Hilfe bei Traumata

Vor fünf Jahren wurde das Traumahilfe Netzwerk Augsburg und Schwaben (TNAS) von sechs engagierten Therapeuten und Psychologen aus der Region gegründet. Ihr Ziel: Hilfe und Beratung für traumatisierte Menschen, Vernetzung von Fachleuten und Vermittlung von Fachwissen an Laien und eine breite Öffentlichkeit.

„Seitdem ich mich das erste Mal intensiv mit seelischen Verletzungen und deren Folgen, den Traumata, auseinandergesetzt habe, war mir klar: In unserer Region fehlte eine zentrale Anlaufstelle für Betroffene, ein niederschwelliges Angebot, das unbürokratisch und schnell Hilfe, Beratung und Stabilisierung bietet“, erinnert sich Maria Johanna Fath. Sie ist Initiatorin und Vorstand des Netzwerkes. Ein Trauma kann beispielsweise nach Verkehrsunfällen, sexuellen Übergriffen, dem plötzlichen Tod oder Suizid eines Angehörigen oder auch durch Erlebnisse auf der Flucht entstehen. Meldeten sich im ersten Jahr zunächst 200 Hilfesuchende, so sind es seit 2014 im Durchschnitt 800 Menschen, die sich jährlich an das TNAS wenden. Ein Viertel der Hilfesuchenden vereinbart einen Termin und kommt zum Clearinggespräch oder zur persönlichen Beratung. Die Klienten bezahlen für die Hilfe nur so viel, wie sie entbehren können.

„Oft hilft ihnen schon die Erkenntnis: Ich bin nicht verrückt, sondern meine Reaktion ist eine normale Reaktion auf eine unerträgliche, ’unnormale’ Situation“, berichtet Fath. In den Stabilisierungsgruppen des Netzwerkes würden Methoden zur Bewältigung des Alltages erlernt und die Zeit bis zur Therapie überbrückt. In diesen Gruppen helfe das Netzwerk beispielsweise Opfern von häuslicher Gewalt oder traumatisierten Flüchtlingen.

„Ein weiterer Schwerpunkt unserer Arbeit sind Informations-Veranstaltungen und Seminare Hier vermitteln wir Wissen über die Entstehung und Folgen von Traumata“, berichtet die Psychologin Professor Andrea Kerres. Auch sie ist Gründungsmitglied des TNAS. Die Zielgruppen sind sowohl Fachleute als auch Laien ohne spezielle psychologische Vorbildung. Dazu gehören Kriseninterventionsteams, Rettungsdienste, Feuerwehren, Polizei, Ärzte, Rechtsanwälte oder Mitarbeiter in Kindergärten, Schulen und Behörden. „2015 haben wir vor allem bei Menschen, die mit traumatisierten Flüchtlingen arbeiten, einen wachsenden Bedarf an Information und Wissen bemerkt. Unsere Seminare für Ehrenamtliche und pädagogische Fachkräfte sind immer innerhalb weniger Tage ausgebucht“, erzählt Kerres.

Insgesamt sind die Initiatoren des TNAS zufrieden mit den ersten fünf Jahren ihrer Aktivität. Zu den kurzfristigen Zielen für das nächste Jahr gehören die Arbeit mit traumatisierten Flüchtlingen und die Unterstützung von ehrenamtlichen Helfern. „Das TNAS ist aber insgesamt breiter aufgestellt,“ sagt Fath, „langfristig wollen wir in der Region Augsburg eine ambulante Anlaufstelle für traumatisierte Erwachsene einrichten.“ (pm)
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