Klassischer Jazz trifft auf Orient: Konzert der Band Harrycane Orchestra in der Kresslesmühle

Harrycane Orchestra (hinten, von links): Joe Ali, David Kremer, Giuseppe Puzzo sowie (vorne, von links) Tarkan Yesil, Harry Alt und Kay Fischer machen einen ganz eigenen Sound. (Foto: Harrycane Orchestra)

Leises Schlagzeug, das Rasseln von Schellen. Plötzlich setzt ein Saxofon ein und gibt die Melodie vor. Es folgt der Gesang. Was scheint wie arabischer Klagegesang, ist in Wirklichkeit türkisch. Es klingt wie Jazz, und doch anders als man es erwarten würde. Durchdrungen wird das Stück von orientalischen Klängen. Die Musik der Band Harrycane Orchestra ist schwer zu beschreiben. Man muss sie einfach erleben und sich selbst ein Bild machen.

Kennengelernt haben sich Harry Alt und Tarkan Yesil vor einigen Jahren über Facebook und relativ schnell festgestellt, dass sie den gleichen Musikgeschmack haben. Später wurden sie zufällig auf das gleiche Konzert gebucht und spielten zum ersten Mal zusammen. Knapp ein Jahr später wurden die ersten eigenen Songs konkreter und die Band Harrycane Orchestra gegründet.

Nach und nach holten sich die beiden befreundete Musiker mit ins Boot, teilen sie in einem Interview mit. Nun besteht die Band insgesamt aus sechs Mann, die Hälfte mit Migrationshintergrund. Alle Mitglieder sind professionelle Musiker, die entweder an Musikschulen oder an Musikhochschulen unterrichten, oder sich in anderen Musikformationen ihren Lebensunterhalt verdienen.

„Unsere Musik kann man nicht in eine Ecke stellen“, sagt Tarkan Yesil, Sänger der Band. Die Musik ist eine Mischung aus klassischem Jazz und orientalischen Einflüssen mit türkisch-arabeskem Klagegesang. „So können wir breit streuen.“

Konkrete Vorbilder habe die Band aber nicht. „Vorbilder sind für mich Musiker, die das, was sie machen wollten, auch geschafft und durchgezogen haben. Das können auch verschiedene Genres sein“, verrät Harry Alt, Schlagzeuger der Band.

Das erste Konzert gaben sie auf der langen Kunstnacht im Stadtbad. Bisher habe die Band viel positive Rückmeldung bekommen, von Jazz-Club Besitzern und auch von Arabern, die vor allem den Gesang lobten.

Die Grundstimmung der Lieder sei aber latent melancholisch, aufgrund der Texte und der Intention der Band. „Im Prinzip geht es um die Ungerechtigkeiten auf der Welt, die wir jeden Tag erleben, und dass wir nichts dagegen unternehmen können“, erklärt Yesil. „Unsere Idee ist es, mit unserer Musik diesem Elend einen Klang zu verpassen.“ Die Stücke schreibt Alt, die türkischen Texte Yesil.

„Es gibt anderswo gute und begabte Bands, aber man sollte hin und wieder die Augen öffnen und schauen, was vor der eigenen Haustür passiert“, wünscht sich die Band. Sie appellieren, die einheimischen Festivals und Bands mehr zu unterstützen.


"Das Umfeld hat wahnsinnig tolle Sachen gemacht"

Die Fusion verschiedener Musikrichtungen trifft den Zeitnerv, so dass die Band im Februar 2017 mit dem Label Milky Hilly Music ihre erste CD veröffentlicht. „Das Umfeld hat wahnsinnig tolle Sachen gemacht“, sagen sie stolz. Michael Kamm, deutscher Filmkomponist und Musikproduzent, der auch schon für Hollywood produzierte, hat mit der Band ihre erste Platte aufgenommen. Es sei viel Arbeit gewesen aber sie sind stolz auf das Ergebnis.

Zur Veröffentlichung geben sie am 17. Februar um 20.30 Uhr ein Konzert in der Kresslesmühle.
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