Kultusministerium will Augsburger Stück auf Theatertagen zeigen - doch das Innenministerium ließ Hauptdarsteller Pouya abschieben

Ahmed Shakib Pouya (unten), Hauptdarsteller des Flüchtlingsstücks "Rotkäppchen auf der Flucht" musste im Januar nach Afghanistan ausreisen. (Foto: privat)

Von einer grotesken Begebenheit berichtet das Junge Theater Augsburg: Das Stück "Rotkäppchen auf der Flucht" wurde vom Kultusministerium zu den Bayerischen Theatertagen eingeladen. Das Problem: Der Hauptdarsteller Ahmed Shakib Pouya musste nach Afghanistan ausreisen.

Im Oktober 2014 feierte das Jungen Theater Augsburg (JTA) mit dem mobilen Klassenzimmerstück "Rotkäppchen auf der Flucht" Premiere. Es befasst sich anhand des in vielen Ländern und Sprachen bekannten Märchens Rotkäppchen mit Fluchterfahrungen von Kindern und Familien.

Die Inszenierung wurde vom Bundesprogramm „Toleranz fördern – Kompetenz stärken“ unterstützt. Auch einige studentische Arbeiten widmeten sich dem Projekt. Gut 50 Mal wurde das Theaterstück inzwischen vor mehr als 2500 Kindern gezeigt - die Nachfrage ist noch immer groß.

Der Erfolg ist dabei vor allem dem authentischen Spiel der beiden Darsteller Ramadan Ali und Ahmed Shakib Pouya zu verdanken, deren eigene Biografien und Fluchtgeschichten Bestandteile der Inszenierung sind.

Die Produktion wurde unlängst auch zu den Bayerischen Theatertagen 2017 nach Hof eingeladen. Außerdem gibt es aktuell Anfragen von vier Grundschulen für Gastspiele. Doch das JTA kann das Stück derzeit nicht zeigen. Der Grund: Der aus Afghanistan stammende Hauptdarsteller Ahmed Shakib Pouya durfte nach gut sechs Jahren in Deutschland nicht mehr bleiben und hat sich im Januar 2017 zu einer sogenannten „freiwilligen Ausreise“ entschlossen.

Nachdem er durch die neuen gesetzlichen Grundlagen für beschleunigte Ausweisungsverfahren unmittelbar vor der Abschiebung in sein Herkunftsland stand, wäre sonst eine Wiedereinreisesperre in Kraft getreten. Das Junge Theater kämpft nun dafür, dass Pouya mit einem Künstlervisum zurückkehren kann.

Vorerst können die angefragten Schulaufführungen jedoch nicht gespielt werden. "Ohne Pouya ist das Stück nicht spielbar. Es wurde aus den Biografien der beiden Schauspieler und dem Märchen Rotkäppchen entwickelt. Die Musik im Stück wird auch in großen Teilen von Pouya, seinem Gesang und seinem Spiel auf dem Harmonium getragen", sagt Susanne Reng, Regisseurin des Stücks und Theaterleiterin des JTA.

"Dass Pouyas eigene Geschichte einerseits Teil eines bayerischen Vorzeigeprojektes ist und gleichzeitig dazu führt, dass er Deutschland verlassen muss, um im für ihn lebensbedrohlichen Afghanistan auszuharren", stößt bei Susanne Reng auf Unverständnis: "Es wäre schön, wenn sich der bayerische Kultusminister und der bayerische Innenminister anlässlich der Bayerischen Theatertage austauschen würden, um über diese absurde und für alle Seiten unbefriedigende Situation zu sprechen."
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Patrick Rion aus Augsburg - Nord/West | 15.02.2017 | 00:07  
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