Kommentar: Gegen Terror, nicht für Nationalismus

Türkisches Fahnenmeer Alles friedlich: Rund 400 Menschen haben am Samstagnachmittag auf dem Rathausplatz friedlich gegen den Terror der PKK in der Türkei demonstriert. Foto: Markus Höck

Für die zumeist türkischstämmigen Demonstranten war die Sache klar: Mit ihrem Protest drückten sie ihre Trauer aus um Verwandte und Bekannte, die als Soldaten im Kampf gegen die PKK getötet wurden. Soweit reicht das Verständnis auch bei Deutschen ohne türkischen Migrationshintergrund.

Nur: Warum auf einer Demonstration für den Frieden und gegen Terror Nationalflaggen der Türkei geschwenkt werden, warum die türkische Nationalhymne gesungen wird mitten in Deutschland, das stieß am Samstag nicht nur bei vielen Passanten auf Unverständnis.

Es zeigte sich einmal mehr, wie schnell die Grenzen zwischen Nationalstolz und Nationalismus verschwimmen. "Türken und Kurden sind Brüder", stand auf Plakaten. Unausgesprochen blieb, dass dies offenbar nur für Kurden gilt, die keinen eigenen Staat wollen. Die Botschaft der Veranstaltung war nämlich eine ganz andere. Es ging um den Erhalt der Türkei als einen geeinten Staat - keine Autonomie für mehrheitlich kurdisch bewohnte Gebiete und schon gar kein Kurdistan. Zu diesem Konflikt mag man stehen wie man will, aber dieses innertürkische Thema gehört in die Türkei und sollte bitteschön nicht auf Deutschlands Straßen und Plätzen "ausdiskutiert" werden.

Die Verbrechen der PKK sind durch nichts zu rechtfertigen und gegen ihren Terror zu demonstrieren, ist ein ehrbares Anliegen. Am Samstag fehlte dazu die Symbolik des Friedens. Stadtrat Peter Grab hat für Sonntag, 11. Oktober, zu einer Demonstration für Frieden und gegen Hass eingeladen. Man wird sehen, ob es ihm besser gelingt. Die Sorgen im Vorfeld haben sich glücklicherweise als unbegründet erwiesen. Die Bürger demonstrierten friedlich auf dem Rathausplatz. Das Fazit der Polizei fiel entsprechend positiv aus. "Keine Verletzten, keine Festnahmen", stellte Polizeisprecher Manfred Gottschalk zufrieden fest. Der Veranstalter habe sich auch an die Auflagen gehalten. Unter anderem fand die Kundgebung zweisprachig statt.

In den Redebeiträgen wurden die Terrorattacken der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK scharf verurteilt. Auch dass es in Deutschland nach wie vor Unterstützung für die PKK und deren Tarnorganisationen gebe, kritisierten die Redner. Dagegen betonten sie immer wieder, dass ihre Protest nicht gegen Kurden gerichtet sei. "Türken und Kurden sind Geschwister", stellte dann auch eine Rednerin lautstark fest und erntete Beifall.

Nur kurz drohte die Stimmung zu kippen. Zwei Gegendemonstranten hatten sich mit einem Plakat vor dem Rathausportal postiert. Auf dem Plakat stand zu lesen: "Stoppt die Faschisten" sowie ein türkischer Schriftzug. Schlagartig hatten die beiden die Aufmerksamkeit der 400 Demonstranten, die wütend in die Richtung des Plakats türkische Parolen riefen. Rasch formierten sich die Polizisten, die sich bis dahin unauffällig im Hintergrund gehalten hatten. Gutes Zureden von der Rednerbühne aus und gutes Zureden vonseiten der Polizei auf die Gegendemonstranten beendeten den kritischen Augenblick. Das Plakat kam weg, der Friede war wieder hergestellt. So bewahrheitete sich das Versprechen, das Veranstalter Fatih Pürlü vor der Demo gab: "Die Friedensstadt bleibt die Friedensstadt."
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