(Keine) Angst vor den Flüchtlingen

Beschwichtigen, versachlichen, Ängste nehmen: Die Stadt tut alles, um die aufgebrachten Anwohner des neuen Asylbewerberheims in der Ottostraße 2 von den Barrikaden zu holen. Am kommenden Montag soll ein Tag der offenen Tür weitere Vorurteile abbauen.

All seine Auskünfte zum Asylbewerberheim im ehemaligen Bürogebäude der MAN ergänzt OB-Sprecher Ulrich Müllegger mittlerweile reflexartig mit: „Das kann Ihnen die Regierung von Schwaben aber genauer erklären.“ Und das völlig zu Recht. Für die Unterbringung von Flüchtlingen ist die Regierung von Schwaben verantwortlich, nicht die Stadt.

Dennoch sind es OB Kurt Gribl und seine Verwaltung, die in den Augen der Anwohner für das neue Asylbewerberheim in ihrer Nachbarschaft geradezustehen haben. In Offenen Briefen wenden sich Initiativen an immer wieder an die Stadtspitze mit der Forderung: so wie jetzt geplant, darf die Flüchtlingsunterkunft nicht kommen.

Einen ersten Teilerfolg erzielten die Protestler bereits. Die Regierung reduzierte die Zahl von ursprünglich 200 Asylbewerber auf 160, die in der Ottostraße unterkommen sollen. Doch die Wünsche der Interessengemeinschaften „Rund um den Pfannenstiel“ und „Contra Nutzungsänderung Ottostraße“ gehen noch weiter. Sie schlagen vor, dass in ihrer Heimat verfolgte Christen in der Ottostraße unterkommen sollten. „Gerade sie haben unsere besondere Anteilnahme und Aufmerksamkeit verdient“, schreiben Werner Heim und Reiner Putz, die Sprecher der Interessensgemeinschaften, in einem Offenen Brief. Auch wollen sie die Belegungszahl lieber auf 75 bis 100 gedrosselt sehen. An einem Runden Tisch würden sie gerne darüber diskutieren.

Eine Gesprächsgelegenheit wird es in jedem Fall am kommenden Montag geben. Die Stadt und die Regierung von Schwaben laden zum einem Tag der Offenen Tür ein: Von 19 bis 21 Uhr kann das sanierte Gebäude besichtigt werden. Ein eingerichtetes „Musterzimmer“ soll einen Eindruck von der Unterbringung vermitteln.

Bedeutender als die räumliche Situation der Flüchtlinge ist die Frage nach deren Betreuung. Auch hier gibt es bereits konkrete Aussagen von Stadt und Regierung: Das Diakonische Werk Augsburg und der Diözesanverband der Caritas Augsburg bieten mit je einer halben Stelle Asylsozialberatung an, deren Kosten vom Sozialreferat der Stadt und vom Freistaat übernommen werden. Zum Aufgabenspektrum zählt unter anderem, die Asylbewerber in asyl- und ausländerrechtlichen Belangen zu beraten, sie bei Angelegenheiten mit Behörden zu unterstützen und die Aufnahme von Neuankommenden mit verschiedenen Hilfsmaßnahmen zu begleiten.

Darüber hinaus nimmt mit Elke Modersitzki am 1. Oktober auch eine spezielle Ansprechpartnerin ihre Tätigkeit auf. „Ihre Funktion als Verbindungsfrau zwischen der umliegenden Nachbarschaft, den Behörden und den Asylbewerbern in der Ottostraße 2 ist ungeheuer wertvoll“, so OB Gribl. Wichtigste Aufgabe von Modersitzkisei mitzuhelfen, die Unterkunft ins nachbarschaftliche Umfeld zu integrieren. Zehn Wochenstunden sind dafür vorgesehen. Das Angebot besteht vorerst für ein halbes Jahr und wird von der Stadt bezahlt.

Weiter bieten ab Ende Oktober freiwillige Helfer des Vereins Tür an Tür Deutschkurse an, ein eigens gegründeter „Unterstützer-Kreis Ottostraße“ arbeitet an Ideen für ein künftiges Miteinander im Stadtteil.

Bei der Stadtratspressekonferenz am Dienstag berichtete Gribl auch davon, dass unter Umständen auch die erwarteten Flüchtlinge aus Syrien in der Ottostraße unterkommen könnten. Für diesen Fall steht laut Gribl bereits ein aramäischer Kulturverein bereit, um den Flüchtlingen die Ankunft in Deutschland zu erleichtern und sie in das Augsburger Leben zu integrieren. „Unser Ziel ist, eine möglichst positive Wohn- und Lebenssituation für alle Beteiligten zu ermöglichen“, betont OB Gribl.
0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.