Kein Umzug in die Dunkelkammer

Die Künstler aus dem Kulturpark West fürchten in ihrem neuen Domizil höhere Mieten und Räume ohne Tageslicht. Foto: Sigfried Stiller

"Kulturpark lebt, nützt, bleibt." Unter diesem Motto gingen am vergangenen Samstag zahlreiche Mieter und Unterstützer des Kreativquartiers Kulturpark West im Rahmen einer Kundgebung auf die Straße um für den Verbleib ihrer Werkstätten, Probenräume und Künstlerateliers im Kulturpark zu kämpfen.

Sie stellten auf dem Parkplatz zwischen Sommestraße und der Musik-Kantine ihren Unmut über das drohende Ende der Zwischennutzung auf dem Reese-Areal zur Schau.

Der Kulturpark West ist ein Areal auf dem Gelände der ehemaligen Reese-Kaserne im Stadtteil Kriegshaber. In den Räumen, in denen noch bis in die 90er-Jahre die Soldaten der US-Army stationiert waren, entstanden seit 2008 Nutzflächen für ein sozio-kulturelles Projekt. In einem Mix aus privatwirtschaftlichem Engagement, kreativwirtschaftlicher Improvisation und öffentlicher Unterstützung entwickelte sich eine durch die Nutzer geprägte einmalige Struktur.

"In Größe, Vielfalt und synergetischer Wirkung für die Popkultur sind wir wohl bayernweit ziemlich einmalig", erklären die Verantwortlichen vom Förderverein, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, das Projekt und die ansässigen Künstler zu unterstützen. Ob Fanprojekt oder Forschungsstelle, ob Musiker oder Maler, Fotograf oder Bildender Künstler - sie alle setzen tagtäglich die Grundidee des Kulturparks West um: eine popkulturelle, generationsübergreifende Nutzung im Sinne von kultureller Vielfalt.

Die Kundgebung am vergangenen Wochenende mit einer Massen-Choreo unter dem Motto "Wir sind Kulturpark" sollte lautstark darauf aufmerksam machen, dass viele Künstler den Umzug in das Oberhauser Gaswerk nicht möchten. Zwar war von Anfang an klar, das der Kulturpark West nur als Zwischennutzung angedacht war, bis die Kaserne zum Wohngebiet und damit zur Heimat vieler neuen Familien umgebaut wird.

Jetzt wird, was einst so weit entfernt schien, immer ernster: 2017 laufen die Verträge aus, der Kunstpark soll dann in das nahe Gaswerk Oberhausen umziehen. Die insgesamt rund 6000 Quadratmeter Fläche will die Stadt dabei auch am neuen Standort in gleicher Form zur Verfügung stellen.

Dennoch plagt die meisten der Kreativen nicht die Angst vor dem eigentlichen Umzug, sondern vielmehr die Sorge um höhere Mieten am neuen Standort. Fünf Euro pro Quadratmeter Kaltmiete sind derzeit bei der Stadt Augsburg im Gespräch - zu viel für die meisten der ansässigen Künstler im Kulturpark. Auch die Lichtverhältnisse in der neuen Immobilie taugen für viele Künstler nicht.

"Wir ziehen doch nicht in einen dunklen Raum", sagt einer der Musiker lautstark auf der Kundgebung. Etliche der Räume im Gaswerk Oberhausen hätten tatsächlich kein Tageslicht.

Auch mehr Mitbestimmungs- und Mitwirkungsrecht hätten sich viele der Künstler für den neuen Standort gewünscht. Es widerspreche ihrer Natur ein fertiges Domizil zu beziehen, wenn gerade - wie in der ehemaligen Reese-Kaserne - die Kreativität der vorhandenen Mieter doch dazu genutzt werden könnte, etwas Besonderes zu gestalten.

von Florian Winkler-Ohm
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