manroland entlässt 225 Mitarbeiter

Keine schöne Überraschung zu Weihnachten: Gestern erhielten 225 Mitarbeiter bei manroland web systems bei einer Betriebsversammlung ihre Kündigung. Foto: manroland web systems

Es ist ein schaler Trost, dass es nun "nur" 225 statt 250 Mitarbeiter trifft. Im Oktober kündigte manroland web systems den Stellenabbau als Neuausrichtung an. Gestern gab es für die Opfer dieser Unternehmensentscheidung auf einer Betriebsversammlung per Brief die Kündigung.

Der Stellenabbau sei Teil eines Maßnahmenpaktes, das die Zukunft manrolands absichern soll. Es geht um die "Profitabilität des Unternehmens ab 2015". In einer Stellungnahme rechtfertigt sich die manroland-Spitze: "Die Summe der tariflichen und innerbetrieblichen Maßnahmen gewährleistet dabei die erforderlichen Kostenentlastungen."

Äußerst offene und konstruktive Gespräche mit den Arbeitnehmervertretern in den letzten Wochen hätten dazu geführt, dass das Unternehmen in kürzester Zeit ein Maßnahmenpaket verabschieden konnte. "Nur dadurch ist es uns gelungen, sowohl die Interessen des Unternehmens als auch die Interessen der Belegschaft in Einklang zu bringen", beschreibt die Unternehmens-Spitze einen Kompromiss, der von Gewerkschaftsseite nur als "schmerzhaft" charakterisiert wird. Schon nach der Ankündigung des Stellenabbaus hatte IG Metall-Chef Michael Leppek gegenüber der AICHACHER ZEITUNG geäußert: "Gesundschrumpfen geht zwangsläufig schief - auch bei manroland."

Im Detail sieht der Kompromiss vor, dass statt 250 Mitarbeitern 225 entlassen werden. Eine Transfergesellschaft, die ab 1. Januar 2015 zur Verfügung stehen soll, "bietet den Betroffenen bis zu zwölf Monate Sicherheit und darüber hinaus eine qualifizierte Betreuung und Vermittlung in neue Arbeitsverhältnisse", wirbt manroland für das Verhandlungsergebnis. Zudem erhielten die Mitarbeiter vom Unternehmen eine Aufzahlung auf 80 Prozent des Netto-Einkommens für diesen Zeitraum.

Ungeschoren kommen auch die übrigen 2500 Mitarbeiter in Augsburg nicht davon. Sie müssen eine Gehaltskürzung um fünf Prozent hinnehmen. Ursprünglich sollten es 13 Prozent sein. Dafür bleibten Urlaubs- und Weihnachtsgeld unangetastet. Zudem gibt es eine Beschäftigungsgarantie - bis Ende 2016.

"Wir bedauern es sehr, dass uns die veränderten Marktbedingungen zu diesem unabwendbaren Schritt gezwungen haben. Der Weltmarkt für Rollen-Offset-Druckmaschinen schrumpfte stärker und schneller als erwartet, was letztlich einen Rückgang von circa 660 Millionen Euro im Jahr 2011 auf circa 330 Millionen Euro im Jahr 2014 mit sich brachte", erklärt Jörn Gossé, Geschäftsführer der manroland. "Im gleichen Zeitraum ist es uns allerdings auch gelungen, unsere Marktanteile von 20 Prozent auf nunmehr stabil 36 Prozent zu steigern. Wir haben ganz klar das Ziel vor Augen, weiterhin der leistungsstarke und verlässliche Geschäftspartner für unsere Kunden zu sein."

Eine der wenigen positiven Nachrichten: manroland will entgegen seiner Ankündigung die Ausbildung doch fortführen. Für die Jahre 2015 und 2016 sollen jeweils 15 Ausbildungsplätze angeboten werden. Auszubildende und Jungfacharbeiter werden laut Unternehmensführung auch zukünftig übernommen.

"manroland web systems wird den eingeschlagenen Kurs konsequent fortsetzen, seine Marktanteile steigern und sich auch weiterhin am schwierigen Markt behaupten", so die Stellungnahme. Ende 2016 wird sich zeigen, ob das für die Unternehmensführung dann auch weiteren Stellenabbau bedeutet.
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