Jakob-Fugger-Zentrum: Zu großer Andrang

Götz Beck, Geschäftsführer der Regio Augsburg Tourismus GmbH, und Prof. Dr. Sabine Doering-Manteuffel, Präsidentin der Universität Augsburg, freuen sich über den regen Zuspruch interessierter Gäste bei der Vortragsreihe des "Jakob-Fugger-Zentrums" der Universität Augsburg im "Fugger und Welser Erlebnismuseum". Foto: context verlag Augsburg/Martin Kluger

Vortrag des "Jakob-Fugger-Zentrums" der Uni Augsburg muss am Donnerstag wiederholt werden. Denn bei der ersten Veranstaltung fanden nicht alle Interessierten auch einen Platz.

Nicht immer machen nur Gewinne und Erfolge Freude. Die Geschichte eines spektakulären Konkurses lockte derart viele Besucher ins Augsburger "Fugger und Welser Erlebnismuseum", dass die sichtlich erfreute Präsidentin der Universität Augsburg schon vor dem jüngsten Vortrag des "Jakob-Fugger-Zentrums" eine erste Bilanz zog. Prof. Dr. Sabine Doering-Manteuffel freute sich darüber, "dass die Kooperation mit dem ,Fugger und Welser Erlebnismuseum' so gut eingeschlagen hat".

Denn: Längst nicht alle fanden Platz, die den Vortrag des Historikers Dr. Mathias Kluge über den Crash eines Hansekaufmanns im Großen Saal des Museums hören wollten. Deshalb musste Tourismusdirektor Götz Beck von der Regio Augsburg Tourismus GmbH der Betreiberin des Hauses bei seiner Begrüßung einen Zusatztermin ankündigen. Der Vortrag "Die Hanse in Augsburg? Die Stadt der frühen Fugger und Welser als Wirtschaftsstandort für norddeutsche Kaufleute" wird nun am Donnerstag, 12. Februar, um 18.30 Uhr noch einmal zu hören sein.

Ein spektakulärer Fund in einem Archiv der einstigen Hansestadt Tallin in Estland war der Ausgangspunkt für den Vortrag Kluges, der als Akademischer Rat an der Uni Augsburg Mittelalterliche Geschichte lehrt. Augsburg spielte eine wichtige Rolle beim Crash des hochangesehenen Hansekaufmanns Hildebrand Veckinchusen, Vorsteher des berühmten Hansekontors in Brügge. Veckinchusen und seine Partner waren nicht nur dort, sondern auch in Venedig, Köln, Lübeck und Augsburg mit Hauptfaktoreien vertreten. Es war die Zeit der "kommerziellen Revolution", welche, so Kluge, die Eroberung Europas durch die Münze, die europaweite Verschriftlichung und den Kampf um die Rohstoffe brachte.

Mit den neuen Praktiken dieser umwälzenden Epoche, insbesondere den Anforderung an die Buchführung und die Kredit- und Wechselgeschäfte im Handel mit Venedig, kamen die Hansekaufleute um Hildebrand Veckinchusen nicht mehr zurecht. Als Kreditgeber mahnten, blieb ihre Ware in Augsburg liegen. Die Politik mischte sich ein, sogar auf dem Konzil in Konstanz befassten sich Fürsten mit dem Problem. Nach mehrjährigem Streit war ein Teil der Ware verdorben, der Konkurs der Hansekaufleute um Veckinchusen längst unausweichlich geworden. Veckinchusen kam in Schuldhaft, nach deren Ende er bald verstarb. Nicht einmal das Grab dieses einst Superreichen aus Brügge ist noch bekannt.

Kluge ermunterte am Ende seines Vortrags dazu, sich nicht immer nur mit den Gewinnern zu beschäftigen: "Die Geschichte des Scheiterns wartet noch auf die Erforschung" - auch, weil man heute aus den Fehlern der Vergangenheit lernen könne. Mit der Zukunft befasste sich dagegen Prof. Dr. Sabine Doering-Manteuffel: Die Präsidentin der Universität Augsburg kündigte an, dass die Vortragsreihe des "Jakob-Fugger-Zentrums", des Forschungskollegs für transnationale Studien der Universität Augsburg, auch im nächsten Wintersemester fortgesetzt werde. Die Entscheidung für den Vortragsraum fiel ihr sehr leicht: "Das ,Fugger und Welser Erlebnismuseum' ist ein idealer Vortragsort für unsere Reihe".
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