Martin Luther & Thomas Münzer oder Die Einführung der Buchhaltung

Bühnenbild Susanne Maier-Staufen | Foto Jan-Pieter Fuhr
Im Spannungsfeld von Reformation und Kapitalismus

Luther-Playmobilfiguren erobern derzeit die deutschen Kinderzimmer – das 500.
Reformationsjubiläum löst einen regelrechten Luther-Hype aus. Zeit dieser Glorifizierung knallharte Tatsachen entgegenzusetzen: Dieter Fortes Realsatire »Martin Luther & Thomas Münzer oder Die Einführung der Buchhaltung« feiert am 24. November Premiere in der brechtbühne und schildert die Reformation aus dem Geist des Kapitalismus. Luther, der Antikapitalist? Zwar sprach sich dieser gegen den Wucher, die Fugger und das Kreditgeschäft aus, legte jedoch mit der Verurteilung des »faulen Müßiggängers« den Grundstein der heutigen Arbeitsethik.
Mit einer gehörigen Portion schwarzem Humor und auf der Basis historisch genauer Fakten wirft Forte einen Blick auf das Räderwerk politischer Herrschaftsmechanismen. Er zeigt Luther als Spielball der Mächtigen im Widerstreit mit seinem Gegenspieler Thomas Münzer und dessen sozial-revolutionären Umtrieben.
Regisseur Maik Priebe setzt das Stück als sinnlich komisches und volkstheaterhaftes Spektakel in Szene.

Schauspiel von Dieter Forte

»Dass die Bezüge auf die Zeit so klar und unübersehbar sind, hat mich selbst überrascht«, schreibt Dieter Forte über sein 1970 in Basel uraufgeführtes Stück. Heute, 47 Jahre später, sind die von ihm beschriebenen Mechanismen von einer beinahe noch gespenstischeren Aktualität. Forte zeigt, mit welcher Wendigkeit und Anpassungsfähigkeit sich der Kapita-lismus, im Stück durch den Fugger repräsentiert, politische und religiöse Konstellationen zu eigen macht, um sie im Dienst der Gewinnmaximierung und zur Sicherung und Erwei-terung von Absatzmärkten zu instrumentalisieren.
Im Zentrum von Fortes Realsatire stehen drei Herrscher, ein weltlicher, ein religiöser und ein politischer, die mit allen Mitteln um den Erhalt und die Erweiterung ihrer Machtsphäre kämpfen. Von Augsburg aus lenkt der Fugger sein Finanzimperium, von Sachsen aus zieht Friedrich der Weise die politischen Strippen und in Rom sucht der Papst nach immer kreativeren Wegen, seine finanziellen Schwierigkeiten mit neuen Instrumenten wie dem Ablasshandel in den Griff zu bekommen. Dazwischen, als Spielball der Mächtigen, befin-det sich ein unbedeutender Mönch aus Wittenberg, der quasi wider seinen Willen zum Protagonisten einer der größten geistesgeschichtlichen Umwälzungen in der Geschichte der Welt wurde.

Inszenierung Maik Priebe
Bühne & Kostüme Susanne Maier-Staufen
Ausstattung Susanne Maier-Staufen
Musik Stefan Leibold
Dramaturgie Lutz Keßler
Mit
Sebastian Baumgart, Marlene Hoffmann, Natalie
Hünig, Andrej Kaminsky, Klaus Müller, Sebastian Müller-Stahl,
Patrick Rupar, Daniel Schmidt, Kai Windhövel

Werkstatt zu: Martin Luther & Thomas Münzer oder Die Einführung der
Buchhaltung

9.11.2017 18:30 | brechtbühne

Premiere
24.11.17 19:30 | brechtbühne

Weitere Termine

26.11.2017 18:00 | brechtbühne
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15.12.2017 19:30 | brechtbühne
16.12.2017 19:30 | brechtbühne
23.12.2017 19:30 | brechtbühne
26.12.2017 18:00 | brechtbühne
29.12.2017 19:30 | brechtbühne
5.1.2018 19:30 | brechtbühne
19.1.2018 19:30 | brechtbühne
24.1.2018 19:30 | brechtbühne
27.1.2018 19:30 | brechtbühne
28.1.2018 15:00 | brechtbühne
4.2.2018 15:00 | brechtbühne

Heike Neumann & Leoni Walter
Kommunikation und Presse Theater Augsburg
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