Klinikum widerspricht den Vorwürfen

Vor wenigen Tagen hatte ein ehemaliger Chefarzt des Augsburger Klinikums schwere Vorwürfe gegen das Haus erhoben. Der Sparkurs würde zulasten des Personals und der Patienten geführt. Diesen Anschuldigungen widerspricht das Krankenhaus nun. Foto: Archiv

Vor wenigen Tagen hatte ein ehemaliger Chefarzt des Augsburger Klinikums schwere Vorwürfe gegen das Haus erhoben. Der Sparkurs würde zulasten des Personals und der Patienten geführt. Diesen Anschuldigungen widerspricht das Krankenhaus nun.

In einer Presseerklärung räumte das Großkrankenhaus zwar ein, dass zu Beginn des Jahres eine sogenannte Gefährdungsanzeige von 15 Ärzten eingegangen sei. Darin wiesen die Mediziner auf eine unzureichende personelle Besetzung und einen erhöhten Arbeitsaufwand hin. Doch die Verantwortlichen im Klinikum hätten darauf bereits reagiert. Man habe "ein Bündel an Maßnahmen" eingeleitet. "Diese betreffen sowohl die personelle Ausstattung als auch die Infrastruktur in der Notaufnahme", erklärte das Klinikum.

Auch der Vorwurf einer "Schwarzen-Null-Mentalität" widerspreche den Fakten. Denn der Wirtschaftsplan 2015 enthalte nach Auskunft des Klinikums ein Defizit von 3,7 Millionen Euro. Davon würden alleine 1,5 Millionen Euro für das Personal bereitgestellt. Dafür holt das Klinikum Augsburg zum Gegenschlag aus: "Kritiker des Klinikums Augsburg betonen häufig ihr Interesse am Patientenwohl. Bedauerlicherweise bringen sie durch Halbwahrheiten oder gar Falschinformationen das Großkrankenhaus und dessen Mitarbeiter, die für die gesundheitliche Versorgung von zwei Millionen Menschen in der Region verantwortlich sind, in Misskredit."

Der ehemalige Chefarzt Professor Harzmann hatte zu Beginn der Woche dem Klinikum außerdem Vorhaltungen darüber gemacht, dass die Interessen nicht am Patienten, sondern an der Ökonomie ausgerichtet würden. Auch diesem Punkt widersprechen Vorstand und Verwaltungsrat. Sie wollen Missstände nicht nur aufdecken, sondern die daraus resultierenden Probleme auch lösen, berichten sie.

"Natürlich gib es Probleme bei einem Haus dieser Größenordnung", räumen die Verantwortlichen ein. Besonders die Notaufnahme war in den vergangenen Wochen in Verruf geraten. "Das Thema Notaufnahme beschäftigt uns in fast jeder Sitzung des Verwaltungsrates", sagte Oberbürgermeister Kurt Gribl, der Mitglied dieses Gremiums ist. Der Grund dafür soll darin liegen, dass die Notaufnahme im Jahr 1985 konzipiert wurde und deswegen nicht mehr den heutigen Kapazitäten entspräche. Der Anbau West könne jedoch erst 2018 fertiggestellt werden. Das soll "einen Teil der Probleme lösen", so das Klinikum. Bis dahin muss das Ersatzgebäude für Entlastung sorgen.

Personell habe man durch drei zusätzliche Stellen für Ärzte bereits zur Entspannung der Lage beigetragen. Ein finanzieller Anreiz soll die Arbeit in der Notaufnahme zudem reizvoll gestalten. Auf viele Schwachstellen, die sich aus dem Gesundheitswesen ergeben, hätte das Klinikum jedoch keinen Einfluss. Gerade eine gerechte Gegenfinanzierung läge in der Entscheidungsgewalt der Politik. "Hier erheben wir unsere Stimme - immer und immer wieder", erklärte der Vorstandsvorsitzende Alexander Schmidtke.

"Es sei aber unfair, das Klinikum Augsburg dafür verantwortlich zu machen, dass die Probleme der Krankenhausfinanzierung in Berlin nicht gelöst würden", heißt es in der Mitteilung weiter.

Das Klinikum erklärte sich zudem gesprächsbereit: "Im Interesse des Hauses und im Besitz dieser Information mag sich Professor Harzmann überlegen, ob nicht auch er von der Möglichkeit der offenen Tür beim Vorstand des Klinikums Augsburg Gebrauch macht, bevor er die Menschen der Region mit Unwissen und Halbwahrheiten verunsichert."
0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.