Kritik an Percy Hoven: "Hetzerische Pseudo-Satire"

Percy Hoven aus Bobingen war zwei Jahre lang die Figur Dr. Alfons Proebstl, eine Pegida-Ikone. Jetzt ist er demaskiert und hat sich entschuldigt. Reicht das?

Percy Hoven mimte fast zwei Jahre lang die "Kunstfigur" Dr. Alfons Proebstl, die zu einer Art Ikone der Pegida-Bewegung wurde. Seit 2014 charakterisierte der Ehemann von Lokal-TV-Moderatorin Silvia Laubenbacher und Ex-Big Brother-Moderator hinter einer Latexmaske den alten, ganz rechts außen orientierten Herrn. Nur wenige wussten, wer hinter der Maske steckte.

Vor Kurzem outete ihn allerdings BR-Radiomann und Comedian Matthias Matuschik auf seiner Facebook-Seite öffentlich. Einige Augsburger Freunde und Bekannte sollen schon länger gewusst haben, was Hoven neben seiner Tätigkeit als Portraitmaler noch so macht. Doch erst nach Hovens Bestätigung und seinem Bedauern via Pressemitteilung durch seine Agentur in der vergangenen Woche kam das Aus für ihn. Plötzlich wollte Hoven diese "Satirefigur" nicht mehr sein.

Dass für die meisten Beobachter diese Rolle und ihre Auftritte nicht wie von Hoven immer wieder gegenüber kritischen Freunden betont Satire sei, sondern tatsächlich rechte Hetze, dieser Eindruck wurde nun durch das Bekanntwerden eines Auftritts von Dr. Proebstl alias Hoven bei der Pegida-Bewegung verstärkt. Auf Einladung des Pegida-Chefs Lutz Bachmann sprach er im April in Dresden.

Überhaupt erfuhr der Doktor jede Menge Zuspruch von rechten Gruppierungen, zu dessen Sprachrohr er sich gemacht habe, wie seine Kritiker unterstreichen.

Dieser Vorwurf wurde noch verstärkt durch Hovens Erscheinen als Dr. Alfons Proebstl bei einer Veranstaltung der "Wissensmanufaktur", einem selbst ernannten "unabhängigen Institut für Wirtschaftsforschung und Gesellschaftspolitik", moderiert von der ebenso umstrittenenen Ex-"Tagesschau"-Sprecherin Eva Hermann im August in Kanada. Dort plauderte der 50-Jährige unter seiner Latexmaske mit Wissensmanufaktur-Gründer Andreas Popp erneut in gewohnter Manier. Zu diesem Auftritt allerdings hat sich Hoven noch nicht distanziert.

Bleibt die Frage: Wird Hetze salonfähig, nur weil man das Wort "Satire" darauf klebt? Sicher nicht.

"Percy Hovens Entschuldigung kam spät und ist in Teilen unglaubwürdig, denn wer sich zwischen Lutz Bachmann und Eva Hermann sichtlich wohl fühlt, der kann sein Abdriften zur 'braunen Seite der Macht' nur durch gegenteilige Taten, nicht aber durch spärliche Worte des Bedauerns entkräften", sagt Matthias Matuschik. Der DJ, Hörfunk- und Fernsehmoderator, der auch unter seinem Künstlernamen Matuschke bekannt ist und am 31. Oktober mit seinem Bühnenprogramm "Entartete Gunst" in die Kresslesmühle kommt, wird seither im Netz allerdings aufs Übelste als Denunziant beschimpft.

"Ich habe rechte, unmenschliche, hetzerische und vor allem auf einem Haufen Lügen basierende Pseudo-Satire aus der Anonymität gehoben. Den jetzt beleidigten, braunen 'Führerlosen', denen ich dadurch den Gute-Nacht-Onkel genommen habe, bleibt gar nichts anderes übrig, als sich im alten Nazivokabular zu bedienen. Da kommt dann zur 'Asylflut' und dem 'Sturm' auf die Demokratie eben auch der 'Denunziant'", sagt er.

Und was machen die Proebstl-Anhänger aus der Pegida-Welt? Sie wittern entweder einer Verschwörung des "Systems", oder beschimpfen Hoven jetzt als "charakterlos", "ohne Rückgrat", und dass "er vor der Lügenpresse eingeknickt sei."

Auf der Internetseite "Politically Incorrect" heißt es gar: "Nach dem unrühmlichen Abgang von Percy Hoven alias Dr. Proebstl, der sich für seine Darstellung der satirischen Figur linksdevot vor den Meinungsdiktatoren des Landes verneigte und untertänigst um Vergebung winselte, sucht die Redaktion nun einen Ersatzmann. Vorzugsweise einen mit Rückgrat und Standfestigkeit." Den unsäglichen Dr. Proebstl soll es also auch ohne Hoven weiterhin geben.
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