal hat mir ein Regisseur gesagt, Mensch, du klingst ja wie Willi“, berichtet Meyer. Doch als dann die Anfrage kam, ob er zum Casting für die Willi-Stimme in der neuen, animierten Serie „Die Biene Maja“ kommen wolle, da war er dann doch erst mal überrascht. „Der Willi ist eine Rolle, von der ich noch erzählen werde, wenn ich mit 80 Jahren im Schaukelstuhl sitze“, ist sich er sich sicher.

Vier Monate lang wurde gecastet, bis man mit ihm endlich die ideale Willi-Stimme hatte. Denn es galt, einen würdigen Nachfolger für die großen Fußstapfen Eduard Storecks zu finden, der vielen im Ohr geblieben ist. Ende November sprach Meyer in Berlin vor, drei Tage später unterschrieb er den Vertrag: „Ich hab mich riesig gefreut. Das ist wie die Traumrolle, die ein Theaterspieler sein Leben lang ersehnt.“ Gut 30 Folgen hat er seitdem schon synchronisiert, 78 sind es insgesamt.

„Der Willi ist so ein knuddliger, schlummeriger Charakter. Während die quirlige Maja am liebsten jeden Tag fünf Abenteuer erleben würde, mag der Willi essen und schlafen. Aber er hält treu zu seiner Freundin“, beschreibt Meyer den liebenswerten kleinen Brummler. Das sei eben das Schöne am Synchronisieren eines Trickfilms: „Man gibt den Figuren Leben.“ Außerdem müsse man nicht immer starr an den vorgegebenen Texten kleben, sondern könne charakterliche Besonderheiten herausarbeiten. „Ui-ui-ui-ui“, sagt der Willi gern mal, oder „Nanu?“ Majas Abenteuer wurden in Frankreich „gezeichnet“ und werden in vielen Ländern gezeigt. Stolz ist Gerd Meyer, dass eine Anfrage aus Australien einging. Dort möchte man seine Willi-Stimme als Vorlage nehmen, um einen Sprecher für die Fassung Down Under zu suchen.

Natürlich kannte er die ursprünglichen Maja-Folgen noch aus seiner eigenen Kindheit, außerdem wurden sie öfter wiederholt und so begleitete das muntere Völkchen der Klatschmohnwiese den Vater einer 16-jährigen Tochter sowie eines 18-jährigen Sohnes quasi sein Leben lang. „Ich war zugegeben anfangs ein wenig skeptisch, wie die animierte Neufassung wohl wäre. Doch ich bin davon begeistert“, sagt er.

Die Figuren sind noch immer süß, allerdings wirken sie dünner. „Von 2- auf 3D sähe Maja sonst aus wie eine Hummel“, erklärt Meyer. Sie hat runde, fröhliche blaue Augen, einen großen Kopf und einen lachenden Mund, hinzu kamen Zähne und die Nase ist nicht mehr nur ein kecker Strich, sondern ragt optimistisch gen Himmel. Willis schläfrige Augen über seinen Pausbäckchen sind eher oval. Die meisten anderen Insekten kennt man noch von früher, doch Alexander, die Maus, Puck, die Fliege, oder Kurt, der Mistkäfer, sind nicht mehr dabei. Man trifft wieder Max, den Regenwurm, Thekla, die Geige spielende Spinne, Majas Lehrerin Kassandra und natürlich Flip, den Grashüpfer. Der wird übrigens von Hans-Jürgen Dittberner gesprochen, der deutschen Stimme von Bobby Ewing.

„Manchmal wird in Produktionen bei der Synchronisation gespart. Bei der Biene Maja ist das anders. Vom Regisseur bis zum Assistenten sind alle begeistert bei der Sache und einfach verliebt in die Figuren. Man merkt, dass das fürs ZDF nicht irgendeine Produktion ist. Nach vielen Stunden im Studio bist du zwar platt – aber du gehst pfeifend ins Hotel“, erläutert Meyer. Was er persönlich, als Vater, besonders schätzt: „Die Serie kommt ohne Gewalt und Blut aus. Sie hat wirklich die Bezeichnung Kinderserie verdient.“ Außerdem erfahren die jungen Zuschauer, Zielgruppe sind die Drei- bis 13-Jährigen, ohne erhobenen Zeigefinger allerlei Interessantes über die Flora und Fauna. Zwar hat man als Zuschauer den Eindruck, Maja und ihre Freunde flögen irgendwie dreidimensional über den Bildschirm, allerdings benötigt man dafür keine 3-D-Brille. Man habe sich einfach dem Geschmack der jungen Generation angepasst, ohne die Charaktere zu verraten, meint der Obergriesbacher. „Wir erzählen einfach mit viel Freude und Leidenschaft die Geschichten weiter.“

Am Karfreitag begann die Neufassung mit einer Auftaktfolge, in der erläutert wird, wie Maja geboren wurde, wie sie Willi traf und warum sie auf der Wiese lebt, während Willi den sicheren Stock bevorzugt. Allerdings strahlt das ZDF die Serie zu einer Zeit aus, zu der sowohl Willi als auch Gerd Meyer sich nochmal in ihrer „kusssligen Waaabe“ umdrehen: sonntags um 7.05 Uhr.
0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.