Kein Paradies für Schweine

Ein Tierschutzverein hat nicht mehr artgerecht untergebrachte Tiere in Unterthürheim aufgekauft und nach Sachsen-Anhalt geschafft. Nun droht auch dort: Schnitzel statt Gnadenhof.

Die Idee war simpel: Ein Verein kauft Schweine frei, um sie vor dem Schlachten zu bewahren. Die Tiere kommen auf einem kleinen Bauernhof ihr Gnadenbrot. Finanziert wird das alles von Spenden und so genannten „Paten“. Doch jetzt endete das Projekt in einem Desaster. Bis zum 2. Februar muss der Verein für die Tiere einen anderen Hof finden. Sonst droht nämlich genau das, was er verhindern wollte: die Schlachtung.

Doch der Reihe nach: „Rüsselheim“ ist ein kleiner Verein, der im Dezember 2009 von Doris Rauh aus der Taufe gehoben wurde. Sie kauft Mutterschweine im Ruhestand, also nutzlos gewordene Nutztiere auf, um sie vor dem Schlachter zu retten. Der Hintergrund für den Einsatz der Vegetarierin: „Seit ich im Jahre 2005 meinem ersten Schwein das Ende als Spanferkel am Grill erspart habe, ist mir durch viele leidvolle Erfahrungen klarer geworden, dass unsere Nutztiere zu den ärmsten Kreaturen gehören.“

Ende 2011 rief „Rüsselheim“ auf einem kleinen Bauernhof in Unterthürheim das Projekt „Mastbetrieb wird zum Gnadenhof“ ins Leben. Der dortige Besitzer war Nebenerwerbslandwirt und offen für Neues. Der Verein kaufte ihm Stück für Stück Schweine ab, um den Tieren damit – so Doris Rauh – „ein artgerechtes Leben ohne Mastfutter, in größeren Buchten und mit Freiläufen zu ermöglichen“. Versorgt aus Spendengeldern und „Patenschaften“ wurden die Tiere so vom sicheren Schlachttermin bewahrt.

Von einem idyllischen Heim für die Schweine sei man zwar noch lange entfernt, gestand Rauh auf der Homepage des Vereins. Doch es sei unmöglich, sofort die „horrenden Versorgungskosten zu stemmen oder auch vorzustrecken“. Der Verein könne nur mit Hilfe von Spenden in kleinen Schritten arbeiten, „ein Schwein nach dem anderen befreien“.

Doch der Landwirt im Buttenwiesener Ortsteil Unterthürheim stellte die Kooperation mit dem Tierschutzverein „Rüsselheim“ ein und gab das Projekt auf. Hintergrund waren scheinbar Drohungen und Probleme mit der ordnungsgemäßen Tierhaltung.

Im November 2012 verließen schließlich 30 Tiere des Vereins den Hof. Sie starteten nach Rauhs Worten „in ein neues, freies Leben auf Stroh in Sachsen-Anhalt“. Auch der Gnadenhof Lemuria habe zehn Schweine aufgenommen. Berichten zufolge kaufte der Tierschutzverein weitere Schweine Ende Dezember für rund 22 000 Euro aus dem Mastbetrieb auf. Kurz vor Jahreswechsel traten schließlich über 100 Tiere die Reise zu einem Gnadenhof in der Region Beetzendorf (Sachsen-Anhalt) an. Doch auch hier konnte der Traum von einem besseren Leben für die Nutztiere nicht realisiert werden.

Die dortigen Behörden stellten nämlich fest, dass dem Hof Haltungs- und Hygienestandards fehlen und die Unterbringung der Schweine nicht einmal die minimalsten Gesetzesvorgaben erfülle.

Auch bauliche Veränderungen würden daran nichts entscheidend ändern, berichtete der Mitteldeutsche Rundfunk (mdr). Offenbar seien die Eigentümer des Gnadenhofes von der großen Anzahl der Schweine aus Unterthürheim überrascht worden, hieß es unter Berufung auf das Ordnungsamt weiter. „Sie zeigten sich über die Entscheidung der Behörden nun selbst erleichtert“, so der Sender.

Der Gnadenhof für Schweine nahe Beetzendorf muss nun geschlossen werden. Die zuständigen Behörden wiesen an, dass die Tiere bis Anfang Februar auf externe Pflegestellen in artgerechter Haltung untergebracht werden müssen. Andernfalls droht den Schweinen die Schlachtung.
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