„Ich habe mich nie allein gefühlt“ - Übertritt von der Realschule ins Gymnasium am Stetten-Institut

Esra und Zeynep Karaman. Foto: Angelika Lonnemann
 

„Man muss auch manchmal Umwege gehen. Der einfach Weg ist nicht immer der richtige“. Ziemlich viel Lebenserfahrung für eine Achtzehnjährige! Esra Karaman ist Abiturientin am Stetten-Institut und türkischstämmig. Als sie in der sechsten Klasse der Realschule am Stetten war, da hat sie eine Herausforderung gemeistert – sie wechselte innerhalb des Stettens die Schulform und ging aufs Gymnasium. Die Tatsache, dass im Stetten-Institut beide Schulen unter einem Dach vereint sind, hat diesen Schritt für die damals 12-Jährige leichter gemacht.

„Ursprünglich hatte ich schon in der Grundschule so gute Noten, dass ich aufs Gymnasium hätte wechseln können. Das haben sich meine Eltern auch gewünscht. Sie sei damals aber sehr schüchtern gewesen und hätte sich das nicht zugetraut. Dann auf der Realschule waren alle ihre Noten ziemlich gut und sie hatte mit Taekwondo angefangen – da wuchs auch das Selbstvertrauen. „Als ich meinen Eltern von meinem Wunsch ins Gymnasium zu wechseln erzählte, da haben die gleich einen Termin mit der Leiterin der Realschule und dem Beratungslehrer vereinbart“, erzählt Esra. In den Sommerferien hat Esra dann jeden Tag für die Aufnahmeprüfung gelernt – ganz allein ohne Nachhilfelehrer – und wurde dann kurz vor dem ersten Schultag in Mathe, Deutsch und Englisch geprüft. Sie bestand und hat dann allerdings die sechste Klasse im Gymnasium wiederholt, damit sie die zweite Fremdsprache nachholen konnte.

Gespaltene Meinung der Mitschülerinnen

Die Freundinnen aus der Realschulklasse reagierten unterschiedlich, manche wollten lieber, dass Esra in ihrer Klasse bleibt, andere unterstützten sie. „In den ersten Wochen auf dem Gymnasium habe ich in den Pausen immer mit meinen Realschulfreundinnen zusammengestanden. Das hat mir total geholfen, dass ich nicht komplett von denen getrennt war“.

Schwester möchte ebenfalls übertreten - schulintern

Ihre 15-jährige Schwester Zeynep macht vieles ähnlich wie die große Schwester. Auch sie hätte in der Grundschule die Noten für das Gymnasium gehabt, auch sie ist zunächst mal lieber auf die Realschule im Stetten gewechselt. Aktuell besucht sie dort die zehnte Klasse im sogenannten BWR-Zweig, das ist der wirtschaftliche Zweig. „Ich fühle mich sehr wohl in der Realschule und wollte deswegen in der sechsten Klasse nicht wechseln. Stattdessen will ich im Anschluss an die zehnte Klasse dann aufs Gymnasium wechseln“, so die 15-jährige Zeynep. Dann kann sie mit der zweiten Fremdsprache Italienisch die Anforderungen fürs Abitur erreichen. Auch für Zeynep wird der Wechsel leicht sein, da sie in ihrer Schule bleiben kann und lediglich die Schulform wechseln wird.

"Viel gewonnen" während der Schullaufbahn

Esra sagt im Nachhinein: „Für mich war es gut, dass ich nicht direkt auf das Gymnasium gegangen bin. Ich habe viel über mich gelernt. Ich hatte nie den Eindruck, dass ich etwas verloren hätte, sondern glaube, ich habe viel gewonnen dadurch. Auch Selbstbewusstsein!“. „Für mich war es ideal, dass ich im Stetten war und innerhalb der Schule die Schulform wechseln konnte. Die Lehrer haben das voll unterstützt und ich fühlte mich nie allein“.
Beide Schwestern haben schon einen genauen Plan, was sie nach der Schule tun. Esra hat bereits die Zusage des Augsburger Maschinenbauunternehmens Renk, dass sie im Herbst 2017 ein duales Studium zur Mechatronikerin beginnen kann. Und Zeynep will auch auf jeden Fall eines Tages in den technischen Bereich. „Ich zeichne gern und mag alles Handwerkliche“, so die 15-Jährige.

Das Stetten-Institut - Schule mit Tradition

Das Stetten-Institut besteht aus einem Gymnasium mit sprachlicher und naturwissenschaftlich-technologischer Ausrichtung und einer Realschule unter einem Dach (Realschulzweige: Wirtschaft, Französisch, Kunst und Soziales). Die Schulen sind staatlich anerkannt und befinden sich in evangelisch-lutherischer Trägerschaft, verstehen sich aber ausdrücklich als offen für Schülerinnen aller Religionszugehörigkeiten. In Tradition ihrer Gründerin Anna Barbara von Stetten werden ausschließlich weibliche Schülerinnen aufgenommen. Heute besuchen rund 1.100 Mädchen und junge Frauen die beiden Schulen, die auf einem weitläufigen Grundstück in der Augsburger Innenstadt liegen. In verschiedenen Projekten können Mädchen an den beiden Schulen forschen, musizieren, debattieren oder Theater spielen.
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