Mit Humor gegen Komasaufen

Mit vollem Körpereinsatz agiert Eisi Gulp auf der Bühne und geht auch gerne mal direkt auf sein Publikum zu. Foto: Kristin Deibl

"Ihr seid die junge Generation. Ihr müsst sagen: 'Wir machen es anders als die alten Affen.'", appelliert Kabarettist Eisi Gulp an sein junges Publikum. Er steht auf einer Bühne in der Turnhalle des Gymnasiums Maria Stern und möchte die rund 150 Acht- und Neuntklässlerinnen der Schule für das Thema Alkohol sensibilisieren.

Gulp absolviert sein Bühnenprogramm mit vollem Körpereinsatz. Er imitiert einen jungen Mann, der in der Kneipe steht und sich ein Glas nach dem anderen hinter die Binde kippt. "Schließlich meldet sich der Magen", erzählt er den Schülerinnen. "Das Gedächtnis versucht, sich an den Weg zum Klo zu erinnern, die Beine versuchen, sich parallel in die richtige Richtung zu bewegen." Mit leidendem Gesichtsausdruck wankt er über die Bühne und hält sich den Bauch. Vor einem Stuhl geht er auf die Knie. "Dann kniest du vor dem kleinen, weißen Porzellan-Altar und du steckst dein Gesicht in diesen Ort, der nie dafür gedacht war, dass jemand sein Gesicht hinein steckt. Du schaust in den ovalen Abgrund und verstehst, warum die Leute ihn so ungern putzen, denn nun hast du ihn aus nächster Nähe gesehen." Die Schülerinnen lachen über seine anschauliche Performance.

Plötzlich wird er ernst. "Jugendliche werden teilweise in ihrer eigenen Kotze in der Gosse gefunden. Jungs sind besonders anfällig dafür, sich über Komasaufen zu beweisen", erklärt er und rät den Mädchen: "Sagt ihnen, dass das aus ihnen keine richtigen Männer macht."

Gulps amüsantes und manchmal derb-lustiges Programm "Hackedicht - oder was?" ist Teil der "Hackedicht-Schultour der Knappschaft", eines gemeinsamen Alkohol-Präventionsprojekts der Krankenkasse Knappschaft und des Deutschen Kinderschutzbundes. Es soll Schüler ab der achten Jahrgangsstufe dazu anregen, kritisch über Alkohol nachzudenken.

"Mein Kung-Fu-Lehrer hat immer gesagt: 'Mach alles, probier alles, erfahre alles, iss alles, trink alles - aber von allem immer nur die Hälfte'", zitiert Gulp. "Das ist ein guter Ratschlag. Exzessiv ist nie gut."

Nicht nur auf die Gefahren von Alkohol möchte Gulp die Schülerinnen aufmerksam machen. "Was gibt es Dümmeres als Zigaretten zu rauchen?", fragt er. "Die kosten Geld, ihr stinkt, kriegt gelbe Zähne und ruiniert eure Gesundheit. Da hat den Leuten jemand ins Hirn gek.... Ob ihr das mit euch machen lasst, müsst ihr selber wissen." Die Tabakindustrie versuche, mit beigemischten Giftstoffen die Menschen abhängiger zu machen, um so immer mehr Geld an ihnen zu verdienen, warnt er. "Lasst euch nicht verarschen. Zigaretten törnen nicht mal. Dann doch lieber kiffen." Was zunächst nur provokant klingt, erklärt der Kabarettist folgendermaßen: "Ich bin pragmatisch: Verbote bringen nichts. Wenn ihr kifft, achtet zumindest darauf, was ihr da kauft."

Schulleiterin Sabine Nolte-Hartmann steht hinter Gulps außergewöhnlichem Programm: "Dieses Projekt macht auf unterhaltsame und gleichzeitig nachhaltige Art die Gefahren von übermäßigem Alkoholkonsum und von Drogenmissbrauch deutlich. Dabei wählt es Zugänge, die dem Lebensgefühl junger Menschen entsprechen." Ähnlich sieht das eine Mutter. "Ich finde gut, dass er sagt, das Maß sei wichtig. Solche Sachen zu verbieten macht sie für die Kinder nur noch attraktiver", meint sie.

Bei den Jugendlichen kommt Gulps andere Art und Weise, über Drogen zu sprechen, ebenfalls gut an. "Es war interessant. Er hat nicht nur was runter gerattert, sondern das lustig gemacht. Da ist man aufmerksamer", meint die 14-jährige Hannah-Sophie. "Es hat mir sehr gut gefallen", findet auch die 15-jährige Cathrin. "Man hat was gelernt. Vorher hab ich gedacht, jeder trinkt doch Alkohol, das seh ich jetzt anders."

Die "Hackedicht-Schultour der Knappschaft" war seit 2010 bereits an 67 Schulen unterwegs. In diesem Jahr sollen bundesweit 15 Schulen besucht werden. "Etwa 5125 betrunkene Kinder und Jugendliche mussten 2013 in Bayern wegen der Folgen übermäßigen Alkoholkonsums im Krankenhaus behandelt werden", verdeutlicht Gisbert Frühauf von der Krankenkasse Knappschaft. "Dies entspricht einem Rückgang von 7,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Dieser Rückgang ist positiv und zeigt: Unsere Präventionsmaßnahmen wirken." Nun gelte es, diesen Trend positiv zu verstetigen.

Um die Wirkung von Gulps Programm nachhaltiger zu machen, schult der Suchthilfeverein Condrobs am Folgetag Schüler, und Lehrer für den Umgang mit dem Thema Alkoholmissbrauch und lädt die Eltern zu einem Gesprächsabend ein.

Auch Eisi Gulp möchte den Schülerinnen zu guter Letzt noch einen Rat mit auf den Weg geben: "Die Gesellschaft vergisst oft, dass Sucht eine Krankheit ist. Ich hoffe, ihr macht Schluss mit Vorurteilen."
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