In der Innenstadt werden Betreuungsplätze zur Mangelware

Kitas werden in Innenstadt zur Mangelware In der Augsburger Innenstadt werden Betreuungsplätze immer mehr zur Mangelware. Foto: ©diego_cervo / 123rf.de

Nach der Schließung des Kinderhauses Kolibri herrscht bei den Eltern noch immer Fassungslosigkeit. Trotz möglicher Übergangslösung stehen Chancen für Zukunft des Horts schlecht.



Einen neuen Betreuungsplatz für ihren Sohn hat sie nun endlich gefunden. Aber nur, weil sie "viel Stress beim Jugendamt" gemacht habe, erzählt Anna Fiedler. Über die Schließung des Kinderhauses Kolibri ist die Mutter jedoch immer noch "schwer enttäuscht". Und auch bei den anderen Eltern herrsche weiter Fassungslosigkeit.

In der Augsburger Innenstadt werden Betreuungsplätze immer mehr zur Mangelware. Nachdem vor einem Jahr der Kindergarten St. Anna ersatzlos geschlossen wurde, gibt es etwa im Stadtjägerviertel gar keine Kita mehr. Mit dem Aus für das Kinderhaus Kolibri in der Kresslesmühle wird es jetzt auch in der Altstadt eng.

Erst drei Wochen vor Beginn der Sommerferien seien die Eltern überhaupt darüber informiert worden, dass die Einrichtung schließen werde, beklagt Anna Fiedler. Im zuständigen Integrationsausschuss hatte es in der vergangenen Sitzung Ende Juli ebenfalls scharfe Kritik gegeben. "Um Dinge wie die Gastronomie hat man sich rechtzeitig gekümmert, aber um die Zukunft des Kinderhauses nicht", sagte etwa WSA-Stadtrat Peter Grab.

Integrationsreferent Reiner Erben von den Grünen sieht die Schuld jedoch beim Träger, der Kresslesmühle GmbH. Da diese sich zurückziehen wollte, hat die Stadt die Kresslesmühle zum August zwar übernommen, die Gespräche über die Zukunft des Kinderhauses hätten sich aber als schwierig erwiesen.

Das Agieren der Mühle-GmbH habe dazu geführt, dass ein Fortbestand unwahrscheinlich sei. "Es ist bedauerlich, dass Kolibri sehr wahrscheinlich nicht weitermachen kann", so Stephanie Schuhknecht, zweite stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Grünen. Die Stadt habe der GmbH frühzeitig mitgeteilt, dass sie nach einem neuen Träger für den Kinderhort suchen müsse. Aus Gründen der Subsidiarität könne man nicht einfach die Trägerschaft übernehmen.

Die Stadt kritisiert auch die Kommunikation der Mühle-GmbH mit den betroffenen Angestellten von Kolibri - und ist damit ganz auf Linie der Eltern. Anna Fiedler beklagt die "Art und Weise der Kommunikation beziehungsweise Nicht-Kommunikation zwischen Träger, uns Eltern und den Mitarbeitern". Dem Kolibri-Team sei die Nachricht der Schließung am selben Termin wie den Eltern überbracht worden. "Ich denke, es wäre sicherlich möglich gewesen, alle Seiten einige Monate vorher auf diesen entsprechenden Schritt vorzubereiten", fasst die Mutter zusammen.

Da für zwei Kolibri-Kinder immer noch keine Ersatz-Betreuung gefunden wurde, habe sich die Mühle-GmbH nun zumindest überzeugen lassen, bis zum Ende des Jahres übergangsweise weiterzumachen, erklärt Reiner Erben. Eine Kita für zwei Kinder: "Das klingt etwas kurios", gibt er zu.

Doch vielleicht wird dies nicht nötig sein, wenn für die beiden wider Erwarten ein anderer Hortplatz gefunden wird - oder sich doch noch ein neuer Träger für das Kinderhaus findet. Sollte dies der Fall sein, ist - weil in den Räumen nach heutigen Maßgaben ein Hort gar nicht mehr zulässig wäre - als Alternative das Jakobsstift im Gespräch.

"Es laufen viele Gespräche", sagt Erben. Ganz sicher wolle man "kein Kind auf die Straße setzen".
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