Krähen- und Taubenplage in Augsburg?

Die Saatkrähenkolonie in der Parkanlage am Augsburger Königsplatz ist streng geschützt. Die Stadttauben werden erfolgreich in 14 Taubenschlägen kontrolliert - die Anti-Babypille bekommen die Augsburgs Tauben aber nicht.

In der Saatkrähen-Kolonie im Park am Augsburger Königsplatz herrscht reges Treiben. Etwa 50 Krähen-Paare richten sich die Horste her, um dort zu brüten. Pro Brutpaar werden zwei bis vier Eier gelegt. Das Gekrächze stört manchen Passanten, auch der Vogelkot auf den Gehwegplatten und den Bänken kann Bürger stören. Doch damit müsse man sich arrangieren, so Rainer Schaal, Leiter des Umweltreferats der Stadt Augsburg.

Streng geschützt


„Die Tiere sind streng geschützt, die Kolonie muss da bleiben. Da gab es schon viele Auflagen für den Königsplatz-Umbau, denn die Bäume für die Kolonie mussten stehen bleiben. Es gebe strikte Auflagen der Naturschutzbehörden und es sei undenkbar, etwas gegen die Saatkrähen-Kolonie zu unternehmen“, so Schaal. Man müsse die Bürger sensibilisieren für die Tiere, dass sie schützenswert sind. Die Unannehmlichkeiten müssen angenommen werden. Ein Pflegekonzept, das regelt, wie oft zum Beispiel die Gehwege und die Bänke vom Kot gereinigt werden müssen, bestehe bisher noch nicht. Aber es sei ohne Zweifel: Unterhalb der Kolonie bestehe erhöhter Reinigungsbedarf, so Schaal. Es werde auch überlegt, Schilder aufzustellen, um Passanten vor dem Vogelkot von oben zu warnen.

"Augsburger Stadttaubenkonzept"


Tauben sind zwar im Park am Königsplatz häufig zu sehen, doch ist das „Augsburger Stadttaubenkonzept“, bekannt als „Augsburger Modell“, als kontrollierte Taubenbetreuung so angesehen, dass aus ganz Europa Städtevertreter kommen und es sich ansehen.

Augsburg hat seit dem Jahr 2008 14 Taubenschläge aufgebaut, wo die verwilderten Haustauben gefüttert werden und brüten dürfen, um dort gezielt Eier der dort brütenden Tauben zu entnehmen und durch künstliche Eier zu ersetzen. Damit soll deren Vermehrung mindert und kontrolliert werden. Auf diese Weise greift man zwar in die Vermehrung der Tiere ein, aber sie werden hormonell und somit in ihrem Balzverhalten nicht beeinflusst. Anders wäre das, wenn man ihnen eine „Anti-Babypille“ verabreichen würde. „Das wird in Augsburg nicht praktiziert“, erklärt Schaal. Letztmalig wurden in Augsburg die Tauben im Jahr 1996 gezählt, es waren 2000 Stück. „Aber das sind keine signifikanten Zahlen“, meint Schaal. Tauben legen im Schnitt zwei Eier pro Gelege. Im Jahr 2003 wurden 13 000 Eier aus den Brutstätten entnommen, was bereits auf 7500 brütende Tauben schließen lässt.

Kontrollierte Vermehrung


Mit dem „Augsburger Stadttaubenkonzept“ wird die Vermehrung kontrolliert, die Kotmenge im Stadtgebiet vermindert und eventuelle Gesundheitsprobleme durch Mikroorganismen im Kot gemindert. „Durch die Haltung in den Taubenschlägen werden auch viel schneller Taubenkrankheiten entdeckt und können behandelt werden“, meint Schaal. Laut seiner Auskunft wurden aus den Schlägen in den Jahren 2008 5900 und 2013 6200 Eier entnommen, was auf eine Minderung der Tieranzahl in den vergangenen Jahren schließen lässt – 2013 waren es noch 13 000 Eier. Der entnommene Kot aus den Schlägen betrage zur Zeit etwa fünf Tonnen pro Jahr, der damit im Stadtgebiet fehlt.

Oftmals sieht man in der Innenstadt, dass Privatpersonen den Tauben Futter geben, Brotkrümel und Getreidekörner auslegen. Das ist so nicht verboten, nur, wer zu viel füttert und mehr liegen bleibt als von den Tieren gleich gefressen wird, der könnte zur Kasse gebeten werden, denn die Verschmutzung verstoße gegen die Stadtreinigungs- und Sicherheitsverordnung, gibt Schaal zu bedenken.

Eiersammeln und Ausmisten


Und wer versorgt die Taubenschläge? Es sind einige ehrenamtliche Mitarbeiter wie Rudolf Reichert, der die Tiere füttert, die Schläge ausmistet, Eier austauscht und sich somit um deren Bestand kümmert. Neben den verwilderten Haustauben, die in den vergangenen Jahren in Massen teilweise Probleme verursachten, lebt auch in Augsburg die Hohltaube und die Ringeltaube.

Natürliche Feinde der Tauben sind Wanderfalken. Einige Exemplare leben auch in Augsburg, seien aber nur für das lokale Ausbleiben der Tauben verantwortlich, spiele aber für die Gesamtpopulation keine Rolle, meint Schaal.
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Gabriele Hoenschel aus Augsburg - Nord/West | 05.06.2016 | 01:00  
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