In Edelstahl um die Welt

Hätte sein DeLorean einen Flux-Kompensator, Wolfgang Hank könnte mal kurz zum 26. Mai 2016 reisen und schauen, ob sein Abenteuer geglückt ist.

Ob er es mit seinem Edelstahl-Oldie tatsächlich um den Globus geschafft hat, 38.000 Kilometer weit durch vier Kontinente und 28 Länder. Ob sein Auto die Wüsten Arabiens und Australiens meisterte, die Pässe des Himalaya, die holprigen, nassen Straßen Islands. Er könnte sinnieren, wie viele Menschen unterschiedlicher Hautfarben, Sprachen und Kulturen er auf seinem neunmonatigen Trip kennenlernte und wie viele Freundschaften er knüpfen konnte dabei.

Leider hat Hanks DeLorean keinen Flux-Kompensator. Dennoch rührt jeden, der das Auto des Ecknachers sieht, sofort der Geistesblitz: "Ach ja, das ist doch der Wagen aus 'Zurück in die Zukunft', mit dem man Zeitsprünge machen kann." Tatsächlich verdankt der DMC-12 seine Popularität fast ausschließlich den drei Science-Fiction-Filmen mit Michael J. Fox als Marty McFly und Christopher Lloyd als dusselig-genialem Dr. Emmett L. "Doc" Brown. Ansonsten wäre der 1,14 Meter hohe Sportwagen wohl längst in den Schrottpressen verschwunden. Nur 9000 Stück davon wurden 1981 und 1982 in Nordirland gebaut, dann war die Autoschmiede von John DeLorean pleite. Seine Flügeltürer mit Edelstahl-Karosse galten als optisch genial, hatten aber manche technische Macke. Und einen mickrigen Motor, der mit seinen 132 PS so gar nicht zum schnittigen Äußeren passen wollte.

"Ein DeLorean ist nichts zum Angeben. Da kann man weder Frauen aufreißen noch Ferraris versenken", lacht Wolfgang Hank. Gerade deshalb mag er das Auto. Weil es Sympathien weckt - wie seinerzeit Knutschkäfer "Herbie" - und Menschen verbindet: "Wenn die Leute einen Delo sehen, steht ihnen ein Lächeln im Gesicht und sie winken dir mitten auf der Autobahn zu."

Dass der DMC-12 nicht nur schön, sondern auch zuverlässig ist, will Wolfgang Hank nun eindrucksvoll beweisen: Am 5. September um 8 Uhr starten er und seine beiden Freunde Andre Springer und Klaus Steiner in drei DeLorean zur Weltumrundung. Türkei, Iran, Indien, Myanmar, Bali, Singapur werden angefahren, Australien, Nordamerika, Island und Großbritannien durchquert.

Für die Mammut-Aufgabe nutzen sie herkömmlich motorisierte Originalwagen, Baujahr 1981 und 1982, Kilometerstand ungewiss, Zustand aber picobello. "Wir mussten die Wagen natürlich herrichten", sagt Wolfgang Hank. "Einen Zusatztank mit 135 Liter rein, damit wir durch Australien kommen. Da gibt es auf 800 Kilometer bloß eine Tankstelle. Wir haben uns 16-Zoll-Stahlfelgen für unsere Runflat-Reifen pressen lassen, die Sitze mit Mikrofaserbezug bespannt, damit wir nicht so schwitzen, eine Servolenkung eingebaut, Navigationsgerät, Spurverbreiterung, spezielle Gelenkstangen und Federbeine, maßgefertigte Auspuffanlagen, GPS, Rückfahrkamera, drei Lüfter zur Kühlung von Motor und Getriebeöl in den heißen Regionen und einen Himalaya-Switch, mit dem wir per Hand das Luft-Benzin-Verhältnis regulieren können, wenn wir mal über 3000 Höhenmeter kommen und das Gemisch zu fett werden könnte."

