Mangelware Notarzt

Im Landratsamt haben Vertreter der Notärzte und der KVB das Gespräch gesucht. Foto: ©kzenon/123rf.de (Symbolbild)

Wegen einer neuen Regelung der Vergütung sind in der Stadt immer weniger Ärzte bereit zum Dienst als Notarzt. Experten befürchten, dass Notarztdienste immer öfter unbesetzt bleiben könnten.

Das neue Jahr bringt viele Veränderungen mit sich. So auch für die Ärzte in Bayern. Hier gelten nun neue Vergütungsregeln für Notärzte. Das führte dazu, dass zwischen den Feiertagen zum ersten Mal ein Notarztdienst unbesetzt war.

Für die Besetzung des Notdienstes ist die Kassenärztliche Vereinigung Bayerns (KVB) zuständig. Doch gerade zwischen den Feiertagen ist das schwierig, weil sich hier wenige Ärzte freiwillig melden. Deswegen war der Notarztwagen des Klinikums vergangene Woche an einem Abend für vier Stunden nicht besetzt. Der Wagen des Klinikums-Süd in Haunstetten war sogar für zwölf Stunden vakant. Normalerweise wird in solchen Fällen ein Arzt aus dem Umland oder den angrenzenden Landkreisen besetzt, doch das habe an diesem Tag nicht funktioniert, erklärte die KVB.

Genau das führt jedoch zu einer Versorgungslücke auf dem Land. Denn wenn beispielsweise ein Notarzt aus Landsberg anfahren muss, bedeutet das Anfahrtszeiten von etwa 30 Minuten. Gleichzeitig ist der Mediziner für die Dauer seines Einsatzes in Augsburg in seinem Stammgebiet nicht verfügbar. Friedhelm Bechtel, der Pressesprecher der Augsburger Berufsfeuerwehr, ist sich jedoch sicher, dass durch den Arztmangel keine Menschenleben in Gefahr waren. Denn die Rettungssanitäter seien sehr gut ausgebildet. Außerdem bietet hier der Rettungshubschrauber auf dem Dach des Klinikums Entlastung.

Grund für den Streit ist die neue Regelung für die Vergütung der Notärzte. Bislang erhielten die Ärzte in Ballungszentren mehr Geld, als die auf dem Land. Mit diesem Jahr sollen die Mittel für die Notdienste gerechter verteilt werden. Die Ärzte in der Stadt bekommen also weniger, die auf dem Land mehr Geld für den Dienst als Notarzt. Das soll die ländlichen Regionen für die Notärzte attraktiver machen, denn die Mediziner werden je Einsatz entlohnt. In den Städten sinkt im Zuge dieser Neuerung die Vergütung um rund 40 Prozent. Somit wird der Dienst als Notarzt in den Städten entsprechend uninteressant. Es wäre also durchaus möglich, dass einer der Notarztwagen künftig öfter nicht durchgehend besetzt wird.

Davon betroffen wären im Stadtgebiet von Augsburg in erster Linie Nacht- und Wochenenddienste. Denn an Wochentagen tagsüber besetzt das Klinikum die Notärzte. Für das Umland bleibt nur zu hoffen, dass der finanzielle Anreiz wirkt und mehr Ärzte zum Einsatz als Notarzt bereit sind. Denn Notärzte melden sich zu diesem äußerst verantwortungsvollen und gleichzeitig belastenden Dienst freiwillig.

Gestern Nachmittag haben sich Augsburgs Oberbürgermeister Kurt Gribl und Landrat Martin Sailer zu einem Gespräch getroffen, um über die fehlenden Notärzte zu beraten. Was hierbei herauskommt, wird sich zeigen. Denn Experten befürchten, dass solche Vakanzen keine Einzelfälle bleiben könnten - nicht nur in Augsburg. Denn noch immer sind nicht alle Notarztdienste besetzt. Die KVB erklärte, dass gewöhnlich zu dieser Zeit die Dienstpläne bereits feststehen. Ob bei einer anhaltenden Mangelbesetzung von Notärzten das Großkrankenhaus in Augsburg verstärkt einspringen muss, ist noch nicht klar.

Die Situation wird dadurch verschärft, dass seit Jahren der ländliche Raum nicht flächendeckend mit Medizinern ausgestattet ist. Immer mehr Praxen müssen schließen, weil die niedergelassenen Ärzte keine Nachfolger finden, die die Praxen weiterführen wollen. Auch hierfür hat der Freistaat einen finanziellen Anreiz geschaffen, denn ab jetzt haben Ärzte die Möglichkeit, bis zu 60 000 Euro Förderung für eine Praxis auf dem Land zu erhalten.
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