Jahresrückblick: Gribl-Show und Trassenkampf

Deutschland ist Fußballweltmeister, Augsburg feiert. 2000 Menschen säumen regelmäßig das Public Viewing am Stadtmarkt, Tausende pilgern nach dem Triumph auf die Maxstraße. Einige erklimmen den Herkulesbrunnen. Dabei verliert die Figur des Meergotts einen Arm. Zwei Studenten bringen das Stück Brunnen später wohlbehalten zurück. Ein Augsburger liefert den WM-Song: Andreas Bouranis »Ein Hoch auf uns« läuft nach dem Finale gar im Stadion von Rio. Foto: Handl

Wahlen, Insolvenzen, Stromtrasse: Das Jahr 2014 war in Augsburg und Umgebung ein ereignisreiches. Viele Themen werden das Jahr überdauern - und die Zukunft bestimmen.

Die Kurt-Gribl-Show


Im März wird Kurt Gribl als Augsburger Oberbürgermeister wiedergewählt. Das steht bereits nach dem ersten Wahlgang fest. Die CSU ist mit 23 Sitzen stärkste Kraft im Rathaus. Um noch stärker zu werden, schließen sich die Christsozialen mit der SPD zu einer Koalition zusammen und holen sich überdies die Grünen als Kooperationspartner ins Boot.

Bröckelndes Weltbild


Viel Auf und Ab müssen in diesem Jahr die Beschäftigen von Weltbild aushalten. Die insolvente Verlagsgruppe scheint im Mai schon gerettet, doch kurz vor der Vertragsunterzeichnung platzen die Verhandlungen mit dem Münchner Investor. Wenig später präsentiert Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz einen neuen Geldgeber: das Düsseldorfer Familienunternehmen Droege International Group. Die Sorgen für die Weltbildmitarbeiter sind damit längst nicht vorbei. Im November schlägt die Gewerkschaft Verdi Alarm, weil Droege nicht mehr das ursprünglich angepeilte Sanierungskonzept "Weltbild 2.0" mittrage. Droege selbst entwickelt mit der Geschäftsführung ein eigenes Konzept - und die Mitarbeiter müssen weiter um ihre Jobs bangen.

Trostloses Manroland


Traurige Gewissheit dagegen haben 225 Beschäftigte bei manroland web systems. Der Druckmaschinenhersteller, der aus dem insolventen manroland hervorgegangen war, kündigt den Mitarbeitern kurz vor Weihnachten, um angeblich auf den erhöhten Druck am Weltmarkt zu reagieren. Ähnlich schlecht sieht es für die Belegschaft des Lampenherstellers Osram aus. 550 Mitarbeiter sollen in Augsburg und der Region ihre Stelle verlieren.

Tunnelblick


Als größter Aufreger in Augsburg darf der geplante Tunnel unter dem Hauptbahnhof gelten. Nachdem ein Bürgerbegehren gegen das unterirdische Bauwerk vom Stadtrat als nicht zulässig abgelehnt wird, müssen die Stadtwerke im Herbst einräumen, dass der Zeitplan nicht eingehalten werden kann und die Kosten von 116 Millionen Euro auf 143,5 Millionen Euro steigen. Mit Risikopuffer, Projektsteuerung und einer Ablöse an die Bahn summieren sich die Kosten auf 181 Millionen Euro - die jährliche Baukostensteigerung ist da aber noch nicht eingerechnet. Mindestens um drei Jahre verschiebt sich der Zeitplan nach hinten. Vor 2022 rechnet niemand mehr mit dem Abschluss der Arbeiten.

Der Fall Grab


Eine Frau wirft Stadtrat Peter Grab vor, sie sexuell missbraucht zu haben. Ein Blogger berichtet ausführlich darüber auf seiner Internetseite, erst danach geht die Frau zur Polizei. Grab räumt den Kontakt zur Frau ein, bestreitet aber den Missbrauch. Während die Ermittlungen noch völlig offen verlaufen, stellt sich der Vorstand des Vereins Pro Augsburg gegen sein Mitglied Grab. Der tritt empört aus. Der Vorstand giftet zurück und provoziert eine Austrittswelle. Die Fraktion hält an Grab als Mitglied fest. Mittlerweile beschäftigt sich Peter Grab mit der Gründung eines eigenen Vereins: "WSA - Wir sind Augsburg" soll er heißen. Die Ermittlungen gegen ihn werden derweil eingestellt.

