Internationaler Männertag: Was beschäftigt Augsburgs Männer?

Männerseelsorger: Gerhard Kahl kümmert sich im Bistum Augsburg um die Sorgen und Nöte der Männer. (Foto: Helene Kuhn)

Zum Internationalen Männertag am 19. November haben verschiedene Augsburger Vereine und Organisationen eine Veranstaltungswoche unter dem Motto: "Rolle vorwärts - Männer in Bewegung", beginnend am 13. November, auf die Beine gestellt.

„Sei ein Mann“, „Richtige Männer weinen nicht“, „Bist du ein Mann oder eine Memme?“: Dass Männer emotionslos wirken müssen, um als „richtiger Kerl“ anerkannt zu werden, wird vielen schon von klein auf eingebläut. Doch was beschäftigt und bewegt die Männer Augsburgs wirklich? Darauf soll in der Veranstaltungswoche zum Internationalen Männertag am 19. November eingegangen werden.

Besonders die männliche Vielfalt steht in der Woche vom 13. bis zum 18. November mit 17 Vorträgen, Workshops und Gesprächsrunden im Vordergrund. Sie soll Augsburger Jungen, Männern und Vätern die Möglichkeit geben, sich mit Experten zu Themen wie Elternzeit, Erziehung und Gesundheit auszutauschen.

"Männer reden nicht über Probleme"

Die Hauptorganisatoren der Woche, die in der Gleichstellungsstelle der Stadt Augsburg für eine Pressekonferenz zusammensitzen, sind sich in einem Punkt einig: Vielen Männern fällt es immer noch schwer, Probleme einzugestehen und offen darüber zu sprechen.
„Männer reden nicht über Probleme – weil sie keine haben“, so formuliert Gerhard Kahl, verantwortlich für die Männerseelsorge im Bistum Augsburg, das Dilemma. Das Bistum möchte es Männern mit Hilfe von Outdoor-Aktivitäten erleichtern, über ihre Sorgen zu sprechen. Besonders die Wallfahrten seien beliebt, erklärt der Seelsorger, in deren Verlauf könne sich ungezwungen ausgetauscht werden.

Die teilnehmenden Männer seien hauptsächlich im mittleren oder fortgeschrittenen Alter mit hohem Bildungsabschluss. Diese könnten sich mit sich selbst gut auseinandersetzten und wollten auch über ihre Probleme sprechen. Auffällig sei zudem, dass diese Männer häufig erst Hilfe suchten, wenn sie sich bereits in Krisensituationen befänden, sei es der Verlust der Arbeit, oder die Trennung vom Lebenspartner. Das käme daher, dass Männer häufig nicht realisieren würden, wenn sie sich in Problemsituationen befinden würden, erläutert Kahl.

Auch wenn es heutzutage, wo sich Frauen so aktiv wie nie für die Gleichberechtigung der Geschlechter einsetzen, auf den ersten Blick merkwürdig erscheint, eine ganz auf Männer fokussierte Veranstaltungswoche auf die Beine zu stellen, wird im Gespräch mit den Veranstaltern doch deutlich, dass sie durchaus notwendig ist.

Besonders liegt ihnen dieses Jahr das Thema Väter am Herzen, da Augsburg vergangenes Jahr vom Männer-Magazin „Men’s Health Dad“ zur „väterfreundlichsten Stadt Deutschlands“ gekürt wurde. So können die Augsburger sich auf fünf unterschiedlichen Veranstaltungen zum Vatersein informieren, austauschen und Rat holen. Im Café Schülertreff beispielsweise können Jungen unter dem Motto „Papa, lass mal reden“ in einem geschützten Rahmen mit ihren Vätern ins Gespräch kommen.

Männer haben Schwierigkeiten, Arbeit und Familie zu balancieren

Des Weiteren behandelt die Veranstaltungswoche den Mann im Arbeitsumfeld. Eine gesunde Balance zwischen Arbeit und Familie zu finden, sei besonders für Väter häufig ein Problem. Auch wenn die Möglichkeit zur Elternzeit besteht, würde diese häufig nicht – oder nicht komplett – in Anspruch genommen. Viele fürchteten schiefe Blicke oder spitze Bemerkungen von männlichen Kollegen oder hätten Angst, ihr „maskulines Image“ nicht aufrecht erhalten zu können, machen die Veranstalter deutlich.

Andreas Eickhorst ist als Väterforscher am deutschen Jugendinstitut München tätig und erklärt, dass sich zudem bei vielen Männer nach der Geburt ihrer Kinder eine Art „Fluchtinstinkt“ einstellen würde. Einige flüchteten sich dabei in die Arbeit, eventuell auch aus Angst, die Familie nicht ausreichend versorgen zu können. So verbrächten sie häufig weniger Zeit mit ihren Kindern, was wiederum zu Spannung in der Familie führen würde. „Rolle vorwärts – Männer in Bewegung“ soll also besonders dazu anregen, über Probleme zu sprechen oder zumindest zu informieren, bevor sie Auswirkungen auf das Familien- oder Arbeitsleben haben können.

Die Themen der Veranstaltungen sind breit gefächert

Doch auch für Jugendliche gibt es Angebote wie zum Beispiel das Fußballturnier für 14- bis 17-Jährige oder den Safer-Sex-Workshop für Jungen ab 16 Jahren. Fernab von ernsteren Themen kann bei einem anderen Kurs das „Burger-Diplom“ erworben werden. Nebeneinander am Grill würden unter Männern vielleicht ganz natürlich die besten Ratschläge verteilt.

Das breite Spektrum an Angeboten bringt die Fortschrittlichkeit der Woche besonders zum Ausdruck, und die Dringlichkeit, sich von veralteten Denkweisen zu entfernen. Ein aktuelles Thema greift die Veranstaltung „Einfach ich! Transgender: die Erkennung der eigenen Identität“ auf, in der sich die Teilnehmer mit den Biografien und Erlebnissen von Trans-Personen beschäftigen. Diese ist eine der Aktionen, die nicht ausschließlich männlichen Besuchern vorbehalten ist.


Ein paar der interessantesten Veranstaltungen auf einen Blick.

14.11.17, 17 Uhr, Annahof: Die Rosa-Hellblau-Falle- „Geschlechterklischees in der Werbung“
16.11.17, 18 Uhr, Oki’s Bar: „Einfach ich! Transgender: Die Anerkennung der eigenen Identität“
17.11.17, 18 Uhr, VHS Augsburg: „Burger-Diplom für Männer“
18.11.17, 9.30 Uhr, Annahof: „Männer-Frühstück“

Das komplette Veranstaltungsprogramm gibt es unter www.augsburg.de.
(hk)
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