Langes Warten im Augsburger Zoo

Mit Giraffen hat der Augsburger Zoo selten Glück. (Symbolbild) Foto: Christian Bauer (Archiv)

Sind Giraffen für die Haltung in Tierparks wirklich geeignet? Im Augsburger Zoo könnte es zu Änderungen kommen, sobald der abschließende Bericht zum Tod von Weibchen Luna vorliegt.

Ob es im Augsburger Zoo weiterhin Giraffen geben wird, in dieser Frage ist sich die Verwaltung des Tierparks noch nicht sicher. Nach dem erneuten Tod einer Giraffe vor drei Wochen könnte die Haltung der Tiere nun auf den Prüfstand gestellt werden. Eine Entscheidung soll getroffen werden, sobald alle abschließenden Berichte zum Tod von Weibchen Luna vorliegen.

Im Augsburger Zoo wartet man noch immer auf den endgültigen Obduktionsbericht aus München. Wann die Klärung der Todesursache abgeschlossen ist, kann Direktorin Barbara Jantschke nicht einschätzen, doch wenn es soweit ist, könnte es im Zoo zu Änderungen kommen. "In der jetzigen Situation, mit nur einem Tier, ist die logische Konsequenz, dass überlegt wird, wie weiter vorgegangen werden soll. Dabei wird die Situation von allen Seiten untersucht und besprochen." Die Entscheidung sei aber noch völlig offen.

Das Giraffenweibchen Luna war Anfang Februar gestürzt, das Tier konnte nicht mehr aufstehen und musste eingeschläfert werden. Dem vorläufigen Obduktionsbericht zufolge hatte Luna eine Darmentzündung. In der Nacht habe sie schwere Koliken gehabt. Beim Aufstehen muss sie wohl gestürzt sein. Der Grund für die Erkrankung ist noch nicht geklärt. Möglicherweise steckt ein Parasitenbefall dahinter. Auch eine chronische Darmerkrankung könnte die Ursache sein.

Giraffen-Haltung: Kritiker fordern Verbot


In den vergangenen Jahren hatte der Augsburger Zoo selten Glück mit Giraffen. Das Männchen Kiano stürzte im Mai 2014 als es vor einem Zebra flüchtete, die Verletzungen waren tödlich. Kurz zuvor, im März, starb Griaffenbulle Marvin. Das 19-jährige Tier war allerdings nicht mehr das Jüngste.

2013 stürzte das Weibchen Lada, die trächtige Giraffendame starb. 2010 musste Giraffe Jamie eigeschläfert werden, wegen eines Knicks in der Halswirbelsäule. Ein Giraffenbaby starb 2007 zehn Tage nach der Geburt an Immunschwäche.

"Grundsätzlich ist es bei allen Tieren mit langen Beinen schwierig, wenn ein Tier stürzt", erklärt Zoo-Chefin Jantschke. Dies treffe etwa auch auf Pferde zu. "Das Aufstehen ist speziell bei Giraffen nicht einfach, daher legen sie sich beispielsweise im Freiland auch kaum zum Schlafen oder Ausruhen hin. Außerdem sind sie als Fluchttier sehr schreckhaft und unsicher bei Dingen, die sie nicht kennen."

Sind Giraffen für die Haltung in Tierparks also wirklich geeignet? Kritiker setzen sich seit langem für ein Verbot von exotischen Tieren in Zoos ein. Lunas Tod hat die Diskussion wieder einmal befeuert. Tierschützer kritisieren unter anderem Inzucht, enge Boxen und rutschige Böden. Aber: Gerade die großen Tiere sind ein wichtiger Anziehungspunkt für Zoobesucher, auf die ein Tierpark eigentlich nicht verzichten kann.
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