Friedenspreis an Solwodi


Der emotionalste Moment 2014 gehört der neuen Trägerin des Augsburger Friedenspreises: Schwester Lea Ackermann. Sie ist die Gründerin der Organisation "Solwodi - Solidarity with Women in Distress". Sie kämpft gegen Zwangsprostitution und Menschenhandel. In ihrer bewegenden Rede während der Preisverleihung hat sie eine klare Forderung an die deutsche Politik: "Wir fordern, den Kauf von sexuellen Dienstleistungen zu verbieten."

Damit würde sich auch die Diskussion um ein Großbordell in Augsburg Lechhausen mit 47 Zimmern erübrigen. Besonders unter den Muslimen in der benachbarten Moschee ist der Aufschrei groß. Die Stadt beschließt, mit einem Strukturkonzept für Prostitution entgegenzuwirken.

Ja-Wort des Jahres


Für den persönlichsten Moment sorgt allerdings das Stadtoberhaupt Kurt Gribl selbst: Im Juni heiratet er seine Lebensgefährtin Sigrid Einfalt. Er lässt die Öffentlichkeit teilhaben - und erntet ein unerwartet positives Echo. Ein glücklich verheirateter OB regiert mit Sicherheit besser, so wohl die Überlegung der pragmatischen Schwaben.

Die Schantin-Posse


Ausgerechnet kurz vor den Kommunalwahlen: Gersthofens Bürgermeister Jürgen Schantin wird wegen mutmaßlicher Untreue angezeigt. Das Stadtoberhaupt soll zwei Grundstücke unter Wert an Unternehmen verkauft haben. Die Ermittlungen werden später eingestellt. Ärger gibt es für Schantin auch politisch: Kurz nach Bekanntwerden der Anzeige sprechen sich 22 von 30 Stadträten in einer Petition für seine Abwahl aus. Öffentliche Diffamierung oder notwendiger Schritt hin zu sachlicher Konsensarbeit im Stadtrat? Schantin verliert so oder so, unterliegt in der Stichwahl ums Bürgermeisteramt Konkurrent Michael Wörle. Schantin wird im Juni Geschäftsstellenleiter in der Gemeinde Aystetten.

Trassenkampf


Eine Monstertrasse bedroht Meitingen. Im Umspannwerk der Gemeinde soll eine Stromtrasse enden, die Gleichstrom aus dem Nordosten nach Bayern transportiert. Es folgen Proteste, Bürgerinitiativen und 22 000 Unterschriften dagegen. Der Widerstand wirkt, Ministerpräsident Horst Seehofer lenkt nach einigem Hin und Her ein. Ein Erfolg für die Gegner? Eher nicht: Der Bundestag entscheidet sich trotzdem für die Trasse, lediglich ein neuer Verlauf wird geplant. Die Stromautobahn soll nun voraussichtlich am Atomkraftwerk Gundremmingen enden. Die Bürgerinitiativen hatten ein generelles Aus für die Gleichstromübertragung und stattdessen alternative Energien gefordert.

Fußballfeier


Deutschland ist Fußballweltmeister, Augsburg feiert. 2000 Menschen säumen regelmäßig das Public Viewing am Stadtmarkt, Tausende pilgern nach dem Triumph auf die Maxstraße. Einige erklimmen den Herkulesbrunnen. Dabei verliert die Figur des Meergotts einen Arm. Zwei Studenten bringen das Stück Brunnen später wohlbehalten zurück. Ein Augsburger liefert den WM-Song: Andreas Bouranis "Ein Hoch auf uns" läuft nach dem Finale gar im Stadion von Rio.

Asylfrage


Rund 7000 Asylbewerber kommen 2014 in Schwaben an, nach Unterkünften wird auch in Stadt und Land händeringend gesucht. In Augsburg soll nun eine Erstaufnahmeeinrichtung für rund 500 Flüchtlinge entstehen.

Weltkulturerbe


"Wasserbau und Wasserkraft, Trinkwasser und Brunnenkunst in Augsburg" sollen Unesco-Weltkulturerbe werden. Dazu gehören die Anlagen am Roten Tor, deren Sanierung nach 13 Jahren und 4,7 Millionen Euro Kosten abgeschlossen wird.

Sport


Die Augsburger Panther verpassen die Playoffs und drohen nun erneut zu scheitern. Deshalb gehen der AEV und ihr Vizemeistertrainer Larry Mitchell im Dezember getrennter Wege. Der FC Augsburg wird 2013/14 Achter der Bundesliga und schließt die Hinrunde auf Platz sechs ab. André Hahn wird zwischendurch Nationalspieler, der FCA besiegt die Bayern und Klaus Hofmann löst Walther Seinsch nach 14 Jahren als Präsident ab. Selbst ein kurzer Disput mit den Fans, prominente Abgänge und eine Prügelei auf dem Presseball können den Höhenflug der Weinzierl-Truppe nicht gefährden. Chapeau!
0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.