Heinz Paula: "Leute, mischt euch ein!"

Heinz Paula wuchs mit Tieren auf, hat selber aber keine eigenen Tiere. Hier freut er sich mit einem Tierheim-Hund über dessen erfolgreiche Vermittlung. Foto: Anja Lütke-Wissing

Wenn Menschen nicht mehr ständig in den Medien auftauchen, weil sie ein wichtiges Amt abgegeben haben, erfährt man oft nicht mehr viel von ihnen. Und doch gibt es ein Leben "danach", das oft genauso aktiv gestaltet wird, nur nicht mehr öffentlich. Heinz Paula ist so ein Beispiel. Er hat nach elf Jahren als Mitglied der Bundesregierung den Weg frei gemacht für seine SPD-Kollegin Ulrike Bahr. Aber er geht den eingeschlagenen Weg seiner Überzeugungen und Interessen geradlinig weiter - statt in Berlin jetzt hier in Augsburg.

Der 63-Jährige lebt mit seiner Frau Christine seit über 30 Jahren in Hochzoll. Geboren ist Paula in der Nähe von Neuburg an der Donau. Das Lehramts-Studium führte ihn 1973 nach Augsburg. 1976 trat er in die SPD ein und startete seine politische Karriere. Erst war er Juso-Vorsitzender, dann in der Führungsriege der Augsburger SPD im Stadtrat von 1990 bis 2003 aktiv. Bis 1994 unterrichtete Paula an der Schule in der Firnhaberau die Jahrgangsstufen 7, 8 und 9. Dann tauschte er das Klassenzimmer gegen ein Abgeordnetenbüro in Berlin, war bis voriges Jahr drei Legislaturperioden für die SPD im Bundestag.

Der Tierschutz war hier ein Thema, für das er sich besonders stark gemacht hat. Wer sich das Leben in Berlin bunt und cool vorstellt, der vergisst oft, dass ein Abgeordneter nach einem langen Arbeitstag und einer 80-Stunden-Woche für die vielen Attraktionen dieser Stadt keine Zeit mehr hat. "Von 7.30 bis 22 Uhr ging ein normaler Arbeitstag", erzählt Paula. "Ich hatte zwar eine Zweitwohnung in Berlin, habe aber immer versucht, am Wochenende nach Hause zu kommen."

Auch jetzt ist er noch regelmäßig in der Hauptstadt und mischt vor allem in Sachen Tierschutz im Hintergrund mit. "Ich unterstütze fachlich und bereite Entscheidungen und wichtige Vorschläge mit vor, hebe aber nicht mehr selber die Hand." Auf seine Berliner Zeit blickt er zufrieden zurück: "Ich konnte vieles erreichen, es war eine schöne Zeit. Aber es ist jetzt auch genug und es ist schön, wieder hier zu sein. Die Hektik vermisse ich jedenfalls nicht."

Dafür genießt er sein neues Leben mit seiner Frau Christine und holt "Zeit zu zweit" nach. Bei Reisen, Ausflügen, Konzerten, Ausstellungen. Er liebt Kultur in allen Schattierungen und hat jetzt sogar ein Abo für's Theater. Paula ist außerdem ein leidenschaftlicher Koch, der gerne experimentiert. Seine Spezialität ist eine Tomaten-Reis-Pfanne. In diesen Genuss kommen jetzt auch wieder seine Freunde, die er nun regelmäßiger treffen kann. "Ich muss auch unbedingt den Lesevorsprung aufholen, den meine Frau hat." Neben Tageszeitungen liest er gern Romane, zum Beispiel "Johannisnacht" von Uwe Timm.

Die Tagespolitik verfolgt er noch immer. Im Vorstand ist er nach wie vor im Tierschutzverein, beim Bündnis für Menschenwürde und in der Schutzgemeinschaft Lech. Letztere tritt für die Renaturierung des Lechs auf hohem Niveau ein, um eine Erlebnismöglichkeit für Augsburg und einen Vorzeigelebensraum zu schaffen. Im Bündnis für Menschenwürde kämpft er für Toleranz und Weltoffenheit, um in Augsburg-Schwaben ein Bewusstsein für dieses Thema zu schaffen.

Der Tierschutz, sowohl national als auch vor Ort, ist für Paula eine Herzenssache. Er ist Vorsitzender im Augsburger Tierschutzverein und hier besonders stolz auf das Projekt "Gut Morhard", das 2013 in Königsbrunn als Gnadenhof eröffnet wurde. Hier wird praktischer Tierschutz gelebt, denn Tiere finden auf dem Gut ein lebenswertes Zuhause. "Es kommt aber auch der alte Lehrer durch, denn wir haben auch einen pädagogischen Auftrag, wollen Kinder begeistern und Verantwortung vermitteln", so Paula stolz.

Er freue sich vor allem darauf, dieses Projekt in den nächsten zehn Jahren noch weiter zu entwickeln. Damit dies gelingt, braucht er viele Unterstützer, daher seine Aufforderung, die natürlich auch für andere Bereiche gilt: "Leute, mischt euch ein!"
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