Kinder müssen draußen bleiben

Im Sommer 2014 wurde der Kindergarten St. Anna ersatzlos geschlossen. Der evangelische Träger schuf in dem Kita-Gebäude Platz für ein Ärztehaus. In der vergangenen Woche machten enttäuschte Eltern bei einer Stadtteilbegehung mit Sozialreferent Stefan Kiefer auf ihre Situation aufmerksam. Foto: Janina Funk

Seit einem Jahr gibt es im innerstädtischen Stadtjägerviertel keinen Kindergarten mehr. Die Elterninitiative St. Anna kämpft bislang erfolglos um eine Lösung. Die Enttäuschung ist groß.

Immerhin ein bisschen Hoffnung können sich die Eltern aus dem Stadtjägerviertel nun machen. "Rund um den Plärrer gibt es mehrere Alternativen", erklärt Sozialreferent und dritter Bürgermeister Stefan Kiefer am Ende einer Stadtteilbegehung. Überzeugen kann er die Mitglieder der Elterninitiative damit jedoch kaum, denn Alternativen für den im Sommer 2014 ersatzlos geschlossenen Kindergarten St. Anna wurden bislang schon viele geprüft - ohne Erfolg.

"Ich habe starke Zweifel, dass es wirklich so kommt", sagt Marion Treiß, die den Kindergarten viele Jahre lang leitete und seit zwei Jahren mit der Elterninitiative für eine neue Betreuungsmöglichkeit im Stadtjägerviertel kämpft. Dass die Kita nicht im Gebäude an der Frölichstraße bleiben könne, sei allen Verantwortlichen bereits 2004 bekannt gewesen. "Einfach nur frustrierend", sei es daher, dass man immer noch nicht weiter sei, resümiert Kerstin Hofmann von der Elterninitiative.

Rund 50 Kinder waren 2014 vom Ende des St.-Anna-Kindergartens betroffen. Sie mussten in die angrenzenden Stadtteile ausweichen. Für die Eltern bedeute dies weite Wege, die der Nachwuchs kaum alleine zurücklegen könne, erklärt Verena Hörmann, die sich ebenfalls in der Elterninitiative engagiert. Vier und sechs Jahre sind ihre beiden Kinder alt. In St. Georg, im Domviertel, bekamen sie "einen Notplatz".

Ob Kinder von Ärzten oder von Asylbewerbern, es gebe "in Augsburg keinen anderen Kindergarten, der so eine breite Schicht der Bevölkerung abbildet", wie dies in St. Anna der Fall gewesen sei, betont Treiß zu Beginn des Stadtteilspaziergangs. Zusammen mit Hörmann, Hofmann und anderen Betroffenen hat sie die Begehung organisiert, um auf die Situation der Eltern aufmerksam zu machen und nach einem neuen Standort zu suchen. Neben Sozialreferent Kiefer sind Mütter, Elternbeiräte, Stadträte und Vertreter der Stadtverwaltung gekommen. Gemeinsam geht es durch das, so Hörmann, "in seiner sozialen, ethnischen und demografischen Mischung einzigartige Stadtjägerviertel", in dem der St.-Anna-Kindergarten immer zur guten Integration beigetragen habe.

Klinkerberg, Kesterstraße, Senkelbachstraße: Einige alternative Grundstücke stellt die Elterninitiative an diesem Vormittag vor - und nennt auch gleich die Gründe, warum es bislang zu keiner Lösung kam: Probleme mit dem Träger, zu hohe Umbaukosten, kurzfristiger Rückzieher des Vermieters, Vorgaben des Bebauungsplans, generell zu teuer.

Einen zusätzlichen Stopp legen die Eltern in der St.-Anna-Grundschule ein - wenn der Sozialreferent schonmal vor Ort ist. In der Schule an der Schaezlerstraße könne man auf die Augsburger "Kellerkinder" treffen, erfährt die Delegation von Elternbeirat Marcus Kollar. Den Raum für die Mittagsbetreuung bilden dort nämlich mehrere Zimmer im Untergeschoss. Uraltes Mobiliar und verschmutzte Wände finden sich darin. "Unsere Ansprüche sind nicht so hoch, wie Sie sehen", nimmt es Kollar mit Galgenhumor.

Marion Treiß ist weniger nach Scherzen zumute. Die Innenstadt sei offenbar nur für den Konsum gedacht, "und nicht zum familienfreundlichen Leben", kritisiert sie. Vor dem Hintergrund der Kindergarten-Situation ärgert sich auch Verena Hörmann über die Aussagen der Innenstadtkampagne. "Und jetzt kommst Du", gelte offenbar nicht für Kinder. "Uns geht das alles zu langsam", fasst sie zusammen.

Dass es nun vorangehen soll, mit einem neuen Standort, beteuert Stefan Kiefer zum Schluss der Begehung mit Nachdruck. "Wir arbeiten daran", versichert der dritte Bürgermeister. Die Lösung sehe er am Plärrer. Bis zum Herbst wolle die Stadt aus den dortigen Möglichkeiten eine Lösung präsentieren. Doch, so realistisch müsse man sein, bis der Kindergarten dann tatsächlich betrieben werden könne, "sind ruckzuck zwei Jahre rum".
0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.