Kinder im Landkreis finden ihre KiTas toll

Jutta Winter, Leiterin der Kindertageseinrichtung St. Ulrich in Oberschöneberg, stellte die Antworten der Kinder auf die Frage "Wohin gehst du, wenn dich jemand ärgert?" vor. Foto: Caritas

So viele Kinder wurden noch nie in Deutschland gefragt, ob es ihnen in ihrer Kindertageseinrichtung gefällt und es ihnen dort gut geht. 22 katholische Kindertageseinrichtungen im nördlichen Landkreis Augsburg befragten nicht die Eltern, sondern 1264 Kinder mit einem standardisierten Fragebogen.

Das Ergebnis der Umfrage ist für die Kindertageseinrichtungen positiv. Deutlich über 80 Prozent der 1264 befragten Kinder sind zufrieden bis sehr zufrieden mit ihren Kindertageseinrichtungen. Im Detail wurde es nun in Welden Fachleuten und Verantwortungsträgern vorgestellt.

1264 Kinder im Alter von zweieinhalb bis sechseinhalb Jahren wurden von ihren Erzieherinnen in altersgerechter Form befragt. "Das ist eigentlich eine Selbstverständlichkeit, es muss sogar eine sein", sagte Anita Leeman, Fachberaterin für Kindertageseinrichtungen beim Caritasverband für die Diözese Augsburg e.V. Die UN-Kinderrechtskonvention sieht ein Recht der Kinder auf Beteiligung vor. Auch das Bundeskinderschutzgesetz will diese Beteiligung und wünscht ein Beschwerdeverfahren für die Kinder. Auch das Bayerische Kinderbildungs- und -betreuungsgesetz (BayKiBiG) fordert, die Kinder "entwicklungsangemessen" an Entscheidungen zum Einrichtungsalltag und zur Gestaltung der Einrichtung zu beteiligen.

Auf Fragen wie "Findest du den Kindergarten schön?" oder "Schmeckt Dir das Mittagessen?" konnten die Kinder mit ja oder nein antworten. Ihre Wünsche mussten sie allerdings genauer beschreiben. Alle Kinder, so die Umfrage, haben den gleichen Wunsch. Sie würden gerne mehr basteln, "schöne Sachen machen", also kreativ sein und mehr draußen spielen können. Auch die Frage, zu wem sie denn gehen, wenn sie Hilfe bräuchten, war nicht einfach mit ja oder nein zu beantworten. Nichts wurde dabei vorgegeben. Die Kinder mussten selbst sagen, was sie in diesen Fällen tun. Das Ergebnis war für die Erzieherinnen erfreulich. 687 sagten nämlich, sie würden zu ihrer Erzieherin gehen, 171 zu ihrem Freund. Das kein Kind zu einer bestimmten Antwort hingeleitet wurde, zeigt die Antwort eines Jungen: "Wenn es ganz schlimm wird, gehe ich zum Notarzt."

Die Fragenrunden waren so gestaltet, dass die Kinder wirklich das sagen konnten, was sie dachten. Das zeigt sich bei einigen Antworten, die von keinem Erwachsenen stammen können. Wenn er einen Wunsch frei hätte, wünschte sich ein Bub einen Hubschrauber für die Kindertageseinrichtung, ein anderer einen Besuch bei der Polizei und ein Mädchen einen Zauberstab, damit sie alle Wünsche ihrer Kindertageseinrichtung erfüllen könnte. "Kinderwünsche", dachten sich manche Zuhörer. "Doch was soll man damit anfangen?", fragte ein Zuhörer.

Wenn die Kinder, so Leeman, die Hilfe bräuchten, mehrheitlich nicht die Erzieherin daraufhin ansprechen wollten, "wäre das für eine Einrichtung traurig". Sie müsste sich die Frage stellen, was falsch läuft, dass die Erzieherin kein Vertrauen genießt. Die Frage nach dem Spielen, wo und was sie am liebsten tun würden, offenbare, ob das Kind ausgeschlossen werde oder sich allein fühle. "Hier müsste man dafür sorgen, gemeinsames Spielen anzubahnen." Die Fragen und die Antworten, die so kindgerecht aufbereitet wurden beziehungsweise klangen, seien ein perfektes Raster für eine Qualitätsüberprüfung einer Kindertageseinrichtung. "Sie helfen, bei sich nachzuprüfen, was gut oder schlecht läuft oder was man besser machen könnte", erklärte die Leeman die Bedeutung der Umfrage.

Für Albert Kalter, Leiter des Zentrum Kindertageseinrichtungen der Diözese Augsburg, stellen die Antworten eine ganz konkrete Herausforderung: "Wenn die Kinder sich mehr Platz auch im Freien für das Spielen wünschen, müssen wir dem nachgehen und es nachprüfen, ob wir da etwas zusammen mit den Kommunen bewegen können." Es wäre auf jeden Fall falsch, diese Umfrage nicht ernst zu nehmen. "Sie darf nicht ins Leere laufen", unterstrich er. Ulrike Korb, bei der Regierung von Schwaben, zuständig für die Fachberatung Kindertagesstätten, ist von der Umfrage und dem Ergebnis begeistert. "Es erlaubt uns das zu belegen, was wir denken, dass dem so ist, aber bislang nicht belegen konnten."
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