Nicht zu verkennen: Wolfgang Hank ist Automechaniker. Seine Meister-Werkstatt in der Augsburger Blücherstraße gilt europaweit als führend für die Marke DeLorean. In der Branche ist Hank als "Deloman" bekannt. Vielleicht deswegen begnügte sich der 47-Jährige nicht damit, für sein Projekt einfach nur fahrbereite DeLoreans aufzurüsten. "Ich würde nie einen erhaltenswerten Delo so massiv umarbeiten und dadurch automobiles Kulturgut zerstören", sagt er. Stattdessen kaufte er drei nahezu schrottreife DeLoreans, zwei davon sogar in den USA, und gab ihnen jetzt "ein zweites Leben". Alle Wagen wurden komplett ab- und wieder aufgebaut, Motoren zerlegt, Rahmen entrostet, Leitungen und marode Teile ersetzt, die Getriebe erneuert. Was jetzt auf dem Hof steht, sind von TÜV und Gutachtern abgenommene Wagen, in denen die notwendige Technik steckt, um die unterschiedlichsten Klimazonen und Umwelteinflüsse der Erde zu meistern. Dennoch: Die Autos sind über 30 Jahre alt. "Kein Problem", meint Wolfgang Hank. "In den DeLoreans stecken noch keine Mikroprozessoren und empfindliche Steuerungen, die den Geist aufgeben könnten. Solche Autos sind robust und können, wenn sie gut gepflegt werden, auch 60 Jahre alt werden."

Seit fünf Jahren laufen die Planungen für die "DeLorean World Tour". In drei Expeditionen wurden die Wagen bereits getestet: 2013 auf einer Tour rund um Frankreich, 2014 bei einem 7000-Kilometer-Ritt durchs heiße Andalusien und Südportugal, heuer im Mai eine frostige Fahrt an den Polarkreis, knapp 6000 Kilometer durch Dänemark, Norwegen und Schweden. Und jetzt also die Weltumrundung. Unterwegs ist man ohne aufwändiges Equipment. Nur ein Fahrer pro Wagen, der seine sämtlichen Habseligkeiten - die Sandalen ebenso wie Daunenjacke, Schlafsack und Notfall-Zelt - in einem 90-Liter-Rucksack hinter den Sitzen unterbringen muss. Auf die drei Wagen verteilt sind einige Ersatzteile, die im Laufe der Tour möglicherweise eingebaut werden müssen: Spurstangenköpfe, Anlasser, Zündverteiler, Steuerung fürs Automatikgetriebe. Wenn dennoch größere Reparaturen anfallen sollten, ist Hank und seinen Freunden nicht bange: "Die werden übers Internet bestellt. DHL und UPS verschicken die Kfz-Teile innerhalb weniger Tage in die ganze Welt. Und wenn alle Stricke reißen sollten, irgendwo steht immer eine Fräse und ein Schweißapparat, dann bauen wir uns unsere Ersatzteile halt selbst."

"Worldwide Encounters" - weltweite Begegnung - ist die Reise überschrieben. In Istanbul wird man sich mit türkischen Delo-Fahrern treffen, im Irak hilft ein deutschstämmiger DeLorean-Fan bei der Durchquerung. Auch der "Vintage & Classic Car Club of India" wird die westlichen Reisenden empfangen. Ansonsten sind sich die drei Autonarren sicher, schnell Kontakte mit den Menschen von der Straße zu finden. Da hilft schließlich auch der DeLorean, der überall auf der Welt ein Hingucker ist.

Für ihr Abenteuer haben sich die Sportwagen-Piloten eine neunmonatige Auszeit von Beruf und Familie genommen, unterbrochen nur von einem Weihnachtsbesuch in der Heimat und einem zweiwöchigen Urlaub auf Bali. "Wir haben die Tour zwar akkurat geplant, aber wir lassen uns nicht hetzen", prophezeit Hank. "Wenn eine Etappe mal länger dauert, macht das auch nichts."

Wichtig ist nur, dass die drei am 26. Mai 2016 in Belfast in Nordirland sind. An diesem Tag feiert die Marke DeLorean den 35. Geburtstag.
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