Kolpingfrauen gestalten Tag zur Reformation, Frauen und Ökumene

  Zum diesjährigen Frauentag am Samstag, 18.11.2017 trafen sich rund 60 Frauen aus verschiedenen Kolpingsfamilien im Bistum und verbrachten gemeinsam einen Tag zum Thema "Reformation.Frauen.Ökumene."

Viele Veranstaltungen in diesem Jahr hatten bereits das Thema "Frauen und Reformation" aufgegriffen. Die Kommission Frauen im Kolpingwerk wählte einen eher ungewöhnlichen Einstieg ins Thema und bot ihren selbstgeschriebenen Sketch dar. Er spielte in Wittenberg und vermittelte den Zuschauern einen Eindruck, wie skandalös wohl die Vermählung zwischen einem ehemaligen Mönch und einer ehemaligen, entflohenen Nonne im 16. Jahrhundert auf das Volk gewirkt haben muss. Mit viel Witz und dennoch ernstem Unterton leitete die kleine Aufführung hin zum eigentlichen Höhepunkt des Vormittags. Frau Stadtdekanin Susanne Kasch war der Einladung zum Frauentag gefolgt und hielt im Anschluss ein mitreißendes Impulsreferat.
Schon im Vorfeld wies Frau Kasch darauf hin, dass die Themen "Frauen und Reformation" und "Ökumene" zwei völlig eigenständige Themen sind und jedes für sich einen eigenen Vortrag wert ist. Zunächst gab sie einen kurzen Überblick zu bedeutenden Frauen in der Reformationszeit, darunter Katharina Zell, die die Reformation in Straßburg vorantrieb sowie als Gegenpart dazu Caritas Pirckheimer, eine katholische Nonne aus Nürnberg, die ihren Glauben vehement gegen das reformatorische Gedankengut Luthers verteidig.

Martin Luther und die Frauen

Auch Luther hatte seine ganz eigene Position zu Frauen. Einerseits spiegeln seine Zitate die Einstellung, dass es für einen Mann nichts Schöneres geben kann, als von einer Frau aufrichtig geliebt zu werden. Andererseits sah er die Frau nur im häuslichen Bereich, die alles Geistige dem Manne überlassen solle. Wie wir jedoch aus vielen Briefen an Katharina von Bora wissen, hielt er sich selbst im Alltag nicht daran und überließ seiner Frau sämtliche Verantwortung für wirtschaftliche Angelegenheiten und stellte oftmals fest "Sie ist der Mann im Haus". Zwar erkannte Luther aus der Schrift, dass egal ob Frau oder Mann jeder "ein Geistlicher" sein kann, in der Gesellschaft setzte sich jedoch das Bild der Frau am heimischen Herd und zuständig für alles häusliche durch.

Gelebte Ökumene
Im zweiten Teil des Vortrags zum Thema "Ökumene" kamen zahlreiche Fragen aus dem Plenum hinsichtlich des Alltags im Pfarrhaushalt. Gelöst und ohne erhobenen Zeigefinger ging Frau Kasch auf Fragen zu Rollenverteilungen, Gleichgeschlechtlichkeit, Scheidungsraten und Priestermangel ein. Für die katholischen Teilnehmerinnen gab es das eine oder andere "Aha-Erlebnis" und manche Teilnehmerin wünschte sich ebenso viel "Weltlichkeit" in der katholischen Kirche. Abschließend stellte Frau Kasch die Frage, ob "Eins sein" zwischen katholischer und evangelischer Kirche ein tatsächlich erstrebenswerter Zustand sei. Aus ihrer Sicht kann man durchaus in Einheit existieren und seine individuellen Merkmale und sein "anders sein" behalten. Denn für sie ist jede Form der "Uniformiertheit" eher ein Anlass zur Sorge. Daher ist es viel sinnvoller, voneinander zu lernen, indem man sich gegenseitig besucht, sich "erlebt", denn nur durch erfahren und erleben ändern sich im Laufe der Zeit Einstellungen und Ansichten.

Reformation vor der eigenen Haustür
Am Nachmittag gab es vier verschiedene Workshopangebote, die die Themen des Vormittags nochmals aufgriffen und vertieften. Eine Stadtführung der Regio Augsburg führte die Teilnehmerinnen an verschiedene Schauplätze der Reformation, Frau Irene Löffler ging in ihrem Workshop speziell auf die Augsburger Frauen und ihren Beitrag zur Reformation ein. Frau Gudrun Thiel vom Schwäbischen Bauernhofmuseum in Illerbeuren zeigte in einer Präsentation konfessionelle Unterschiede im bäuerlichen Leben und Frau Sophie Bösel präsentierte heilsame Kräuter aus Luthers Zeiten und deren Verarbeitung zu Salben und Tinkturen.
Den Abschluss bildete ein ökumenischer Wortgottesdienst in der evangelischen Heilig Kreuz Kirche mit Diözesanpräses Alois Zeller und seinem evangelischen Kollegen. Herr Pfarrer Andreas Ratz freute sich über den Besuch der Frauen aus dem Kolpingwerk und stellte mit großer Begeisterung die aus seiner Sicht schönste, evangelische Kirche in Augsburg vor. Als leidenschaftlicher Pädagoge, wie er sich selbst nannte, verwies er die Frauen aus Besonderheiten in seiner Kirche, z. B., dass fast alle Gemälde im Kirchenraum von katholischen Künstlern gefertigt wurden. Die musikalische Begleitung zum Gottesdienst übernahm der Chor "Vocalis" aus Biberbach.

Text: Barbara Heinze
Fotos: Gabriele Wörz, Gabriele Sichelstiel
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