Helfen verändert dich - Machine Gun Preacher in Stadtbergen

In Uganda betreibt Sam Childers eine Farm mit Hilfe einiger ehemaliger Waisen, die vorher in einem seiner Heime Zuflucht gefunden hatten. Foto: Angels of East Africa (AOEA)
 
Das fruchtbare Land auf der Farm der Angels of East Africa kann inzwischen zur Ernährung der Waisenheime beitragen. Foto: privat
 
Anhänglich und voller Vertrauen suchen die Kinder den Kontakt zu ihren Helfern (hier Michael Mayer).
Der Stadtberger Michael Mayer unterstützte im Südsudan die „Angels of East Africa“. Nun holt er den Leiter der Organisation zu einem Vortrag in den Bürgersaal Stadtbergen.
Als angestellter Elektrotechnikermeister stieß Michael Mayer über einen Englischkurs auf den Film „Machine Gun Preacher“. Tief berührte ihn die Geschichte über einen ehemals drogenabhängigen kriminellen Rocker, der sich in seinem „zweiten Leben“ in Uganda und vor allem dem gebeutelten Land Sudan auf ungewöhnliche und sehr erfolgreiche Weise für die dort versprengten Kinder stark macht. Die Bilder ließen Mayer nicht mehr los, schon weil es den Machine Gun Preacher Sam Childers tatsächlich gibt. Selbst ein wenig auf Sinnsuche, wollte er die wahre Geschichte hinter dem Hollywood-Werk kennenlernen und bewarb sich als Helfer bei Sam Childers’ Projekt „Angels of East Africa“. Über einen dicken Fragenkatalog und für ihn bürgende Freunde wurde er auf Herz und Nieren geprüft, bevor er tatsächlich im Juli 2016 in ein Flugzeug nach Kampala in Uganda stieg.

Bürgerkrieg im Südsudan verursacht humanitäre Krise

Im Nachbarland Südsudan, das es erst seit etwa fünf Jahren offiziell gibt, war unmittelbar vorher der mühsam eingedämmte Bürgerkrieg mit voller Härte wieder aufgeflammt. Es geht um Bodenschätze – Öl in erster Linie, das der Südsudan hat, der Sudan aber nicht. Religiöse Gruppierungen im Norden und Süden bekämpfen sich gegenseitig und zahlreiche ethnische Bevölkerungsgruppen in der frischen Nation tragen ihre Positionskämpfe aus. Für uns Europäer ist das nicht so leicht nachzuvollziehen. Für die Menschen dort ist es eine humanitäre Katastrophe, bei der die Bevölkerung ums blanke Überleben kämpft. Besonders die Kinder sind als hilflose Mitglieder dieser Gesellschaft betroffen: Sie sehen Krieg, Zerstörung und die Ermordung der eigenen Verwandten und Freunde, werden als Kindersoldaten oder Sexsklaven missbraucht, leiden Hunger und Durst, werden durch Schusswunden verstümmelt, verlieren ihre Heimat oder sterben an Verletzungen und Krankheiten.

Sam Childers ist als Machine Gun Preacher unterwegs

Schon am Flughafen in Kampala traf Michael Mayer mit Sam Childers zusammen und war hier bereits beeindruckt von dessen Persönlichkeit. Der frühere Junkie aus North Dakota, USA, hatte über den Glauben und seine Arbeit als Bau-Handwerker einen Weg aus seinen persönlichen Problemen gefunden. Im Rahmen einer Hilfsaktion baute er zum ersten Mal 1998 an einer Schule im Sudan und musste die Gräueltaten der Lord’s Resistance Army (LRA) mit ansehen. Nachhaltig schockiert, erlebte er im Norden Ugandas und im Sudan nächtliche Überfälle auf Dörfer und das Töten der Bewohner.
Zusammen mit seiner Frau gründete er anschließend selbst ein Kinderdorf im heutigen Südsudan. Sein Markenzeichen wurde der Name Machine Gun Preacher, weil er sich nicht scheut, schwer bewaffnet mit einigen Helfern direkt in die Kampfgebiete zu reisen, wenn er von dort gefährdeten Kindern weiß. Die Art und Weise, wie er vorgeht, wird durchaus kritisch betrachtet. In einem Interview sagte er dazu einmal: „Wenn Ihr Kind in einer lebensbedrohlichen Lage wäre, und ich hole es dort heraus, fragen Sie dann danach, wie ich das mache?“

Der Kreis muss sich schließen

Bei einer Woche Feldarbeit in Uganda auf einer Farm der Angels of East Africa, staunte Michael Mayer über das fruchtbare Land, das durchaus in der Lage wäre, die Bevölkerung zu ernähren. Die Bauern im Grenzgebiet auf beiden Seiten haben aber Schwierigkeiten, ihre Felder zu bewirtschaften, weil sie jederzeit mit todbringenden Angriffen rechnen müssen.
Angebaut werden hinter hohen Zäunen der Childers-Farm unter anderem Mais, Reis, Tomaten, Zwiebeln, Kartoffeln, Bananen und Kaffee. Auch Vieh wird auf der Farm gehalten. Hier arbeiten einige ehemalige Waisen, die Sam Childers als Kinder aus bedrohlichen Situationen gerettet hatte.

