Heimat, Utopie, Lieblingsort: Initiative setzt sich für Sanierung des Theaters ein

Ihre persönlichen Gründe, sich für den Erhalt des Theaters einzusetzen, erläuterten die Mitglieder der Initiative im Rahmen einer Pressekonferenz.

11 000 Unterschriften wollen die Unterstützer des Bürgerbegehrens gegen eine Sanierung des Theaters sammeln, damit es schließlich zum Bürgerentscheid kommt. Sie fürchten aufgrund der hohen Kosten eine gravierende Neuverschuldung der Stadt. Doch mit bislang rund 5000 Unterschriften ist auch die Gegenseite nicht untätig geblieben. Im Rahmen einer Pressekonferenz stellten acht Mitglieder der Initiative „Theatermodern – Ja zur Sanierung“ gestern ihre überwiegend sehr persönlichen Argumente für den Erhalt eines großen Theaters in Augsburg vor.

Die Unterschriftensammlung sei gar nicht in erster Linie wegen der Unterschriften so wichtig, sondern vor allem um mit den Menschen ins Gespräch zu kommen, erklärt Ute Michallik, Geschäftsführerin des Augsburger Weltladens und Mitglied der Initiative „Theatermodern – Ja zur Sanierung“. Denn: „Reden, reden, reden ist momentan das Wichtigste.“
Die Menschen sollen darauf aufmerksam gemacht werden, sich die Frage des Bürgerbegehrens genau durchzulesen, ergänzt Architekt Christian Müller. „Die Unterschriften, die wir gesammelt haben, stammen nicht nur aus Augsburg, sondern aus dem gesamten Umland, München, Ulm, Kempten und sogar von weiter weg. Über die Sanierung abstimmen werden bei einem Bürgerentscheid aber nur wahlberechtigte Augsburger. Auch das wollen wir den Menschen bewusst machen“, erläutert Müller.
Die Pressekonferenz sei nun ein weiterer Schritt gewesen, die Anliegen der Initiative an die Öffentlichkeit zu tragen. Und die Beweggründe, die den Einsatz für den Erhalt eines großen Theaters in Augsburg für die Mitglieder der Initiative ausmachen.
„Das Theater ist für mich ein Lieblingsort“, sagt etwa Michallik. „Und es braucht uns als Gruppe, um dafür zu kämpfen. Wenn wir jetzt nicht sanieren, hinterlassen wir der nächsten Generation eine Bauruine an einer so zentralen Stelle in der Stadt.“
Als Ort des kulturellen Gedächtnisses, der Reflektion und des Diskurses sowie der Utopie sieht Künstler Felix Weinold das Theater. „Auch wenn wir nicht wissen, wie die Zukunft des Theaters aussehen wird, müssen wir jetzt eine Plattform schaffen, die Wandel in Zukunft aushält und ermöglicht“, fordert Weinold.
„Das Theater ist für mich Heimat“, sagt Renate Baumiller-Guggenberger. Von 1997 bis 2008 war sie als freie Dramaturgin im Theater zu Hause. Schon damals sei das Haus in einem sehr schlechten Zustand gewesen. „Ich hätte niemals erwartet, dass das überhaupt noch so lange gut geht.“ Eine Sanierung sei also unumgänglich, ist Baumiller-Guggenberger überzeugt.
„Wir fordern die Stadt auf, an den vorgestellten Plänen festzuhalten“, so Fotograf Frank Mardaus. Den Initiatoren des Bürgerbegehrens gegen eine Sanierung gehe es nicht mehr darum, ein anderes Konzept zu finden, sondern das ganze Projekt mit dem Argument Neuverschuldung zu stoppen, kritisiert er. „Auch wir sorgen uns um den städtischen Haushalt. Deshalb fordern wir eine höhere Beteiligung des Freistaats an den Betriebskosten.“
Banker Ralph Rechert ist sicher, dass es ohne Neuverschuldung nicht gehen wird. Doch durch das momentane Zinsniveau sei der Zeitpunkt richtig, so ein Projekt jetzt in Angriff zu nehmen, ist Rechert überzeugt und fordert: „Mut zur Sanierung, es lohnt sich.“
Welche Aktionen künftig von „Theatermodern – Ja zur Sanierung“ zu erwarten sind, stehe noch nicht im Detail fest, erklären die Mitglieder der Initiative, weiter für eine Sanierung einsetzen wollen sie sich aber auf jeden Fall. Denn egal ob Lieblingsort, Heimat oder Ort der Utopie – sie alle sind überzeugt, dass das Theater die Chance auf eine Zukunft verdient hat.

Kristin Deibl
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