"Ich bin Afrodite aus Rettenbergen" - eine Kuh im Interview zum 120. Geburtstag des Zuchtverbands Wertingen

Die dreijährige Afrodite und ihr Landwirt Stefan Seitz.
„Mein Name ist Afrodite, auch wenn auf der Tafel über mir an meinem Namen das e hinten fehlt, der Drucker hat es wohl nicht her gegeben. Ich wurde am 30. September 2013 auf dem Hof von Stefan Seitz in Rettenbergen geboren und lebe immer noch dort. Ich habe bereits zwei Kälber geboren und gebe 7750 Liter Milch im Jahr. Ich bin eine Kuh, ein Fleckvieh“, erklärt sie und nimmt dazwischen immer wieder ein Maul voll Futter aus dem Plastikeimer.

Der Wertinger Zuchtverband feierte sein 120-jähriges Bestehen am Wochenende mit Jubiläumstierschau und einem Jungzüchtertreffen. Dabei ist auch die dreijährige Kuh Afrodite aus Rettenbergen.

Staz: „In welcher Klasse trittst du im Wettbewerb beim Zuchtverband Wertingen an?“
Afrodite: „In der Klasse der Kühe, die bereits zwei Mal gekalbt haben. Es ist mein erster Wettbewerb.“
Staz: „Bist nervös unter all den für die Schau ausgewählten Superkühen, die hier stehen? Kühe die an die 10 000 Liter Milch pro Jahr geben, die bis zu 22 Jahre alt sind und gar 19 Kälber geboren haben?“
Afrodite: „Nein, überhaupt nicht, ist doch eine ganz gelassene Atmosphäre hier. Und ich wurde in der Vorauswahl vom Züchterverband ja ausgesucht und extra nach Wertingen eingeladen, weil ich gute körperliche Voraussetzungen für den Wettbewerb mitbringe.“
Und Landwirt Stefan Seitz meint, die Kuh sei ganz ruhig, überhaupt nicht aufgeregt, der Tumult hier mache ihr gar nichts aus.
Staz: „Wie wurdest Du für die Schau vorbereitet?“
Afrodite: „Mir wurde vergangene Woche das Fell geschoren, und einige Zeit davor hat der Stefan mir die Klauen gesäubert und geschnitten. Heute putzen sie mich noch, weil ich mich beim rumliegen hier im Stroh doch schmutzig gemacht habe – das muss so sein.“
„Manche Züchter streuen gar glitzernden Flitter auf die Kuh, das machen wir nicht, aber abends im Licht der Scheinwerfer, da sieht das dann schon gut aus“, ergänzt Seitz zu den Vorbereitungen zur Schau. Andere Züchter rasieren ihre Kühe auch das Euter und den Bauch, damit die Adern besser zur Geltung kommen. Es ist das erste Mal, dass Seitz zu einer Zuchtschau eingeladen wurde, und das gleich mit zweien seiner 80 Kühe, die zuhause in der Laufstallung stehen.

"Ruhm und Ehre" für den Züchter

Afrodite gibt sich gelassen, als sie in die Arena der Schwabenhalle geführt wird, Manch andere Kühe nehmen es nicht so hin, sträuben sich, sind bockig. Auch das Führen an der Leine will geübt sein. Afrodite ist dran, ihre Vorzüge werden gepriesen, ihr Euter und Körperbau gelobt und letztendlich wird sie zum Champion unter den „2-Kalb-Kühen“ gekürt. 1. Platz beim ersten Wettbewerb, das ist für Rinderzüchter Seitz ein toller Erfolg. Was er davon hat? „Ruhm und Ehre“, erklärt er und freut sich. Und wie alle Kühe hier, wird auch Afrodite fotografiert, mit Schärpe und Plakette.

Auch mit seiner zweiten Kuh ist Seitz gut im Rennen, Koralle genannt. Sie trat ebenfalls in der Klasse der 2-Kalb-Kühe an und ist nun die Reserve, hat also den zweiten Platz errungen. Den Gesamtsieg packte Afrodite nicht mehr, dort kam sie auf den zweiten Platz.
Abends geht es dann im Hänger wieder in den heimischen Stall nach Rettenbergen. Dort warten Gras-Mais-Silage und Kraftfutter auf die Kühe und viel Wasser zum Trinken. Wie werden ihren 78 Kolleginnen im Stall sicher viel zu berichten haben, von den gutaussehenden Resis, Elsas und wie sie auch alle heißen.

Züchten will gelernt sein: Zuchtverein hilft

Doch um solche preisverdächtigen Rinder zu züchten, braucht es viel Zeit, Mühe und die geschickte Kombination aus dem genetischen Material. Und da hilft dann der Zuchtverband, der nun in Wertingen sein 120-jähriges Bestehen feiert, dort wird vermittelt, verkauft und beobachtet und Buch geführt, wie sich welcher Nachwuchs entwickelt. Wer nun meint, die Kühe werden dann alle nur mit Sperma im Röhrchen künstlich befruchtet, der irrt. Der Natursprung kommt immer noch ganz häufig vor – dann darf der Stier ran.

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