Organisation bietet Schutz

Für die Angels of East Africa gilt der Grundsatz, dass niemand ab einem bestimmten Alter den Schutz der Organisation verlassen muss. So verhindert man, dass die Kinder und Jugendlichen erneut in der Spirale aus Gewalt und Kriminalität landen. Einige Ehemalige können inzwischen studieren, eine Ausbildung genießen oder bei einer der Firmen der Angels of East Africa – zum Beispiel einer Security-Firma oder einem Restaurant – arbeiten. Die Farm in Uganda trägt zur Ernährung des Heimes in Nimule im Südsudan bei, zu der Sam Childers die Gruppe an Helfern mitnahm. So entgeht dieses dem Schicksal vieler UN-Einrichtungen, die offenbar mit der Hilfsleistung überfordert sind und die Kinder nicht richtig versorgen können, sie lediglich „aufbewahren“.
Rund um Kampala gibt es auch einige Schulen, die von Sam Childers’ Organisation gefördert werden. Kinder aus Slums erhalten hier nicht nur Bildung, die sie sehr dankbar anneh men, sondern auch dreimal täglich eine Mahlzeit. An jedem Tag haben so 7000 Kinder und damit auch ihre Familien eine Sorge weniger.

Mulmiges Gefühl beim Grenzübertritt in den Südsudan

Unsicher, ob überhaupt ein Grenzübertritt möglich sein würde, machten sich die Helfer auf den Weg in den Südsudan und die Anspannung war groß. Je näher die Gruppe der Grenze kam, desto häufiger begegnete sie Flüchtlingen, die froh waren, den Südsudan hinter sich gelassen zu haben.
Auch zahlreiche Angehörige von Hilfsorganisationen, Lehrer und Ärzte verließen fluchtartig das Krisengebiet. Häufig fanden sich die Menschen auf völlig überfüllten Lastwagen ohne Sonnenschutz. Michael Mayer und die anderen Hilfswilligen des „Mission Trips“ aus der ganzen Welt hatten spätestens jetzt ein mulmiges Gefühl und stellten sich die Frage, auf was sie sich da eingelassen hatten. Denn das Waisenheim Nimule liegt mitten im Kampfgebiet des unübersichtlichen Bürgerkrieges. Im kargen Heim angekommen, wurden die „Neuen“ erst einmal instruiert, wie sie sich und die Kinder vor Angriffen schützen können. Es gibt beispielsweise im Schulgebäude einen tiefer gelegten Boden, wo man liegend eine Chance hat, Geschossen zu entkommen.

Gemeinschaft der Kinder

Im Heim erlebte Mayer Kinder, die trotz aller finsteren Geschichten, die sie aus ihrem Leben erzählten, fröhlich und friedlich zusammenlebten. Kinder, deren höchstes Gut es ist, in die Schule gehen zu dürfen. Kinder, die zufrieden sind, mit dem was sie haben und neugierig und aufgeschlossen auf ihren erwachsenen „Besuch“ zugingen und über beste Manieren verfügen. Hier halfen die Freiwilligen, Schlafräume zu renovieren und die Basis für ein neues Schulgebäude zu schaffen. Dies geschah mit viel Handarbeit und einfachsten Mitteln.

Aus dem Südsudan zurück in Deutschland

Nach seiner Heimkehr hatte Michael Mayer einen Entschluss gefasst. Von der Weitsicht der Arbeit überzeugt, und absolut sicher, dass die Hilfe genau dort ankommt, wo sie gebraucht wird, würde er mit den ihm zur Verfügung stehenden Mitteln Sam Childers und die Angels of East Africa weiterhin unterstützen. Kinder, die noch ganz klein in einem von Childers geführten Heim landen, haben bis ins Erwachsenenalter einen Weg, der ihnen ein menschenwürdiges Leben ermöglicht. Die Menschen im Südsudan lieben ihre Heimat und möchten dort in Frieden leben. Die Angels of East Africa leisten die bei uns so oft beschworene „Hilfe vor Ort“. Zunächst brauchte es nicht viel Überzeugungsarbeit, dass Mayers Kollegen von der Erhardt + Leimer Elektroanlagen GmbH den Erlös ihrer jährlichen Weihnachtstombola für das Projekt spendeten. Der Arbeitgeber stockte großzügig auf und so konnte Mayer 6500 Euro an die Organisation überweisen. Das Geld soll für den Bau von Grundwasserbrunnen verwendet werden.

Das Projekt der Angels of East Africa wächst

Nun ermöglicht er zusammen mit seinem Kollegen und Geschäftsführer Urban Beck dem rastlos für die Kinder kämpfenden „Machine Gun Preacher“ im Rahmen seiner Vortragsreise durch Europa einen Auftritt im Stadtberger Bürgersaal.
Childers, der selbst seinen gesamten Besitz in seine Hilfsorganisation steckt, möchte seine Arbeit auf Äthiopien ausdehnen und plant die Gründung einer Autowerkstatt. Auf seiner Reise wirbt er um Spenden.
Er steckt voller Ideen, die realistisch umsetzbar sind und die Zahl der zu versorgenden Kinder wächst ständig – was aktuelle Berichte im Fernsehen leider eindrucksvoll belegen.
1
Einem Autor gefällt das:
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.