"I Love Germany!"

So sieht es aus, wenn 200 Menschen zusammen schlafen und leben. Foto: Hans Blöchl

Sonntagnachmittag, Sonne, spielende Kinder - Gesprächsfetzen wehen über die Mauer. Auf den ersten Blick ein normaler Spätsommertag an der Berliner Allee. Im Hintergrund steht ein großes Zelt. Wen das Sicherheitspersonal auf das Areal der ehemaligen Straßenmeisterei des Freistaates Bayern geleitet, der merkt schnell, dass hier doch etwas anderes ist. Das Zelt dient vorübergehend 200 Flüchtlingen als Erstaufnahmeeinrichtung.

Container mit Toiletten, überall hängt Wäsche zum Trocknen auf Ständern oder an den Bauzäunen, Menschen diskutieren in fremden Sprachen, meist arabisch, wie der Sicherheitsdienst erklärt. Mehr als 200 Menschen sind derzeit in dieser sogenannten Erstaufnahmeeinrichtung in einem großen Zelt untergebracht: Sie werden registriert, medizinisch behandelt und dann möglichst schnell auf Asylunterkünfte in ganz Deutschland weiter verteilt.

In dem riesigen Zelt sind 200 Personen in Stockbetten untergebracht, keinerlei Intimsphäre oder Rückzugsmöglichkeit bleibt. Bei dem schönen Wetter sind die meisten draußen, einige jüngere machen sich auf den Weg, die Umgebung zu erkunden. Die wenigen vorhandenen Fahrräder werden intensiv genutzt, es ist fraglich, ob sie diese Beanspruchung lange aushalten werden. Manche der Flüchtlingen sitzen eher apathisch und starren vor sich hin. Die Schrecken der vergangenen Tage und Wochen sind ihnen ins Gesicht gezeichnet. Über ihre Erlebnisse mag man gar nicht erst spekulieren.

Und doch:Viele der Flüchtlinge sind spürbar erleichtert, wirken fröhlich. Es ist ihnen anzumerken, wie froh sie sind, die Strapazen der Flucht zumindest in ihren übelsten Formen hinter sich zu haben und in Sicherheit zu sein.

Der 15-jährige Armin berichtet von Schlägen durch Polizeibeamte im Iran und der Türkei, als er mit seiner Familie aus dem Irak über diese Länder nach Europa geflohen ist. Und er sagt begeistert und erleichtert: "I love Germany!"

Khaled mit den Zwillingen Amin und Amir beschreibt mit einer Handbewegung über seinen Hals, warum er aus Syrien geflohen ist. Über eineinhalb Monate waren sie auf der Flucht, nun ist er erleichtert in Sicherheit zu sein. Zu spüren ist überall die Hoffnung, es jetzt geschafft zu haben, nicht ins Paradies, aber in ein Leben in Frieden.
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