Ideen fürs Theater: Wissenschaftler spricht sich für Brecht-Literaturhaus aus

Der Theaterwissenschaftler Manfred Seiler tritt für ein "Bert-Brecht-Literaturhaus" ein. Sein Konzept bezeichnet er als eine Art Modultechnik, die sich nach und nach ausbauen lasse. Unser Bild zeigt den in Augsburg geborenen Schriftsteller Brecht, dessen Werke weltweit aufgeführt werden. Foto: Bundesarchiv

Wie könnte die Theaterlandschaft in Augsburg künftig aussehen? Der Theaterwissenschaftler Manfred Seiler macht sich für ein Literaturhaus stark, dessen Ausrichtung sich an Bert Brecht orientiert.

Literaturhäuser gibt es einige in Deutschland. Doch es gebe kein Literaturhaus, dessen programmatische Ausrichtung sich an einem Dichter orientiert, verdeutlicht Manfred Seiler. Und so macht sich der Theaterwissenschaftler, Redakteur und Autor vehement stark für ein örtliches "Bert-Brecht-Literaturhaus". Genau das wäre der unverwechselbare Charakter einer solchen Einrichtung, meint er. Sein Konzept liegt übrigens seit längerer Zeit dem Augsburger Kulturreferenten Thomas Weitzel vor.

Seiler fordert ein Literaturhaus, das keine Denkmalpflege betreibt, sondern - wie er betont - "seine literarische Hinterlassenschaft in durchaus kritischer Grundeinstellung fortführt". Er versteht die geplante Einrichtung als einen "Beitrag zur Schärfung des historischen Bewusstseins und der Gegenwart".

Manfred Seiler hat dazu ein Zehn-Punkte-Paket geschnürt. Es beinhaltet unter anderem einen Bert-Brecht-Preis für Essayistik. Damit soll eine Renaissance des literarisch-philosophischen Essays erreicht werden. "Autoren werden eingeladen, ihre Werke vor Publikum und einer renommierten Jury vorzutragen", so seine Vorstellung. Seiler liebäugelt aber auch unter dem Motto "Augsburger Reden zu Europa" mit einer Vortragsreihe zum Friedensfest. Als Redner schweben ihm Prominente wie Martin Walser, Sarah Wagenknecht, Theo Waigel, Günter Grass und Gerhard Schröder, aber auch Namen wie Fußballtrainer Pep Guardiola und Filmregisseur Wim Wenders vor.

Ein Schwerpunkt soll der lyrischen Sprache zukommen. Noch immer sei sie die "Königin der Literatur", so Seiler. Hier schweben ihm Lesungen und Diskussionen vor, ebenso wie bei den Themen "Der Autor als Arbeiter" und "Das Ende der Utopien". Gleichzeitig widmet sich Seiler in seiner Vorstellung eines Literaturhauses der Zukunft des gedruckten Wortes. Hier sollen namhafte Referenten ihre Gedanken zur Entwicklung der Digitalisierung des Schrifttums beisteuern.

Gleichzeitig will Seiler die Basis schaffen für eine Auseinandersetzung mit der Sprache von Autoren mit Migrationshintergrund. "Deren Sprache soll nicht als Verwahrlosung sondern als Bereicherung begriffen werden", betont er. Ihm liegen aber auch Augsburger Autoren am Herzen. Sie sollen in loser Folge ins Literaturhaus zu Werkstattgesprächen eingeladen werden.

Der Theaterwissenschaftler sieht sein Konzept als "eine Art Modultechnik, das sich nach und nach aufbauen lässt". "Dies hat den Vorteil, dass der Stadt nicht mehr Kosten entstehen, die heute schon anfallen", verdeutlicht er.
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