Luthers Reformation - Freiheit und Judenhaß

Wann? 30.07.2017 19:30 Uhr

Wo? Evangelisches Forum Annahof, Hollbau, Im Annahof 4, 86150 Augsburg DE
Augsburg: Evangelisches Forum Annahof, Hollbau |

Luthers Reformation: Freiheit und Judenhaß

Luthers Reformation ist ein welthistorischer Schritt zur Verwirklichung der Utopie eines autonomen Individuums. Luthers Reformation bietet zugleich die Legitimation zur Unterdrückung jeder Freiheitsbewegung und zu einem Judenhaß, auf den sich nach 1933 die Nationalsozialisten beriefen.
Einerseits steht Luthers Reformation im Kontext der Revolutionierung der gesellschaftlichen Welt während der Renaissance: der Revolutionen in der Ökonomie (Kaufmanns-Kapitalismus), der Bildenden Kunst, der Philoso­phie, der Naturwissenschaften (Copernicus). Überall wird der utopische An­spruch erhoben: Der Mensch könne in der Seele zu Gottes Ebenbild aufstei­gen, Gottes Schöpfung erkennen und sich selbst sowie seine Welt selbst er­schaffen. Luther übersetzt dieses Dogma in die Lehre von den zwei Reichen: in der Innerlichkeit der Seele sei der Christenmensch frei, in der Äußerlich­keit des Leibes habe der Christenmensch der weltlichen Obrigkeit zu gehor­chen – oder dürfe Widerstand nur durch das Wort Gottes leisten.
Andererseits fordert Luther, durch die christliche Zwei-Reiche-Lehre, zur Gewalt gegen alle auf, die – wie die aufständischen Bauern – das Reich der Freiheit mit physischer Gewalt bereits im Diesseits zu verwirklichen suchen. Vor allem ruft Luther zum Pogrom gegen jene auf, die diese Lehre nicht zu teilen vermögen, weil sie den Satz des Johannes-Evangeliums ablehnen: daß der Weg zu Gott durch Jesus vermittelt ist, daß also das ersehnte „Reich“ der Versöhnung „von dieser Welt ist“. Luthers Judenhaß ist das Gegenbild seiner christlichen Freiheitslehre.
Luthers Judenhaß begründet die Tradition einer Unterdrückung jeder weltli­chen Utopie, die von den Nationalsozialisten zur Konsequenz gebracht wur­de – und die vom gegenwärtigen Neoliberalismus im Dogma vom ‚Ende der Utopie’ reproduziert wird.

Prof. Dr. Gerhard Stapelfeldt lehrte von 1979 bis 2009 am Institut für So­ziologie der Universität Hamburg. Seitdem arbeitet er als freier Schriftsteller in Hamburg.


Die Veranstaltung wird präsentiert im Rahmenprogramm zum Augsburger Hohen Friedensfest und findet statt im Ausstellungssaal des Annahofs.
Eine Kooperation mit dem Friedensbüro der Stadt Augsburg.

Zu den weiteren Events des Semesterprogramms: https://www.facebook.com/pg/dighgaugsburg/events/?...
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