Mit KORA gegen Volksleiden: Projekt wird 30 Jahre alt

Seit März 2015 ist das KORA Studienzentrum in den modernen Räumen des Augsburger Glaspalastes zu finden, im Osten der Innenstadt - dem heutigen Textilviertel.Glaspalast. Foto: Archiv

Chronische Krankheiten sind eine große Belastung für die Volkswirtschaft - und erst recht für die Betroffenen selbst. Das Projekt KORA widmet sich diesem Problem und erhebt im großen Stil Daten und Fakten, damit Forscher neue Heilverfahren und ein größeres Verständnis für die Krankheitsursachen entwickeln. Kommende Woche feiert KORA das 30-jährige Bestehen.

KORA, das steht für Kooperative Gesundheitsforschung in der Region Augsburg. Dahinter steckt eine Forschungsplattform, die national und international genutzt wird. Die grundlegende Idee ist, möglichst viele Patientendaten zu erheben und dann unter verschiedenen Fragestellungen zu umweltbedingten Erkrankungen unter epidemiologischen, genetischen und gesundheitsökonomischen Aspekten auszuwerten.

In den vergangenen 30 Jahren wurden in Abständen von fünf Jahren rund 18 000 Personen untersucht und befragt - alles Freiwillige aus Augsburg und den beiden angrenzenden Nachbarlandkreisen Aichach-Friedberg und Augsburg-Land im Alter von 25 bis 74 Jahren. Damit kann der Verlauf der Gesundheit bei den Befragten über Zeiträume bis zu 30 Jahren nachvollzogen werden.

In den Befragungen geht es darum, Risikofaktoren zu identifizieren, wie zum Beispiel Umweltbelastungen, Lebensstil und genetische Faktoren. Im Zentrum steht die Untersuchung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, doch inzwischen sind weitere Fragestellungen wie Typ-2-Diabetes, Metabolisches Syndrom, Allergien, Krebs und weitere chronische Erkrankungen hinzugekommen. Gerade die genetische Forschung hat von den KORA-Daten profitiert, doch prallel dazu wurde ein Herzinfarktregister aufgebaut. Es erfasst alle durch Herzinfarkt verursachten Sterbefälle und nicht tödlichen Herzinfarkte bei 25- bis 75-Jährigen. Ergänzt wird KORA durch weitere Studien und Untersuchungen, so das nun als Ergebnis eine umfangreiche Datenbank mit Blutproben und eine einzigartige Sammlung von Befunden und Krankheitsgeschichten vorliegt.

Die Organisation und die Durchführung der Studien haben Wissenschaftler der Institute für Epidemiologie beziehungsweise Gesundheitsökonomie und Management im Gesundheitswesen am Helmholtz Zentrum München übernommen. Das KORA Studienzentrum befindet sich seit März 2015 im Augsburger Glaspalast im Textilviertel.

Begonnen hat alles mit KORAs "Mutter" MONICA (monitoring trends and determinants in cardiovascular disease). Das Herz Kreislaufprojekt der Weltgesundheitsorganisation WHO startete bereits 1984 in der Studienregion Augsburg und aus ihm die KORA-Plattform hervor. Heute umfasst sie die KORA-Kohorte, das KORA-Herzinfarktregister, die KORA-Bioprobenbank und die Datenhaltung. KORA ist daher längst deutschlandweit zum Vorbild für epidemologische Untersuchungen gewachsen, ein Beispiel dafür ist die Nationale Kohorte.

Es überrascht nicht, dass die umfangreiche Datenbasis und Bioprobensammlung beliebt ist auch bei Wissenschaftlern aus dem Ausland. "Pro Jahr werden über 200 Forschungsprojekte mit regionalen, nationalen und internationalen Partnern durchgeführt", berichtet das Helmholtz Zentrum München.

Finanziert wird die KORA-Plattform überwiegend aus öffentlichen Mitteln. Diese erhält das Helmholtz Zentrum vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und vom Land Bayern. Weitere projektbezogene Förderung steuert das Bundesgesundheitsministerium und die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) und die EU bei. Auch Fördermittel aus Stiftungen, wie der Deutschen Herzstiftung, und die Finanzierung durch wissenschaftliche Kooperationspartner tragen die KORA-Forschung mit.

Die Stadt Augsburg ehrt die geleistete Forschungsarbeit mit einem großen Symposium am Dienstag, 23. Februar, im Rathaus. Höhepunkt der Veranstaltung ist am Nachmittag, gegen 15 Uhr, eine hochkarätig besetzte Podiumsdiskussion zum Thema "Gesundheitsforschung in Augsburg - Quo vadis". Es diskutieren Professor Michael Beyer, Ärztlicher Vorstand des Klinikums Augsburg, Professorin Sabine Doering-Manteuffel, Präsidentin der Universität Augsburg, Professorin Annette Peters, Direktorin des Instituts für Epidemiologie II am Helmholtz Zentrum München und Leiterin der KORA-Studie, sowie Professor Günther Wess, Wissenschaftlicher Geschäftsführer des Helmholtz Zentrums München.

Wer sich weiter über KORA informieren möchte, findet im Internet unter www.helmholtz-muenchen.de noch mehr Fakten und Daten.

Von Markus Höck
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