Linie 5: Die Natur auf dem Abstellgleis

Bernhard Uffinger und Eduard Belotti (von links) vom Bund Naturschutz sorgen sich um das Grün entlang der Wertach. Verlaufe die Linie 5 wie geplant entlang der Hessenbachstraße, müsse ein Großteil der Bäume weichen. Foto: Janina Funk

Gegen den geplanten Verlauf der Linie 5 kämpft auch der Bund Naturschutz. Den Stadtwerken werfen die Naturschützer vor, "die Wahrheit direkt auf den Kopf zu stellen". Der Bürgerdialog sei rückblickend "eine Farce".

Bernhard Uffinger deutet auf die massiven Linden. "Die müssen alle weg", sagt er. Eduard Belotti nickt und schüttelt gleich darauf enttäuscht den Kopf. Mindestens 50 Bäume seien betroffen. Ein Unding für die beiden Naturschützer.

Uffinger und Belotti stehen unter den Linden der Augsburger Hessenbachstraße und machen keinen Hehl aus ihrem Frust über die geplante Trasse der Linie 5. "Auch wir sind für die Straßenbahn", betont Belotti, der Vorsitzende der Ortsgruppe Augsburg im Bund Naturschutz, aber es könne doch nicht sein, "dass dafür so viel Natur kaputt gemacht wird".

Die Linie 5 soll vom Bahnhof über die Bürgermeister-Ackermann-Straße zum Klinikum fahren. Den aktuellen Planungen zufolge soll die Trasse dabei auch über die Hessenbachstraße an der Wertach entlang führen - Anwohner und Naturschützer wollen dies verhindern. Ihr Vorschlag lautet: Holzbachstraße.

Hessenbachstraße: "Baum ist nicht gleich Baum"


Die Straße auf der gegenüberliegenden Seite der Wertach liegt zwar ebenfalls im Grünen, doch zu diesem Kompromiss wären die Naturschützer bereit. "Es gibt ja auch noch andere Interessen", sagt Belotti. Naturschutz und Anwohnerschutz ließen sich in der Holzbachstraße am Besten zusammenführen. "Auch hier müssten Bäume gefällt werden, aber weitaus weniger." Zudem sei Baum nicht gleich Baum, ergänzt Uffinger. Die Linden der Hessenbachstraße gelte es unbedingt zu schützen.

Das hätten auch die Teilnehmer des Bürgerdialogs so gesehen, beteuert Belotti und wirft den Stadtwerken vor, "die Wahrheit direkt auf den Kopf zu stellen, mit ihrer Behauptung, die Prüfung einer Vielzahl von Varianten hätte ergeben, dass der Trassenverlauf durch die Hessenbachstraße die beste Lösung sei". Es stünden nicht die Bedürfnisse der Bürger im Vordergrund, kritisiert er. Der Bürgerdialog sei rückblickend "eine Farce - für mich wirkt das inzwischen so, als sei die Hessenbachstraße von Anfang an gewollt gewesen."

Linie 5: Protest und Poesie


An den Bäumen der Allee haben die verärgerten Anwohner Schilder mit Botschaften gegen die Trasse befestigt. Eduard Belotti hat dafür sogar ein Gedicht "An die Linde" verfasst, in dem es unter anderem heißt: "Doch Du sollst kein hohes Alter erreichen. Sollst Straßenbahn und Straße weichen, obwohl der Bürger das anders gewollt. Doch dem wird kein Respekt gezollt."

Weniger poetisch fällt Belottis Urteil zur Entscheidung von Stadt und Stadtwerken gegen die Holzbachstraße aus: "Die Parkplätze haben gewonnen", sagt er und spielt darauf an, dass östlich der Wertach dem Ergebnis des Bürgerdialogs zufolge die Trasse zum Teil auf dem jetzigen Parkstreifen verlaufen könnte.

Auch Bernhard Uffinger, der sich seit über 30 Jahren im Bund Naturschutz engagiert, fühlt sich schlicht nicht ernst genommen. "Bürger und hochdotierte Fachpersonen haben mühsam eine Empfehlung erarbeitet, die jetzt ignoriert wird."

"Immer wieder werden Flächen in Pfersee geopfert"


Es gebe Vieles, was gegen die Hessenbachstraße spreche, erklärt Uffinger. So sei etwa im Projekt "Wertach vital II" die dortige Gartenanlage vom Bauausschuss der Stadt zugesichert worden. Nun müsse auch diese für die Trasse weichen. Oder die Ausgleichspflanzungen: "Immer wieder werden Flächen in Pfersee geopfert. Die Ersatzmaßnahmen kommen dann nach Hochzoll oder noch weiter weg."

Aufgeben wollen Uffinger und Belotti nicht. Im Zuge des Planfeststellungsverfahrens - zu dem es kommt, wenn die Stadt die Pläne soweit ausgearbeitet hat, um die Genehmigung bei der Regierung von Schwaben zu beantragen - werde der Bund Naturschutz seine Einwände einbringen, kündigt der Vorsitzende der Ortsgruppe an. "Wir werden uns weiter wehren."
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