Keine verstaubte Literatur in Augsburg

Dr. Stefan Bronner von der Initiative Literaturhaus Augsburg will die Literatur vor Ort neu beleben, allerdings nicht mit Standardprogrammen wie Lesungen, Preisverleihungen oder Vortragsreihen. Foto: Siegfried P. Rupprecht

Wie soll das Konzept für ein Literaturhaus Augsburg aussehen? Mit Lesungen, Preis und Vortragsreihen - oder das Ausprobieren von innovativen Strategien?

In die Diskussion um ein Literaturhaus kommt Bewegung. Nach der Initiative Literaturhaus Augsburg unter der Führung von Dr. Stefan Bronner hat nun der Theaterwissenschaftler, Redakteur und Autor Manfred Seiler dazu ein Konzept erstellt und es Kulturreferent Thomas Weitzel vorgelegt. Bronner ist vom bekannt gewordenen Inhalt allerdings nicht begeistert. Erfreut ist er allerdings darüber, dass das Kulturamt für März mit ihm einen Gesprächstermin vereinbart hat.

Manfred Seiler ist Verfasser von Erzählungen, erzählender Prosa, Theaterstücken, Hörspielen, Drehbüchern und des Romans "Die Gottesanbeterin". In seinem Konzept für ein Literaturhaus setzt er unter anderem auf einen Bert-Brecht-Preis für Essayistik, auf "Augsburger Reden" zu Europa sowie auf diverse Lese- und Vortragsreihen.

Für Bronner nicht genug. "Wir haben ein spannendes Konzept, das viel mehr auf die besonderen Gegebenheiten von Augsburg zugeschnitten ist, als nur Autoren einzuladen und einen Preis auszuschreiben", verdeutlicht er.

Bronner geht es darum, innovative Strategien in der Literaturvermittlung auszuprobieren. An Kulturreferent Weitzel richtet er deshalb die Forderung: "Bitte, liebe Stadt Augsburg, liebes Kulturreferat, nutzt die Ressourcen, die Ihr habt. Unser Team hat ein wunderbares, bereits ausgearbeitetes Konzept für ein Literaturhaus, das spezifisch auf die Gegebenheiten der Stadt zugeschnitten ist und gleich noch das passende Personal zur Umsetzung."

Kreative Literaturvermittlung



Bronners Initiative Literaturhaus Augsburg spricht dabei Klartext: "Wir wollen Kreativität, nicht Standardprogramme wie Lesung, Preis und Augsburger Reden zu Europa. Wir wollen die Augsburger mitreißen, in dem wir mit dem Publikum diskutieren, den Inhalt von Veranstaltungen im Voraus nicht gänzlich verraten und Spuren auslegen, um die Spannung zu steigern." Das verstaubte Image von Literatur müsse einfach weg.

Der promovierte Literaturwissenschaftler setzt sich vor allem dafür ein, die jüngeren Leute für Literatur zu begeistern, die - nach seinen Worten - "nichts damit anfangen können, dass sich ein Herr Martin Walser auf die Bühne setzt, vorliest, Autogramme signiert, dann wieder nach Hause fährt, um einen Nimbus großer Literatur in Augsburg zu hinterlassen".

Die Initiative sagt auch deutlich, was sie will. "Wir setzten den Schwerpunkt auf Gegenwartsliteratur. In diesem Zusammenhang wollen wir integrative, spannende, außergewöhnliche Konzepte, die sich nicht auf große Namen, einen Stuhl und ein Mikrofon beschränken", betont Bronner, "wir stehen für Literatur und Geheimnis."

Aus diesem Grund berücksichtigt die Initiative in ihrem Programm neben klassischen Genres auch Comics, Mangas und Graphic Novels. "Im Idealfall verändern Bücher das Ich, das Leben", resümiert die Initiative.

Bei dem anstehenden Gespräch mit dem Kulturamt will die Initiative unter anderem auch auf ihre Kreativität, die sie mit der Gründung unter Beweis gestellt hat, hinweisen.
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